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Neues im Nationalpark Bayerischer Wald

Interessantes aus dem Geschehen im Nationalpark Bayerischer Wald


In 3D durch Wald und Wildnis


der Nationalpark Bayerischer Wald

Neue App „Nationalpark Bayerischer Wald“ mit interaktiven 3D-Karten wurde freigeschaltet.

Die Besucher können den Nationalpark Bayerischer Wald ab sofort neu erleben und ihre Touren noch besser am Handy planen. Die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf hat dazu zu Beginn der Ferienzeit in Bayern die neue App „Nationalpark Bayerischer Wald“ mit interaktiven 3D-Karten freigeschaltet.

„Die einzigartige Landschaft des Nationalparks kann man jetzt bereits Zuhause hautnah erfahren. Mit der neuen App wird Deutschlands ältester Nationalpark zum digitalen Erlebnis. Die App bietet einen echten Mehrwert to go für jeden, der seine Freizeit im Nationalpark optimal gestalten will. Damit wird der Besuch im Nationalpark ein persönliches Highlight“, so Scharf.

Die neue App zeigt 500 Kilometer Touren, Rad- und Wanderwege in den Karten wirklichkeitsgetreu in 3D. Sie bringt damit unter anderem 26 ausgewählte Besucher-Tipps, 32 Erlebnis-, Wander- Rad- und Schneeschuh-Touren, eine Auswahl von Videos über den Nationalpark sowie Bilder einer Webcam mobil auf das Handy. Zudem bietet es – wie auch die bereits bestehende App zum Nationalpark Berchtesgaden – ein Tracking-Tool, mit dem der Besucher seine Touren aufzeichnen kann. Auch der „digitale Wegezustand“ kann mit der App abgerufen werden, so dass bereits vor der Tourenplanung klar ist, welche Wege und Touren aktuell begehbar sind oder wo Sperrungen oder Einschränkungen vorliegen.


Pekinger Schüler erkunden den Nationalpark


 Spielerisch natürliche Zusammenhänge begreifen stand für die chinesischen Gäste bei Aktivitäten am Jugendwaldheim im Vordergrund – zusammen mit Schülern aus Niederbayern.  (Foto: Nationalpark Bayerischer Wald)

Neben Naturerlebnissen stand auch das Kennenlernen von Gleichaltrigen aus der Region auf dem Programm

Einen imposanten Tapetenwechsel erlebten jüngst sechs junge Chinesen. Die Schüler im Alter von neun bis 14 Jahren verbrachten eine Woche im Nationalpark Bayerischer Wald. Dort entdeckten sie nicht nur die wilde Natur, sondern lernten auch viele Gleichaltrige aus der Region kennen. „Es war ein für beide Seiten wertvoller Austausch, der tolle Eindrücke hinterlassen hat“, bilanziert Rita Gaidies, die Leiterin des Jugendwaldheims bei Schönbrunn am Lusen, wo die Gäste aus Peking untergebracht waren.

Geocaching im Wald, Wandern auf den Lusen, Bionik-Spiele mit dem Umweltbildungsteam, Entdeckungstour auf dem Baumwipfelpfad, im Haus zur Wildnis oder im Freilichtmuseum Finsterau – viele Höhepunkte der Region standen auf dem Programm der asiatischen Besucher. „Irgendwie erfüllten sie schon das Klischee, viele Sachen im Schnelldurchlauf anzuschauen“, sagt Gaidies. „Am Ende der Woche haben sie aber dann schon gelernt, sich einfach auch mal Zeit zu lassen“.

Für die persönlichen Momente des Austausches sorgten viele Schüler aus der Region, etwa der Grundschule Ruderting, die zusammen mit den Chinesen im Jugendwaldheim untergebracht waren. Aktivitäten gab’s aber auch mit zwei Nationalpark-Partnerschulen, der Mittelschule Hohenau und der Montessori Schule Kreuzberg. Dabei wurde unter anderem gemeinsam ein Drei-Gänge-Menü gezaubert sowie verspeist, eine bayerische Unterrichtsstunde absolviert oder das Sommerfest gefeiert. „Trotz der Sprachbarriere klappte alles richtig gut“, berichtet Gaidies. „Die Kinder verständigten sich einfach auf ihre Weise.“

Etwa ein Jahr Vorbereitungszeit steckte hinter dem Austausch. Begleitet wurden die Pekinger Kinder von ihrer Betreuerin Ying Jiang, die perfekt Deutsch spricht. Auch sie war von den Eindrücken begeistert und überlegt, mit einer weiteren Gruppe wieder in den Nationalpark zu kommen.


Internationale Fernerkundungsexperten im Nationalpark


Beim international besetzten Workshop verschafften sich die Teilnehmer am Lusengipfel selbst ein Bild des zu vermessenden Nationalparks Bayerischer Wald.  (Foto: Nationalpark Bayerischer Wald)

Doktoranden aus 15 Ländern zu Gast im Bayerischen Wald – Biodiversität in Wäldern im Fokus

Im Nationalpark Bayerischer Wald hat man schon einiges an Erfahrung, wenn es darum geht, den Wald aus der Luft genau unter die Lupe zu nehmen. Schließlich sind die Experten hier seit einigen Jahren damit beschäftigt, an Helikoptern befestige Scanner einzusetzen, um die Waldstruktur zu untersuchen. Dieses Wissen haben sich nun auch 19 Doktoranden aus 15 Ländern bei einer zweiwöchigen Sommerschule im ältesten deutschen Nationalpark sowie im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen angeeignet.

In der ersten Woche stand die Einführung in die Methodik und die Feldarbeit im Nationalpark auf dem Programm. Im Kern ging es den Teilnehmern darum, mit luftgestützten Methoden die biologische Vielfalt in Waldökosystemen zu erkennen und auszuwerten. Neben Messungen mit bodengestützten Instrumenten, wurde auch eine besondere Befliegung durchgeführt. Dazu kam ein Flugzeug der britischen Antarktisforschung in den Bayerischen Wald. Dies war mit Laserscanner sowie Hyperspektral- und Thermalsensor ausgestattet. So konnten umfassende Daten über die Nationalparkwälder erfasst werden.

Im Bayerischen Wald nutzt man derlei Daten etwa dazu, Waldinventuren durchzuführen, Lebensraumanalysen für bedrohte Tierarten wie das Auerhuhn zu erstellen oder das Vorkommen von Pilzen vorauszusagen. Im zweiten Teil des Kurses, der in Oberpfaffenhofen stattfand, stand dann mehr die Auswertung der Daten im Vordergrund.

„Das große Interesse von Forschern aus der ganzen Welt zeigt, wie bedeutend die Waldökosysteme im Nationalpark Bayerischer Wald sind. Durch die internationalen Kooperationen konnten wir eine einzigartige Datengrundlage über unsere Wälder aufbauen“, so Nationalpark-Forscher Marco Heurich, der die Zusammenarbeit mit den Hauptorganisatoren der Universität Twente (Niederlande) und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt koordinierte.


Stars der Manege


Quirlig wuselten die jungen Waldartisten durchs Hans-Eisenmann-Haus.  (Foto: Malte Blesing/Nationalpark Bayerischer Wald)

Waldzirkusgruppe des Nationalparks gab Abschlussvorstellung

Der Natur auf eine andere Weise begegnen. Diesen Vorsatz haben die elf Kinder der Waldzirkusgruppe des Nationalparks Bayerischer Wald in den vergangenen vier Monaten wöchentlich in die Tat umgesetzt. Gemeinsam mit Nina Felsmann und Anja Raimer, die gerade ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Nationalpark ableisten, wurde die Philosophie „Natur Natur sein lassen“ künstlerisch mit Zirkusnummern in Szene gesetzt. Jetzt gab es die gut besuchte öffentliche Abschlussvorstellung.

Aufgrund der mauen Wetterlage musste die Show im Hans-Eisenmann-Haus aufgeführt werden, nicht wie geplant im Freien. Trotzdem kamen dutzende Zuschauer in die Nationalpark-Einrichtung, wo die Kinder mit Stolz zeigten, was sie gelernt haben. So gab’s junge Artisten, die sich in fliegende Vögel verwandelten. Oder andere, die als alte Bäume von schweren Stürmen und dem anschließenden Aufblühen der Natur erzählten. Am Schluss der Vorstellung applaudierte das Publikum begeistert den neuen Stars der Waldzirkusmanege.


Nachwuchs bei den Wildpferden


Putzmunter zeigt sich der neuste Zuwachs der Przewalski-Pferde im Tier-Freigelände des Nationalparks. (Foto: Reinhold Gaisbauer/Nationalpark Bayerischer Wald)

Junge Stute kommt im Nationalparkzentrum Falkenstein zur Welt

Es gibt Nachwuchs bei den Przewalski-Pferden im Nationalparkzentrum Falkenstein. Vergangene Woche kam im dortigen Tier-Freigelände eine junge, vitale Stute zur Welt. „Dem Jungtier und dem Muttertier geht’s prächtig“, sagt Reinhold Gaisbauer, Leiter des Servicezentrums Falkenstein. Der neueste Zuwachs der nun neunköpfigen Herde kommt auch bei den Besuchern gut an.

„Die Geburt ist aber in erster Linie ein toller Erfolg für die Arterhaltung“, so Nationalpark-Tierärztin Susanne Klett. Schließlich stehen Przewalski-Pferde auf der roten Liste der gefährdeten Arten und kommen in freier Wildbahn nur noch äußerst selten vor. Deswegen hat der Nationalpark schon mehrmals Auswilderungsprojekte unterstützt. „Und vielleicht trägt auch die neu geborene Stute einmal dazu bei, die Population weiter zu stärken.“


Ruckowitzschachten ist wieder beweidet


Die kleine Herde Rotes Höhenvieh darf die nächsten Wochen nun auf dem Ruckowitzschachten verbringen. (Foto: Gregor Wolf/Nationalpark Bayerischer Wald)

Rotes Höhenvieh sorgt schon im vierten Jahr für die Artenvielfalt unterhalb des Falkensteins

In den nächsten Monaten ist für das Rote Höhenvieh des Nationalparks nun wieder Höhenluft angesagt. Bereits in der vierten Saison sorgt die aktuell achtköpfige Herde für eine größere Artenvielfalt auf dem Ruckowitzschachten. Die probehafte Beweidung findet im Rahmen eines LIFE+ Projekts statt, welches sich um den Erhalt spezieller Lebensräume kümmert. Gefördert wird die Maßnahme von der EU und dem Bayerischen Naturschutzfonds.

Frühmorgens rückte das Team des Servicezentrums Falkenstein am Mittwoch zu den Übergangsweideflächen in Kreuzstraßl aus, um die Tiere mithilfe von Anhängern auf über 1100 Meter zu transportieren. Oben angekommen, begannen die Vierbeiner nach nur wenigen Sekunden ihre Sommerheimat zu erkunden.

„Die Rinder schaffen Vielfalt“, erklärt Projektbetreuerin Claudia Schmidt. „Das Vieh selektiert stark auf der Weide, dadurch wird etwa das Borstgras gefördert, das den Tieren nicht so schmeckt. Von kleinflächig offenen Bodenstellen, die durch Trittspuren entstehen, profitiert wiederum die Arnika, eine selten gewordene Heilpflanze.“

Wer mehr über die Beweidung erfahren will, kann am 15. Juli oder 12. August an Führungen zur Insel im Waldmeer teilnehmen. Los geht’s jeweils um 13 Uhr am Parkplatz P1 in Zwieslerwaldhaus.


Lehrernachwuchs erprobt Nationalpark-Umweltbildung


Welche Aktionen die Nationalpark-Umweltbildung für Schulklassen parat hält, erkundeten 13 angehende Lehrer bei einer Fortbildung rund ums Haus zur Wildnis. (Foto: Kristina Wenzl/Nationalpark Bayerischer Wald)

Baumbegegnungen und Wohnungsmarkt: Angehende Grundschulpädagogen lernen Schulangebote kennen

Nochmal selbst zum Schüler werden. Dieses Gefühl durften 13 angehende Grundschullehrer rund ums Haus zur Wildnis bei Ludwigsthal spüren. Schließlich erlebten sie einen Tag lang, welch spannende Themen die Nationalpark-Umweltbildung für Kinder und Jugendliche bereithält.

Katharina Ries, stellvertretende Leiterin im Haus zur Wildnis, stellte den Pädagogen, die aktuell in den Landkreisen Straubing-Bogen und Regen eingesetzt sind, interessante Schulprogramme vor – und ließ die Besucher selbst aktiv werden. So erkundete der Lehrernachwuchs etwa den Wohnungsmarkt, ein Schulklassenprogramm bei dem die Bedeutung von Spechthöhlen in alten Wäldern aufgearbeitet wird. Auch die Aktion Baumbegegnungen, die auf Lernen und Erfahren mit allen Sinnen setzt, stand auf dem Programm.

„An vielen Stellen gab’s richtig staunende Blicke“, bilanziert Ries. „Etwa, wenn wir uns über das stattliche Alter einiger Bäume unterhielten.“ Gut angekommen sind bei der Gruppe um Seminarleiter Dr. Franz Helminger auch die philosophischen Ansätze der Erlebnispädagogik im Nationalpark sowie der stets präsente Nachhaltigkeitsgedanke.

Start für die Waldwerkstatt

Im Neuschönauer Hans-Eisenmann-Haus gibt’s demnächst größere Umbaumaßnahmen, um vor allem Schülern und Familien die Natur spielerisch näher bringen zu können. (Foto: Jo Fröhlich/Nationalpark Bayerischer Wald)

Umbau im Hans-Eisenmann-Haus – Sechs-Millionen-Euro-Budget für Interreg-Projekte der Nationalparks Bayerischer Wald und Šumava

Es gibt grünes Licht für einen lange gewünschten Umbau im Nationalparkzentrum Lusen. Das Neuschönauer Hans-Eisenmann-Haus bekommt eine Waldwerkstatt, einen Erlebnisraum zum Entdecken, Forschen und Spielen. Möglich macht das ein gemeinsames Projekt mit dem Nachbar-Nationalpark Šumava. Die Europäische Union fördert die rund 1,3 Millionen Euro teure Maßnahme zu 85 Prozent mit Mitteln aus dem Interreg-Programm, welches grenzüberschreitende Kooperationen von EU-Ländern unterstützt. Damit laufen in beiden Nationalparks aktuell acht gemeinsame Interreg-Projekte mit einem Gesamtvolumen von fast sechs Millionen Euro.

„Wir freuen uns sehr, dass wir die Planungen zur Weiterentwicklung des Hans-Eisenmann-Hauses nun in die Tat umsetzen können“, so Nationalparkleiter Franz Leibl am Montag bei einem Pressetermin mit seinem tschechischen Kollegen Pavel Hubený in Kašperské Hory (Bergreichenstein). „Ohne die finanzielle Unterstützung der EU, wäre uns das nicht möglich.“

Der bisher vor allem für Wechselausstellungen genutzte Raum im Obergeschoss des Nationalpark-Informationsgebäudes wird in den kommenden Monaten komplett umgebaut. Ein stilisierter Berg wird den Mittelpunkt der Waldwerkstatt bilden. Dort sollen in Zukunft Kinder und Jugendliche sowie Schulklassen und Familien spielerisch die Natur begreifen lernen. „Damit können wir endlich unsere pädagogischen Konzepte voll umsetzen“, sagt Christian Binder, Leiter des Hans-Eisenmann-Hauses. „Außerdem ist die dreisprachig gehaltene Waldwerkstatt auch perfekt für unsere tschechischen Gäste, die von Jahr zu Jahr mehr werden.“

Parallel zur Umgestaltung im Hans-Eisenmann-Haus beinhaltet das kürzlich genehmigte Projekt den Bau einer Umweltbildungseinrichtung in Bergreichenstein. Im Nationalpark Šumava steht bei der Waldwerkstatt das Erleben und Kennenlernen des Kultur- und Naturerbes im Fokus. Als dritte Komponente kommen Austauschprogramme für Schüler beidseits der Grenze hinzu.

Die Genehmigung der Waldwerkstatt ist ein weiterer Meilenstein der stets intensiver werdenden Zusammenarbeit der Schutzgebiete. Derzeit arbeiten Forscher etwa daran, ein gemeinsames Monitoring der Biodiversität und Hydrologie des bayerisch-böhmischen Grenzgebirges zu etablieren, die bisher nur rudimentär kartierten Pilze des Böhmerwalds zu erfassen oder ein grenzüberschreitendes Rotwildmanagement zu entwickeln. Außerdem stehen ein gemeinsames sozio-ökonomisches Monitoring-System in den Startlöschern sowie weitere Projekte in den Bereichen der Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit.

Die acht laufenden Maßnahmen haben einen Kostenansatz von 5.997.094 Euro. Der Eigenanteil der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald liegt bei 558.685 Euro, die Nationalparkverwaltung Šumava steuert 327.598 Euro bei. „Aus jedem für Interreg-Projekte eingesetzten Euro unserer Haushalte können wir also sieben Euro machen“, rechnet Leibl vor. „So werden in der Nationalparkregion beidseits der Grenzen Arbeitsplätze und Investitionen geschaffen.“

Diese beeindruckenden Zahlen seien ein „greifbares Ergebnis der Zusammenarbeit der Nationalparks Šumava und Bayerischer Wald“, findet Pavel Hubený, Direktor des Nationalparks Šumava. „Und ein klarer Beweis dafür, dass sich die Kooperation auf bestmöglichem Niveau befindet. Ich hoffe, dass die zugrunde liegende Freundschaft und das Vertrauen für lange Zeit halten werden.“ Dem pflichtet auch Leibl bei: „Die Arbeit mit unseren tschechischen Kollegen trägt mittlerweile sehr viele Früchte, von denen beide Nationalparks enorm profitieren. Wir wünschen uns, dass dies auch in Zukunft weiter so ausgezeichnet funktioniert. Schließlich tragen wir damit auch einen Teil dazu bei, dass der Bayerische Wald und der Böhmerwald weiter zusammenwachsen.“

Hubený und Leibl haben auch für die nächsten Jahre noch viel vor. „Wir können dank der aktuellen Kooperationen zwar schon auf viele Erfolge zurückblicken, sehen das aber nur als erste Schritte“, erklärt der Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald. So sollen die Schutzgebiete in weiteren Bereichen enger miteinander verzahnt werden – etwa beim Parkmanagement. „Die Zusammenarbeit mit unseren tschechischen Kollegen ist also keine Eintagsfliege, sondern ein für die Natur und die ganze Region gewinnbringendes Großprojekt, das noch viel Potential entfalten wird“, so Leibl.

Jungstörche haben jetzt einen Fingerabdruck

Nach wenigen Minuten konnte Markus Schmidberger, der mit der Grafenauer Drehleiter zum Nest hochgefahren wurde, die Beringung beendet. Währenddessen lag eine Decke über den Vögeln, um sie zu beruhigen. (Foto: Thies Hinrichsen/Nationalpark Bayerischer Wald)

Vögel tragen nun Ringe, damit sie jederzeit identifiziert werden können – Hilfe von LBV und Feuerwehr

Langsam wird der Storchnachwuchs auf dem Dach der Grafenauer Nationalparkverwaltung flügge. Doch bevor das passiert, haben die beiden Vögel am Dienstagabend noch ihren Fingerabdruck bekommen. Markus Schmidberger vom Chamer Landesbund für Vogelschutz (LBV) hat den Tieren mit Unterstützung der Grafenauer Feuerwehr Ringe an den Beinen befestigt, dank derer Seriennummern können die Jungstörche in Zukunft eindeutig identifiziert werden.

Nur wenige Minuten brauchte Schmidberger, um seine Arbeit zu erledigt. „Die jungen Vögel haben sich dabei ganz ruhig verhalten, so dass es überhaupt keine Probleme gab.“ Die erwachsenen Tiere waren sowieso gerade ausgeflogen. „Die kleinen schwarzen Ringe sind aus dem Kunststoff Teflon gefertigt, sind zudem speziell beschichtet“, erklärt der Experte. „So verfängt sich darin etwa kein Kot mehr, wie noch bei manchen Vorgängermodellen.“

Die Seriennummern lässt der Nationalpark nun bei der Vogelwarte Radolfszell registrieren, die ihre Informationen wiederum in ein weltweites Netz einspeist. „Wir hoffen in den nächsten Monaten dann zu erfahren, wo sich unsere Störche so rumtreiben“, sagt Umweltbildungsreferent Lukas Laux. „Vielleicht bekommen wir im Winter ja Nachrichten aus Südafrika.“

Erstmal sollte aber die Storchen-Webcam fleißig beobachtet werden, damit keinem entgeht, wann die jungen Tiere ihre ersten Flugversuche machen. Auch die Storchenpässe, von denen noch Exemplare in den Grafenauer Geschäften und bei der Touristinfo verfügbar sind, können langsam mit allen nötigen Infos gefüttert und abgegeben werden. Wer ein wichtiges Ereignis verpasst hat, kann im Webcam-Archiv die nötigen Antworten finden. Alle Teilnehmer bekommen bei Abgabe der Antwortkarten einen hübschen Glas-Storch und einen Getränkegutschein, den sie an der Storchenbar beim Grafenauer Storchenfest am 22. Juni einlösen können.

Wer sich übrigens schon einmal gefragt hat, wo die Störche das Futter zur Aufzucht ihrer Jungen herbekommen: Fündig werden sie vor allem in feuchten und wasserreichen Gebieten, naturnahen Auenlandschaften sowie Niederungen im Umkreis ihres Brutplatzes. Dort finden sie genügend ihrer Leibspeisen, etwa Fische, Frösche, Würmer oder Insekten. Und da kommt sogar der Biber ins Spiel – schließlich steht in der Natur alles in gegenseitiger Wechselwirkung. Denn durch die Arbeit des Bibers können die Weißstörche artenreiche Feuchtgebiet zur Nahrungssuche nutzen.

Eine Spürnase im Nationalpark

Erschnüffelte im Nationalpark Bayerischer Wald dutzende Kotproben von Luchs, Wildkatze und Wolf: Senckenberg-Diensthund Maple. (Foto: Tamara Gramlinger/Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung)

Suchhund Maple erschnüffelt Luchs, Wildkatze und Wolf – Projekt der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Ein speziell trainierter Suchhund unterstützt seit kurzem die in Frankfurt ansässige Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung bei Wildtiermonitoring und -forschung. Die einjährige Labrador-Hündin hilft beim Sammeln von schwer zugänglichen DNA-Proben verschiedener bedrohter Wildtierarten. Die Methode erweist sich gegenüber herkömmlichen Ansätzen als sehr effektiv: Während der bisherigen Einsätze im Nationalpark Bayerischer Wald spürte das Tier gemeinsam mit einem weiteren Suchhund über 50 Proben von Luchs, Wildkatze und Wolf auf.

Eine feine Nase ist unerlässlich für die Arbeit von Maple, Senckenbergs erstem ausgebildeten Spürhund. Die einjährige Labradorhündin unterstützt seit kurzem die Senckenberg-Wissenschaftler bei der Suche nach Wildtierproben. „Als genetisches Referenzzentrum für große Beutegreifer führen wir seit beinahe zehn Jahren DNA-Analysen von bedrohten Wildtierarten durch. Dabei sind wir auf Proben sehr seltener Tierarten angewiesen. Maples Arbeit wird hierbei immer wichtiger“, freut sich Dr. Carsten Nowak, Leiter des Fachgebietes Naturschutzgenetik des Senckenberg-Forschungsinstituts in Gelnhausen.

Informationen über die Verbreitung von Wildtieren zu erlangen ist häufig schwierig: Die Tiere sind scheu und leben in schwer zugänglichen Gebieten. Herkömmliche Methoden, wie Sichtbeobachtungen und Fotofallen liefern häufig nur begrenzte Informationen. „Für uns sind daher direkte Hinterlassenschaften, wie der Kot der Wildtiere, ein echter Glücksfall – die DNA aus diesen Proben verrät uns, wie viele Tiere sich in einem Gebiet aufhalten, woher sie stammen und welches Geschlecht sie haben“, erklärt Laura Hollerbach, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Hundeführerin von Maple.

Bei ihren ersten Einsätzen im Nationalpark Bayerischer Wald konnte die vierpfotige Neu-Senckenbergerin bereits Erfolge aufweisen: Gemeinsam mit der hierfür beauftragten Suchhündin Nara und ihrer Hundeführerin Elena Jeß erschnüffelte sie 50 Kotproben von neun Luchsindividuen sowie mehrere Wildkatzen- und Wolfhinterlassenschaften. „Solch ein großer Datensatz entsteht mit den bisherigen Methoden über lange Zeiträume hinweg – unsere Hunde haben es in nur wenigen Wochen geschafft“, ergänzt Hollerbach. Die Suchhunde legten dabei rund 600 Kilometer in einem 176 Quadratkilometer großen Suchgebiet zurück.

Zusätzlich zur Erfassung mit Suchhunden wurden in Zusammenarbeit mit Martin Gahbauer von der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald 44 Haarfallen aufgestellt, um DNA-Proben von Luchs und Wildkatze zu sammeln und einen methodischen Vergleich ziehen zu können. Die Nationalparkverwaltung leistete darüber hinaus logistische und personelle Unterstützung für die erste Suchhund-Studie von Senckenberg und ermöglichte so eine erfolgreiche Projektdurchführung.

Die Ergebnisse zeigen, dass ausgebildete Hunde im Vergleich zu Menschen sehr viel größere Flächen in einem kürzeren Zeitraum absuchen können und zudem deutlich höhere Detektionsraten aufweisen. „Daher möchten wir zukünftig Maples Artenspektrum auch noch auf weitere relevante Arten ausbauen“, gibt Hollerbach einen Ausblick.

Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) ist an dieser neuen Datenerfassungsmethode im Rahmen einer Kooperation beteiligt. Erkenntnisse aus künftigen Untersuchungen in Hessen werden in das Monitoring des Landesamtes zu großen Beutegreifern einfließen.

Sprachpaten und Flüchtlinge erkunden Nationalpark

Warum heißt der Zunderschwamm eigentlich Zunderschwamm? Beim feurigen Experiment fanden die Flüchtlinge und ihre Sprachpaten die Antwort. (Foto: Thies Hinrichsen/Nationalpark Bayerischer Wald)

Umweltbildungsteam und Landratsamt ermöglichen spannenden Tag auf dem Seelensteig und im Waldspielgelände

„Was stellt ihr euch eigentlich unter einem Nationalpark vor?“ Die zehnjährigen Samia aus Syrien antwortet ohne zu zögern: „Alles lassen, wie es ist.“ Da kann das Umweltbildungsteam nur nicken, beschreibt das doch treffend die Philosophie des Nationalparks Bayerischer Wald – Natur Natur sein lassen. Gemeinsam mit 16 anderen geflüchteten Kindern und ihren elf Sprachpaten aus dem ganzen Landkreis Freyung-Grafenau taucht Samia auf dem Holzbohlenweg des Seelensteiges bei Spiegelau dann auch in den entstehenden Naturwald ein. Die Gruppe staunt nicht schlecht, als Umweltbildungsreferent Lukas Laux etwa die Bedeutung von Totholz für die Artenvielfalt oder die feurigen Verwendungsmöglichkeiten des Zunderschwamms erklärt. Mit vielen Eindrücken im Gepäck geht‘s später mit dem Igelbus ins Waldspielgelände Spiegelau. Nach der ausgiebigen Picknick-Pause helfen die beiden FÖJler Paula Moosbauer und Thies Hinrichsen sowie Commerzbank-Umweltpraktikantin Cathleen Kertscher den Naturerlebnispfads mit allen Sinnen zu erkunden. An einer Station wird die natürliche Filterfunktion des Bodens erklärt. Anderorts können sich die Kinder beim Weitsprung mit Waldmaus, Baummarder oder Eichhörnchen messen. Und auf dem Barfußpfad werden mit Händen und Füßen die Naturmaterialien des Waldes blind erfühlt.

Sowohl die Kinder als auch die erwachsenen Sprachpaten waren mit viel Spaß bei der Sache und genossen den lehrreichen Sonnentag im Nationalpark. Organisiert wurde der Ausflug von Christian Fiebig, Koordinator für Ehrenamtliche im Bereich Asyl am Landratsamt Freyung-Grafenau, in Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung.

Gymnasiasten filmen unsere Artenvielfalt

Mit der Kamera den Nationalpark erkunden: Zwieseler Gymnasiasten sind der Artenvielfalt auf der Spur. Gedreht wurde zum Thema Luchs etwa im Tier-Freigelände am Haus zur Wildnis. (Foto: Gregor Wolf/Nationalpark Bayerischer Wald)

Zwieseler P-Seminar fokussiert auf die biologische Vielfalt des Nationalparks

„Ich hätte mir das am Anfang schon einfacher vorgestellt“, meint Selina. „Aber wenn man den Luchs nach acht Stunden dann doch vor die Linse bekommt, hat es sich einfach rentiert“, findet ihre Klassenkameradin Magdalena. Die beiden gehören zu einem 14-köpfigen P-Seminar des Gymnasiums Zwiesel, welches gerade die Artenvielfalt des Nationalparks Bayerischer Wald filmisch einfängt. „Das ist ein tolles Projekt in der Natur draußen – und das gehört für uns als Waidler einfach dazu“, ergänzt Elftklässler Lucas.

„Da sind wirklich richtig pfiffige Ideen entstanden“, lobt Achim Klein, Leiter des Wildniscamps am Falkenstein, dessen Personal zusammen mit den Kollegen vom Haus zur Wildnis vor allem in Sachen Umweltbildung Unterstützung leistet. „Die Schüler haben eben einen ganz eigenen Blick auf Nationalparkthemen.“ So hat sich eine Gruppe etwa einen Kurzfilm für Kinder zurechtgelegt, bei dem ein Schnecken-Opa seinem Enkel kinderleichte Antworten zur Natur gibt. Die anderen Beiträge drehen sich um Wildschweine, Rossameisen und Luchse.

„GreenCut – Jugend filmt biologische Vielfalt“ nennt sich die Aktion, die deutschlandweit junge Menschen mit Themen wie Biodiversität und Nachhaltigkeit in Verbindung bringen will. Dahinter steht die Gesellschaft für Solidarität und Partnerschaft (Gespa), unter anderem gefördert vom Bundesumweltministerium und der Bingo-Umweltstiftung. „Die Jugendlichen haben die Themen in tollen Kompositionen umgesetzt und schön in die Nationalparkumgebung integriert“, bilanziert Filmcoach und Gespa-Vorsitzender Herbert Dohlen. Auch die ergänzenden Interviews mit Experten seien gelungen.

Nach dem Dreh folgt jetzt die Postproduktion der vier Beiträge. In ein paar Wochen können die vier- bis sechsminütigen Filme dann zunächst im Internet unter www.green-cut.de begutachtet werden. Und auch eine öffentliche Vorführung ist geplant.


Helikopter scannen Nationalparks

Helikopter im Nationalpark

Aus der Luft gesammelte Daten ergeben ein 3D-Bild der Waldstruktur

In den kommenden Tagen kommt es zu vermehrtem Luftverkehr über den Nationalparks Bayerischer Wald und Šumava. Verantwortlich dafür ist ein Hubschrauber, der im Rahmen eines Interreg-Forschungsprojekts unterwegs ist. In 168 Flugstreifen wird dank eines an der Heli-Unterseite befestigten Laserscanners die grenzüberschreitende Waldstruktur erfasst.

Das vom Nationalpark Bayerischer Wald mitentwickelte Verfahren ist im Vergleich zur stichprobenartigen und sehr personalintensiven Waldinventur am Boden nicht nur kostengünstiger, sondern auch genauer. Die gesammelten Daten können etwa helfen, Lebensraummodelle für die bedrohten Auerhühner zu entwickeln, potentielle Borkenkäferflächen zu erkennen oder ökologisch wertvolle Altbäume zu kartieren.


Neue Plattform im Tier-Freigelände

Maximilian Faschingbauer und Johannes List, Azubis beim Nationalpark, beim Bau der mittlerweile fertiggestellten Plattform nebst Bohlensteg. (Foto: Elke Ohland/Nationalpark Bayerischer Wald)

Einblicke in natürliche Walddynamik – Infotafeln werden Schritt für Schritt erneuert

Das Areal des Tier-Freigeländes bei Neuschönau liegt zwar am Rand des Nationalparks Bayerischer Wald, trotzdem lässt sich selbst hier schon viel natürliche Walddynamik hautnah erleben. Das findet nun auch Einzug in die Besucherinformation vor Ort. Den Auftakt dafür markiert eine neue Plattform nebst kurzem Bohlenweg am Biberteich.

Dort können Besucher faszinierende Einblicke in eine einstige Borkenkäferfläche werfen. Seit Jahren wächst ein junger, strukturreicher Naturwald nach. Auch im restlichen Gelände zwischen den Gehegen sind vielerorts urwaldartige Strukturen, wie Wurzelteller, Totholz, Pilze oder Baumgiganten, zu beobachten. Insgesamt zwölf Infotafeln, die in den nächsten Wochen und Monaten aufgestellt werden, sollen diese Themen in Zukunft aufgreifen. Bis 2020 sollen auch die Tafeln zu den untergebrachten Tierarten erneuert werden.

Gebaut hat die barrierearme Plattform übrigens das Azubi-Duo Maximilian Faschingbauer und Johannes List unter Anleitung von Forstwirtschaftsmeister Ludwig Hilgart.


Die Schöne und das Biest

Die seltene Mopsfledermaus quartiert sich im Bayerischen Wald oft in abstehenden Rinden von Fichten ein, die zuvor von Borkenkäfern befallen wurden. (Foto: Simon Thorn/Nationalpark Bayerischer Wald)

Wie Naturdynamik in Nationalparkwäldern geeigneten Lebensraum für die bedrohte Mopsfledermaus schafft

Seit Jahrzehnten entwickeln sich die Naturzonen des Nationalparks Bayerischer Wald zu ursprünglichen Naturwäldern der Zukunft. Mit dafür verantwortlich sind zahlreiche Borkenkäferausbrüche, die im Kern des Schutzgebiets ungehindert ablaufen können. Neue Forschungsergebnisse zeigen nun, dass diese Entwicklung der gefährdeten Mopsfledermaus sehr gelegen kommt.

Dass viele totholzbewohnende Tier-, Pflanzen- und Pilzarten in den Naturzonen des Nationalparks einen neuen Lebensraum finden, wurde bereits vielfach aufgezeigt. Die neu entstehenden lichtdurchfluteten Wälder machen diesen Schub für die Biodiversität möglich. Oftmals weniger klar nachweisbar war bisher die Reaktion von Arten, die nicht direkt an Totholz gebunden sind.

Die Mopsfledermaus etwa ist eine europaweit geschützte Fledermausart, die Wälder von Italien bis nach Finnland bewohnt. Die auf den Fang von Nachtfaltern spezialisierte Fledermaus zieht ihre Jungen in alten und toten Bäumen auf. Im Gegensatz zu vielen anderen Arten nutzt sie dafür allerdings keine alten Spechthöhlen, sondern Freiräume unter abstehender Rinde.

Auf Borkenkäferflächen im Bayerischen Wald wurde nun von Mitarbeitern des Freiburger Instituts für angewandte Tierökologie in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark untersucht, wie die Mopsfledermaus auf Änderungen in der Waldstruktur reagiert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Mopsfledermaus in Borkenkäferflächen häufiger auf die Jagd geht als in ungestörten Waldbereichen. Das liegt wohl daran, dass durch die Auflichtung mehr Beute verfügbar ist.

Quartiere für die Aufzucht der Jungtiere – Wochenstuben genannt – fanden die Forscher im Rahmen der Studie ausnahmslos unter Rindenschuppen von Fichten, die von Borkenkäfern zum Absterben gebracht wurden. Häufig wählen die Muttertiere Quartiere aus, die von vitalen Bäumen umgeben sind, da diese Deckung und somit Schutz gegen natürliche Feinde wie dem Waldkauz bieten. Im Durchschnitt waren die Fichten mit Wochenstuben deutlich dicker, als benachbarte Fichten. Dies bestätigt die Bedeutung von dicken, alten Bäumen für den Naturschutz – nicht nur für Holzbewohner wie Käfer und Pilze.

Das Nationalparkprinzip „Natur Natur sein lassen“ hat dieser geschützten Säugetierart also zahlreiche neue Kinderstuben und Jagdreviere verschafft. So zeigt auch dieses Beispiel auf, wie wichtig großflächiger Prozessschutz für die Natur ist – und wie die schöne Fledermaus vom vermeintlichen Biest, dem Borkenkäfer, profitiert.


Nationalpark Bayerischer Wald: Storchenpässe bayernweit gefragt

 Die Störche sind wieder da auf dem Dach der Grafenauer Nationalparkverwaltung. Auf der Homepage des Nationalparks lassen sich die Vögel nun via Webcam beobachten. (Foto: Thies Hinrichsen/NP Bayerischer Wald)

Stadt, Werbegemeinschaft und Nationalpark freuen sich über starkes Interesse an Aktionen rund um die Weißstörche

Mit einem derartigen Feedback hatte das Veranstalter-Trio des Storchenfestes nicht gerechnet. Binnen weniger Tage waren die Storchenpässe in Grafenau nahezu vergriffen. Nun haben Stadt, Werbegemeinschaft und Nationalpark für Nachschub gesorgt. Die Rückmeldungen zu den Aktionen rund um die Webcam, die das Weißstorch-Paar auf dem Dach der Nationalparkverwaltung zeigt, sind durchwegs positiv. „Wir bekommen dazu Mails und Anrufe aus ganz Deutschland“, freut sich Grafenaus Tourismuschefin Karin Friedl. Und die Webcam auf www.nationalpark-bayerischer-wald.de verzeichnete bereits knapp 17 000 Zugriffe.

Doch nicht nur überregional kommt das Mitmachprojekt gut an. „In der Stadtbücherei haben wir selbst erlebt, wie Schüler ihre Lehrer für die Storchenpässe begeistert haben“, erzählt Friedl. Aufgrund der regen Nachfrage konnten anfangs nicht alle Interessenten befriedigt werden. „Mit dem Nachschub versorgen wir jetzt erstmal die Warteliste, etwa die Grundschule Grafenau“, so Lukas Laux, der im Nationalpark für die Umweltbildung zuständig ist.

Besonders schön findet Laux, dass mit dem Heftchen auch die biologischen Abläufe bewusster gemacht werden. „Etwa, dass Naturschutz immer internationale Aspekte hat.“ Schließlich benötigen Störche passende Bedingungen auf der kompletten Flugroute von Südafrika bis Europa. Und weil dies im Storchenpass schülergerecht aufgearbeitet wird, haben Klassen aus ganz Bayern schon Interesse an den Grafenauer Heftchen angemeldet.

Wer letztendlich einen der tollen Preise, etwa ein Urlaubswochenende in Burghausen, gewinnen will, muss mindestens zehn der 14 Fragen des Passes beantworten. Die Teilnahme-Seite muss bis zum Storchenfest am 22. Juli bei der Touristinfo, bei Sport Fuchs, beim Modehaus Blach oder bei der Nationalparkverwaltung abgegeben werden. Zu bekommen ist der Pass aber auch bei anderen Grafenauer Geschäften. „Vor allem in den Gastronomie-Betrieben fragen wirklich viele Leute danach“, berichtet Evi Blach, Vorsitzende der Werbegemeinschaft.


Israelische Ranger im Bayerwald

 Die Ranger aus Israel sammelten viele Bayerwald-Eindrücke. Claudia Schmidt erklärte etwa das aktuell laufende LIFE+ Projekt, das sich unter anderem mit Moorrenaturierungen beschäftigt. (Foto: Michael Pscheidl/Nationalpark Bayerischer Wald)

Gäste vor allem von Zusammenarbeit mit Junior Rangern und Freiwilligen begeistert

Vier Ranger aus verschiedenen Schutzgebieten Israels kamen jüngst in den Bayerischen Wald, um sich mit den Kollegen des Nationalparks auszutauschen. Im Fokus der Visite stand die Informationsarbeit im Gelände. „Beide Seiten konnten viele wertvolle Impulse aus dem einwöchigen Treffen mitnehmen“, bilanziert Michael Großmann, Leiter der Nationalparkwacht.

Mit den Israelis ging es zu vielen besucherstarken Punkten im Bayernwald, etwa auf den Lusen, zum Hans-Watzlik-Hain, auf die Schachten oder zum Rachelsee. Außerdem gab’s Einblicke in die Forschungsarbeit, etwa zu den Themen Artenvielfalt dank Totholz, zu den Effekten des Klimawandels auf das Ökosystem Wald oder zur Moorrenaturierung rund ums aktuelle LIFE+ Projekt. Eine Tagestour in den Nachbar-Nationalpark Šumava und der Besuch eines Infostands der Junior Ranger im Tier-Freigelände bei Neuschönau rundeten das Programm ab.

„Besonders fasziniert waren die Kollegen von der tollen Zusammenarbeit mit unseren Junior Rangern sowie mit anderen Freiwilligen“, erzählt Großmann. Doch auch er und sein Team konnten tolle Ideen sammeln. Daher soll der Austausch in Zukunft fortgesetzt werden. Passend dazu unterzeichneten die Chefs der jeweiligen nationalen Ranger-Verbände jüngst bei einem europaweiten Kongress in Tschechien eine gegenseitige Kooperationsvereinbarung.


Hotspot des Waldnaturschutzes

 Zwei der renommiertesten Teilnehmer der Tagung waren Reed Noss (links) und David Lindenmayer, die mit Nationalparkleiter Franz Leibl im Rahmen einer Exkursion unter anderem die Waldhaustanne im Hans-Watzlik-Hain besuchten. (Foto: Simon Thorn/Nationalpark Bayerischer Wald)

Knapp 200 Forscher aus der ganzen Welt tagten im Nationalpark Bayerischer Wald – „Natur Natur sein lassen“ als Motor der Biodiversität

Beeindruckt schlendern zwei der weltweit führenden Waldnaturschutz-Experten durch die Mittelsteighütte. Umgeben von hunderte Jahre alten Tannen und Buchen erklärt Franz Leibl, Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, gerade die Einzigartigkeit dieses Stückchens Wald. David Lindenmayer von der Australian National University und Reed Noss von der University of Central Florida sind – trotz des winterlichen Wetters – begeistert. „Ich bin überrascht, dass es hier noch so faszinierende Reste von Urwäldern gibt, selbst wenn sie klein sind“, sagt etwa Noss.

Die renommierten Forscher gehören zu den Teilnehmern einer internationalen Tagung, die der Nationalpark vergangene Woche im Neuschönauer Hans-Eisenmann-Haus veranstaltete. Vier Tage lang stellten knapp 200 Wissenschaftler aus über 20 Ländern, von El Salvador über Estland, Kanada, oder Spanien bis hin zu Serbien, ihre Projekte vor, knüpften Kontakte und schmiedeten Pläne für neue Forschungsansätze.

Schließlich sei der Waldnaturschutz „fundamental wichtig“, stellt der Australier Lindenmayer fest. „In vielen Fällen bieten geschützte Gebiete den Arten einen Lebensraum, die nirgendwo sonst überleben könnten.“ Dies funktioniere gerade auch wegen natürlicher Störungen, etwa durch Feuer, Stürme oder Borkenkäfer, und der darauf folgenden Regenerationsprozesse. „Diese Abläufe sind einer der besten Motoren für die Biodiversität“, erklärt sein amerikanischer Kollege Noss.

Der Nationalpark Bayerischer Wald ist seit einigen Jahren eng in internationale Forschungsarbeiten eingebunden. „Viele unserer Ergebnisse fließen in globale Studien ein und leisten einen wertvollen Beitrag für den wissenschaftlichen Dialog“, berichtet Leibl. Daher sei man der ideale Austragungsort für eine große Konferenz – zum zweiten Mal nach 2013. Klar, dass einer der Veranstaltungstage für Exkursionen reserviert war. Neben vielen Plätzen im Nationalpark Bayerischer Wald ging es dabei auch in den Nachbar-Nationalpark Šumava und Waldgebiete des Bistums Passau.

„Es hinterlässt viel mächtigere Eindrücke, wenn man die wundervollen Effekte des Prozessschutzes selbst erlebt, als wenn man nur darüber redet“, sagt Lindenmayer, als er gerade vor der etwa 50 Meter hohen Waldhaustanne im Hans-Watzlik-Hain steht. An solch einzigartigen Orten könne man auch Besuchern die Bedeutung von Schutzgebieten sehr beeindruckend vermitteln.

Neben der Natur begeisterte die Teilnehmer vor allem der konstruktive Dialog, der sich auch abseits der Vorträge entwickelte. „Wir freuen uns, dass so viele bedeutende Forscher und motivierte Studenten in den Bayerischen Wald gekommen sind“, bilanziert am Ende Nationalpark-Forschungsleiter Jörg Müller. „Die hier entwickelten Ideen bringen viele Projekte ins Laufen.“ „Und so ist der Nationalpark wieder Impulsgeber für globale Forschung“, ergänzt sein Chef Leibl. Eine Win-win-Situation für alle, vor allem aber für den Waldnaturschutz.

Den Störchen ins Nest geschaut

 Die Störche sind wieder da auf dem Dach der Grafenauer Nationalparkverwaltung. Auf der Homepage des Nationalparks lassen sich die Vögel nun via Webcam beobachten. (Foto: Thies Hinrichsen/NP Bayerischer Wald)

Nationalpark bietet Webcam an – Eines der Tiere wurde 13 Jahre lang nicht gesichtet

Es herrscht wieder Leben im Storchennest auf der Grafenauer Nationalparkverwaltung – und zwar nicht wie erwartet durch das Paar vom vergangenen Jahr. Stattdessen hat sich dort am 26. März ein Vogel niedergelassen, der zuvor 13 Jahre lang nicht gesichtet wurde. Seit Ostern hat er nun Gesellschaft durch ein bisher unbekanntes Tier, das nicht beringt ist. Wie der tierische Tag so abläuft, das dokumentiert ab sofort eine Webcam, die auf der Homepage des Nationalparks einsehbar ist. Das dort gezeigt Bild, das sich alle fünf Sekunden aktualisiert, ist zudem der beste Weg, um bei der Storchenfest-Premiere am 22. Juli tolle Preise abzuräumen.

Einer der neuen Grafenauer Störche kam 2004 im Landkreis Wittenberg (Sachsen-Anhalt) zur Welt. Kurz darauf wurde er beringt, so dass eine eindeutige Identifizierung möglich ist. Bloß genutzt hat’s bisher nichts, schließlich wurde das Tier vor seinem Einzug nach Niederbayern nicht mehr gesehen. Dafür ließ sich die diesjährige Flugroute recht gut abschätzen, so startete der Vogel wohl in Südafrika und kam dann über Kenia, Ägypten und Israel nach Europa. Etwa sechs Wochen dauerte die Reise.

Solche und andere spannende Fakten sind im Storchenpass nachzulesen, der ab sofort in vielen Grafenauer Geschäften, der Touristinfo und der Nationalparkverwaltung ausliegt. Vor allem Kinder und Jugendliche sind zum Mitmachen aufgerufen, schließlich ist darin interessanter Rätselspaß versteckt. Einige der 14 Fragen lassen sich nur mithilfe der Webcam-Beobachtungen beantworten. Ein Besuch von www.nationalpark-bayerischer-wald.de lohnt sich also doppelt. Als Gewinne gibt’s etwa ein exklusives Wochenende beim Hilfsprojekt für den bedrohten Waldrapp in Burghausen oder Karten für den Straubinger Tiergarten sowie den Vogel- und Tierpark Irgenöd in Ortenburg. Die glücklichen Sieger kürt das Veranstalter-Trio aus Stadt Grafenau, Werbegemeinschaft Grafenau und Nationalpark beim Storchenfest am 22. Juli.


Ausgezeichnete Bildungsarbeit

 Das Nationalpark-Umweltbildungsteam freut sich über die erneute Auszeichnung mit dem Qualitätssiegel „Umweltbildung.Bayern“. (Foto: Gregor Wolf/Nationalpark Bayerischer Wald)

Nationalpark Bayerischer Wald trägt wiederholt das Qualitätssiegel „Umweltbildung.Bayern“

Ob mit Familien durch Urwaldreste, mit Schülern in den Tier-Freigeländen oder mit gehandicapten Besuchern über den Baumwipfelpfad – überall und nahezu jederzeit führen Nationalpark-Waldführer und -Mitarbeiter Besucher durch die entstehende Waldwildnis. „Die Angebote sind dabei ganz speziell auf die jeweiligen Zielgruppen zugeschnitten“, berichtet Umweltbildungsreferent Lukas Laux. „So bekommen alle das für Sie passendste Naturerlebnis.“ Die geleistete Arbeit allererste Güte wurde nun wiederholt ausgezeichnet – auch in den nächsten drei Jahren darf man sich mit dem Qualitätssiegel „Umweltbildung.Bayern“ rühmen.

„Mit der Anerkennung zählt der Nationalpark zum Kreis derer, die bayernweit die Leistungen und Chancen der Umweltbildung als wichtige Säule einer Bildung für nachhaltige Entwicklung stärken“, heißt es im Verleihungsschreiben des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz. Besonders lobenswert sei, dass aus dem Kreis der Nationalpark-Mitarbeiter seit Jahren wichtige Impulse für Innovationen kommen.

Zusammen mit den weiteren Trägern des Qualitätssiegels wird fortlaufend daran gearbeitet, die Angebote weiterzuentwickeln und zu verbessern. In diesem Netzwerk spielt der gegenseitige Austausch eine wichtige Rolle. „So konnten wir seit unserer Erstauszeichnung für unsere Arbeit viele spannende Ideen mitnehmen, im Gegenzug dafür unseren Partnern auch interessante Erfahrungen aus dem Nationalpark an die Hand geben“, so Laux.

Jungbären treffen erstmals auf Benny

 Luna und Benny verstehen sich schon wieder prächtig. (Foto: Elke Ohland/Nationalpark Bayerischer Wald)

Im Tier-Freigelände des Nationalparkzentrums Lusen können die vier Bären nun miteinander interagieren

Nachdem Bärenpapa Benny den Winter im neuen, geräumigen Trenngehege im Tier-Freigelände des Nationalparkzentrums Lusen bei Neuschönau verbrachte, ist er nun ins Hauptgehege umgezogen. Hier trifft Benny wieder auf Bärenmama Luna und erstmals auf den gemeinsamen Nachwuchs Luserl und Ralu. Die beiden erwachsenen Tiere verstanden sich bei der ersten Begegnung gleich wieder prächtig. Dagegen hielten sich die Jungbären vorerst abwartend im Hintergrund.

Benny wurde vor etwa einem Jahr für die Sommermonate in den Zoo von Haale gebracht, um Luna die ungestörte Aufzucht des Nachwuchses zu ermöglichen. Schließlich ziehen Bärenweibchen in der freien Natur ihre Jungen auch ohne das Zutun des Männchens auf. Während sich Benny in Sachsen-Anhalt aufhielt, baute die Nationalparkverwaltung ein großzügiges Ausweichquartier an die bestehende Anlage an. Dies steht den Jungbären und Bärenmutter Luna weiterhin als Rückzugsort zur Verfügung.

Siehe dazu auch unsere Waidlerwiki-Videos:


Offenen Borkenkäfer-Fragen auf der Spur

Geballte Borkenkäfer-Fachkompetenz aus vier Kontinenten versammelte sich jüngst im Nationalpark Bayerischer Wald. (Foto: Daniela Wimmer/Nationalpark Bayerischer Wald)

Internationaler Forscher-Workshop im Nationalpark beschäftigt sich mit Wissenslücken rund um die kleinen Insekten

In vielen Wirtschaftswäldern der Erde sind Borkenkäfer die gefürchtetste Schädlingsart. Im Nationalpark Bayerischer Wald ist das anders, da die Insekten hier als natürlicher Teil der Walddynamik wirken können. Gerade deswegen jedoch haben Nationalpark-Forscher über Jahrzehnte viele Erfahrungen gesammelt. „So sind wir ein idealer Ort, um über aktuelle Borkenkäferthemen zu diskutieren“, findet Nationalpark-Forschungsleiter Jörg Müller. Daher kamen auf Initiative von Peter Biedermann (Universität Würzburg) jüngst Experten aus vier Kontinenten in den Bayerwald, um die vielen offenen Fragen rund um die kleinen Käfern zu erörtern.

Das interdisziplinäre Team aus Südafrika, Frankreich, den USA, Indien, Norwegen, Belgien, Tschechien und Deutschland verbrachte eine Woche im Jugendwaldheim bei Schönbrunn am Lusen. Hauptaugenmerk des Workshops: „Wir wollten neue Ideen sammeln“, erklärt Müller. Schließlich könne man zwar auf eine lange Geschichte der Borkenkäferforschung zurückblicken, trotzdem sei vieles noch unklar. „Wir sehen etwa, dass Borkenkäfer-Populationen massiv nach oben gehen und dann plötzlich abrupt abnehmen. Dieses Zusammenbrechen haben wir bis heute nicht verstanden.“

Käfer, Bäume, deren Abwehrmechanismen sowie weitere Mitspieler wie Bakterien oder Pilze bilden ein komplexes System, das die Experten bisher nur teilweise verstehen. „Wir haben uns darüber unterhalten, wo genau unsere Wissenslücken liegen und wie wir methodisch angehen können, diese Lücken zu schließen“, so Müller. Dafür wurden Diskussionsrunden, Workshops in Kleingruppen sowie Vorträge – einer davon sogar öffentlich im Waldgeschichtlichen Museum St. Oswald – abgehalten. Daneben gab’s zwei Exkursionen im Nationalparkgebiet.

Zu den wichtigsten Teilnehmern gehörten Diana Six (University of Montana), Richard Hofstetter (Northern Arizona University) und Michael Wingfield (University of Pretoria). „Nach über 100 Jahren der Forschung wissen wir immer noch nicht, wie Borkenkäfer Bäume zum Absterben bringen. Einige sagen, Pilze seien dafür verantwortlich, andere setzen die von den Käfern gegrabenen Tunnel in den Fokus. Definitive Antworten gibt es jedenfalls noch nicht“, erklärte etwa Six.

Ihr Kollege Wingfield, zugleich Präsident des Internationalen Verbands Forstlicher Forschungsanstalten (IUFRO), stellte fest: „Durch den globalen Handel mit Holz, verbreiten wir weltweit auch viele Borkenkäferarten, die abseits ihrer normalen Lebensräume teilweise noch größere Schäden anrichten. Genau erforscht sind diese Transportwege allerdings nicht.“ Und Hofstetter sagte: „Wir wissen zwar, dass die Käfer auch mithilfe von Geräuschen kommunizieren, wie sie diese wahrnehmen ist aber noch offen. Ohren konnten wir bisher nicht finden.“

Und das Fazit des Austauschs? „Es war eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit, die uns auf jeden Fall viele neue Impulse für Forschungsansätze beschert hat“, resümiert Biedermann. Es soll auch kein einmaliges Kennenlernen gewesen sein: „Wir bleiben mit den Teilnehmern auf jeden Fall in Kontakt.“

Raus aus dem Hörsaal, rein in die Wildnis

Aus ganz Deutschland reisten Studenten ins Wildniscamp, um sich hier ihr Handwerkszeug für das Commerzbank-Umweltpraktikum zu holen – dabei zeigte sich der Bayerwald nochmal von seiner winterlichen Seite. (Foto: Sinan von Stietencron)

Commerzbank-Umweltpraktikanten bereiten sich im Nationalpark auf Einsatz in deutschen Schutzgebieten vor

Die Hängematte ist noch ganz starr. Nicht nur von unten kriecht Kälte in die brasilianische Hütte. „Und jetzt soll ich aus dem kuscheligen Schlafsack raus?“, murmelt Anja Lauer (28) aus Frankfurt am Main ihren Mitstreitern zu. Doch nach der heißen Dusche und dem frisch aufgebrühten Kaffee im Haupthaus des Wildniscamps am Falkenstein steigt mit der Körpertemperatur auch die Vorfreude auf die Einführungswoche der diesjährigen Commerzbank-Umweltpraktikanten.

„Mit dem Winter hatte ich eigentlich schon abgeschlossen“, sagt Stefan Guth (27) aus der Niederlausitz. Trotzdem genießt er die erste gemeinsame Wanderung durch den überzuckerten Nationalpark Bayerischer Wald. Im Wildniscamp angekommen geht‘s ans Kennenlernen. Schließlich holen sich hier jetzt 70 Studenten in der zweiten Woche der Osterferien ihr Handwerkszeug für die kommenden Monate.

Spielerisch geben Nationalparkmitarbeiter Einblicke in die Umweltbildung. „Fasziniert hat mich etwa wie spannend man eigentlich komplizierte Zusammenhänge der Natur kindgerecht vermitteln kann“, so Julia Schütt (28) aus der Nähe von Hamburg. „Nicht gedacht hätte ich, wie viel mühevolle Vorbereitung hinter pädagogischen Angeboten steckt“, ergänzt Anna-Lena Knoll (22) aus Schwaben. Neben Workshops zu Themen wie Wildnis, Barrierefreiheit, Öffentlichkeitsarbeit oder Biodiversität liegen die Schwerpunkte des Aufenthalts bei der persönlichen Naturerfahrung und der Vernetzung der Praktikanten.

Nach der frostigen Wildniscamp-Woche geht’s nun weiter in Nationalparks, Biosphärenreservate oder Naturparks in ganz Deutschland. „Wir freuen uns, dass wir so schon im 27. Jahr die Arbeit von Großschutzgebieten unterstützen können“, erklärt Annette Jung von der Commerzbank. „Besonders glücklich bin ich darüber, durch das Praktikum motivierten jungen Menschen interessante Eindrücke außerhalb der Hörsäle zu ermöglichen.“ Allein fünf der Studenten sind demnächst im Nationalpark Bayerischer Wald aktiv. „Jedes Jahr aufs Neue profitieren auch wir von den guten Ideen, die engagierte Praktikanten in unsere Programme einbringen“, schwärmt Nationalpark-Umweltbildungsreferent Lukas Laux.

Infos zum Commerzbank-Umweltpraktikum finden Sie unter www.umweltpraktikum.com.


Bayerischer Wald ist bekanntester Nationalpark Deutschlands

Tolle Ausblicke auf entstehende Waldwildnis bieten die Gipfel im Nationalpark Bayerischer Wald, wie etwa der Große Falkenstein. (Foto: Frank Bietau/Nationalpark Bayerischer Wald)

Eine auf der ITB vorgestellte Studie unterstreicht die touristische Bedeutung des Schutzgebiets um Falkenstein, Rachel und Lusen

Der Nationalpark Bayerischer Wald gehört zu den Flaggschiffen der deutschen Großschutzgebiete. Ganz aktuell zeigt dies eine Studie, die auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin vorgestellt wurde. Demnach ist die Region um Falkenstein, Rachel und Lusen der bekannteste Nationalpark Deutschlands.

„Wir freuen uns über das positive Feedback“, so Nationalparkchef Franz Leibl zu den Ergebnissen. „Es zeigt zum wiederholten Mal, dass die Gäste unsere entstehende Waldwildnis als Qualitätsmerkmal erster Güte wahrnehmen. Die Studie bestärkt uns zudem darin, unsere Infrastruktur wie etwa Wanderwege und Besucherzentren stets weiterzuentwickeln, um Einheimischen und Touristen gleichermaßen tolle Naturerlebnisse zu ermöglichen.“

Die wissenschaftliche Untersuchung wurde von der Fachhochschule Westküste in Schleswig-Holstein in Zusammenarbeit mit dem Tourismus- und Freizeitinstitut inspektour aus Hamburg durchgeführt. Die repräsentativen Befragungen Deutscher im Alter zwischen 14 und 74 Jahren übernahm die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). In fast allen untersuchten Kategorien – Bekanntheit, Sympathie, Naturerlebnis, ökologische Nachhaltigkeit und regionale Bedeutung – belegt der Nationalpark Bayerischer Wald den ersten Platz unter den 16 deutschen Nationalparks.

Ein Grund dafür: „Der Nationalpark Bayerischer Wald trägt eine starke Destination im Deutschlandtourismus im Namen“, erklärt inspektour-Projektleiterin Sarah Staub. Dabei sei schon allein das Prädikat Nationalpark sehr wichtig. „Die touristische Relevanz von Nationalparks war tatsächlich noch höher, als wir erwartet hatten“, berichtet Straub. „83 Prozent der Befragten haben Interesse daran, einen Nationalpark zu besuchen. Für etwa die Hälfte der Befragten hat der Nationalpark-Status sogar einen Einfluss auf die Wahl ihres Reiseziels.“

Neben Nationalparks hat die Studie die Relevanz der 41 deutschen UNESCO-Welterbestätten untersucht. Vergleicht man diese Ergebnisse mit den Werten des Nationalparks Bayerischer Wald, so wird klar, dass das Großschutzgebiet in derselben Liga wie der Kölner Dom oder das Wattenmeer spielt.

Die touristische Bekanntheit des Nationalparks weiter zu fördern, steht in der Grafenauer Verwaltung übrigens ganz oben auf der Agenda. „Naturschutz und Naturerlebnis geht bei uns Hand in Hand“, so Nationalparkchef Leibl. Das Ziel naturverträglichen Tourismus zu fördern und Erholung zu ermöglichen sei schließlich in der Nationalparkverordnung verankert. Dafür zeigt der Nationalpark auf touristisch relevanten Messen, derzeit etwa auf der Umweltmesse in Landshut, Flagge – meist in Kooperation mit der Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald und den Nationalpark-Partnerbetrieben.

Die letztgenannten dürfte die Studie auch freuen. Steht darin doch, dass sich 33 Prozent der Befragten einen mindestens viertägigen Urlaub in der Nationalpark-Region vorstellen könnten. Der nächste Topwert unter den 16 deutschen Nationalparks.

Welchen Wert hat die Natur?

Florian Kolbinger (2. von rechts) von der Uni Regensburg führte die Lehrer der Nationalpark-Partnerschulen ins Thema Naturethik ein. (Foto: Nationalpark Bayerischer Wald)

Lehrer der Nationalpark-Schulen bilden sich zum Thema Naturethik fort

Alle zwei Jahre gibt’s für Lehrer der momentan neun Nationalpark-Partnerschulen ein exklusives Fortbildungsangebot zu aktuellen Schwerpunktthemen. Bei der jüngsten Infoveranstaltung im Waldgeschichtlichen Museum St. Oswald stand die Frage „Welchen Wert hat die Natur?“ im Vordergrund. Die Einführung zur Naturethik kam bei den zwölf Pädagogen der Gymnasien in Grafenau und Zwiesel sowie der Don Bosco Schule-Grafenau bestens an.

Die relativ junge Wissenschaftsdisziplin beschäftigt sich damit, wie sich der Mensch aus moralischer Sicht gegenüber der Natur verhalten soll. Sind es seltene Käfer und Pilze wert, dass man auf die Nutzung des Rohstoffs Holz verzichtet? Schützen wir die Natur um ihrer selbst willen oder für uns Menschen? Wo fängt eigentlich Natur an und wo hört Kultur auf? Durch die Diskussionen führte Florian Kolbinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Didaktik der Biologie an der Universität Regensburg. Die Hochschule kooperiert seit 2002 mit dem Umweltbildungsteam im Nationalpark.

An konkreten Beispielen aus dem Nationalpark ging’s beim praktischen Teil der Fortbildung in aktive Gesprächsrunden. Dabei wurde schnell klar, dass sich bei der Bildungsarbeit über das Schutzgebiet schnell biologische und ethische Themen treffen. Gerade deswegen wird sich der Nationalpark in den nächsten Jahren verstärkt mit Naturethik befassen.


Gymnasium Zwiesel rückt Nationalpark-Partnerschulen ins rechte Licht

Sammelten gemeinsam fleißig Ideen: Der Kurs „Kunst im öffentlichen Raum“ des Gymnasiums Zwiesel um Lehrer Johann Welsch mit Nationalpark-Mitarbeiterin Katharina Ries. (Foto: Moritz Hartinger/Gymnasium Zwiesel)

Teilnehmer des Kunstkurses von Lehrer Johann Welsch sammeln Ideen für Präsentationen im Haus zur Wildnis und im Hans-Eisenmann-Haus

Wie bringt man die aktuell neun Nationalpark-Partnerschulen noch näher an die Besucher des ältesten deutschen Nationalparks? Mit dieser Frage haben sich jüngst die Teilnehmer des Kurses „Kunst im öffentlichen Raum“ des Gymnasiums Zwiesel – selbst eine der Partnerschulen – beschäftigt. Unter der Leitung von Lehrer Johann Welsch wurden Ideen gesammelt, wie man die Präsentation der Schulen im Haus zur Wildnis in Ludwigsthal und im Hans-Eisenmann-Haus in Neuschönau angehen könnte.

Das erste Grobkonzept stellten die Schülerinnen und Schüler nun Nationalpark-Mitarbeiterin Katharina Ries vor. Dabei wurde gleich weiter an den Vorschlägen gefeilt, die in den kommenden Wochen weiter verfeinert werden sollen. Nun steht vor allem noch an, die Steckbriefe der Partnerschulen zu vervollständigen und grafisch aufzuarbeiten, so dass die Infos später in den Besuchereinrichtungen präsentiert werden können.

Aktuell sind neun Schulen der beiden Landkreise Regen und Freyung-Grafenau eine feste Partnerschaft mit dem Nationalpark Bayerischer Wald eingegangen. Dieses Kooperationsprojekt wird exklusiv für regionale Schulen angeboten. Die vielfältigen Aktionen und Veranstaltungen zwischen dem Nationalpark und den beteiligten Schulen zeugen von einer intensiv gelebten Partnerschaft.


Die Bayerwald-Pilze im Fokus

Die Pilzvielfalt im Bayerwald – hier Stockschwämmchen – wird ab sofort ganz genau unter die Lupe genommen. (Foto: Rainer Simonis/Nationalpark Bayerischer Wald)

Nationalpark Bayerischer Wald koordiniert die Zusammenarbeit des trilateralen Projekts „Funga des Böhmerwalds“

Es ist eine einmalige Gelegenheit, um das Wissen zur Pilzwelt im Böhmerwald länderübergreifend zu erfassen – und auszubauen. Die Rede ist vom Interreg-Projekt „Funga des Böhmerwalds“, für das nun der Startschuss gefallen ist. Dabei untersucht der Nationalpark Bayerischer Wald als führender Partner zusammen mit Forschern aus Tschechien und Österreich die Pilze im trilateralen Grenzraum. Insgesamt sind etwas mehr als 700.000 Euro für die drei Jahre dauernden Forschungsarbeiten angesetzt. Der Fördersatz liegt bei 85 Prozent.

Im Fokus der Untersuchungen steht dabei weit mehr als nur das Gebiet der beiden Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava. Auf deutscher Seite ist etwa auch der Oberpfälzer Wald und das Nationalpark-Umland dabei, in Tschechien ebenso das Vorfeld des Nationalparks bis hin zum Gratzener Bergland. Aus Österreich kommen noch Teile des Mühl- und Waldviertels dazu. Ziel ist es, die im Naturschutz oft als „forgotten species“ (vergessene Lebewesen) titulierten Pilze ins Rampenlicht zu rücken. Schließlich sind diese faszinierenden Organismen essenziell wichtig in allen natürlichen Stoffkreisläufen – und noch dazu bei der Bevölkerung als kulinarische Spezialität hochbegehrt.

Um einen besseren Überblick zur Verbreitung von weit über 3000 Arten in der Region zu erhalten, setzen die Verantwortlichen des Kartierungsprojekts stark auf die Karte „Citizen Science“ (Bürgerwissenschaft). So sollen in lokalen Vereinen ehrenamtlich tätige Amateure in die Erhebung von Beobachtungsdaten eingebunden werden. Besonders knifflige Arten werden anhand von DNA-Proben identifiziert. Alle gesammelten Pilze landen am Ende in einem Online-Atlas, der in deutscher, tschechischer und eventuell auch englischer Sprache verfügbar sein wird. Zu den Verbreitungskarten der Pilzarten gibt’s dort dann auch Fotos und Beschreibungstexte, so dass sich die breite Öffentlichkeit allumfassend informieren kann.

Neben den beiden Nationalparkverwaltungen arbeiten das Biologiezentrum Linz mit der dort angegliederten Mykologischen Arbeitsgemeinschaft (MYAG) und der Lehrstuhl für Ökologie und Naturschutzbiologie der Universität Regensburg am Projekt mit. Außerdem sind die Deutsche Gesellschaft für Mykologie und die Österreichische Mykologische Gesellschaft mit im Boot.

Dass es in der Region in Sachen Pilzkunde noch reichlich Potenzial gibt, hat erst eine mykologische Fachtagung im vergangenen Sommer gezeigt. Dabei wurden viele extrem seltene Pilze teilweise erstmals im Nationalpark Bayerischer Wald nachgewiesen. „Umso mehr sind wir darauf gespannt, wie viele interessante Entdeckungen wir im Laufe der Untersuchungen machen können“, freut sich Dr. Claus Bässler, Pilzexperte und stellvertretender Sachgebietsleiter der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald.

Nationalpark Bayerischer Wald: Haus zur Wildnis knackt Marke von 1,5 Millionen Besuchern

Familie Oechsel-Kiep aus Leipzig „gefällt’s hier prima“ – Scharf: „Nationalparke sind Motor für regionalen Tourismus“ Familie Oechsel-Kiep aus Leipzig – genauer gesagt Sohn Franz – knackte die Marke von 1,5 Millionen Besuchern im Haus zur Wildnis. Mit auf dem Foto sind neben Mama Ivonne, den Schwestern Frieda und Ida sowie Freundin Rosalie auch Nationalparkchef Franz Leibl (links) und Reinhold Weinberger, Leiter des Hauses zur Wildnis. (Foto: Elke Ohland/Nationalpark Bayerischer Wald)

Nach der Geburtstagsfeier zum Zehnjährigen im vergangenen Jahr, hat das Haus zur Wildnis in Ludwigsthal schon wieder einen Meilenstein zu feiern: Am Freitag, 24. Februar, wurde die Marke von 1,5 Millionen Besuchern geknackt. Das ist eine stolze Zahl, wie der Leiter der Nationalpark-Einrichtung, Reinhold Weinberger, findet. „Der Zeitpunkt kommt für uns fast ein bisschen unerwartet, aber allein im Januar diesen Jahres konnten wir 1000 Besucher mehr als im Januar 2016 zählen. Ein Beweis dafür, dass unser Haus auch nach mehr als zehn Jahren nichts an Attraktivität verloren hat.“

Völlig überrascht vom großen Auflauf um ihren Besuch war Familie Oechsel-Kiep aus Leipzig. Mama Ivonne macht zusammen mit ihren Kindern Franz, Frieda und Ida sowie deren Freundin Rosalie eine Woche Urlaub in Daxstein – und nutzt diesen natürlich für einen Nationalpark-Besuch. „Uns gefällt’s hier prima. Wir waren auch schon zweimal da und kommen bestimmt wieder“, so Oechsel-Kiep.

Zum zehnten Geburtstag lobte Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf das Besucherzentrum bereits als „den Gipfel der Attraktivität“. Dies unterstreicht Scharf nun nochmals: „Der Nationalpark Bayerischer Wald ist ein Musterbeispiel für die Entwicklung einer einzigartigen Natur. Und er zeigt klar: Nationalparke sind ein Motor für den regionalen Tourismus. Das beweisen die 1,5 Millionen Besucher eindrucksvoll, die das Haus zur Wildnis seit dessen Eröffnung im Jahr 2006 besucht haben. Dass es sich bei dem Jubiläums-Besucher um eine Familie handelt, freut mich besonders. Denn mit den Nationalparken wollen wir gerade auch junge Menschen für die Natur begeistern. Außerdem entstehen durch einen Nationalpark wertvolle Arbeitsplätze in der Region und in den Nationalparken selbst.“

Das Haus zur Wildnis in Ludwigsthal wurde nach der Erweiterung des Nationalparks Bayerischer Wald um das Falkenstein-Rachel-Gebiet am 4. August 2006 eröffnet. Zusammen mit dem Tier-Freigelände und der Steinzeithöhle ist das Nationalparkzentrum Falkenstein seither ein attraktives Ziel, nicht nur für die Menschen vor Ort, sondern auch für Urlauber und Tagesgäste. Durch die Anbindung mit der Waldbahn sind die Einrichtungen zudem perfekt erschlossen.

„Wir freuen uns sehr, dass das Haus zur Wildnis so gut angenommen wird“, sagt Nationalpark-Leiter Franz Leibl. Dass das so ist, liegt auch daran, dass im Haus zur Wildnis immer allerhand geboten ist. Neben mehrfach pro Jahr wechselnden Ausstellungen, (Film-)Vorträge, Theateraufführungen oder musikalischen Veranstaltungen gibt’s auch einen Laden mit fair produzierten Geschenken, Souvenirs und Büchern. Obendrauf lockt eine hochwertige Bio-Gastronomie mit raffinierter Speisekarte.

Waldführer haben viel vor


Jahrestreffen der Ehrenamtlichen – Nationalparkleiter lobt Engagement – Neue Fortbildungsschwerpunkte

Walddynamik, Naturethik und Biodiversität sind ab sofort die neuen Fortbildungsschwerpunkte der Waldführer, wie Nationalpark-Mitarbeiter Thomas Michler erklärte. (Foto: Gregor Wolf/Nationalpark Bayerischer Wald)

Zum traditionellen Jahrestreffen kamen rund 70 Waldführer ins Waldgeschichtliche Museum St. Oswald. Dort ließ man das zurückliegende Jahr Revue passieren – und blickte mit konkreten Ideen bis ins Jahr 2020. Wie wichtig das Engagement der Ehrenamtlichen ist, unterstrich Nationalparkleiter Franz Leibl gleich am Anfang: „Ohne eure Mithilfe wäre es nicht möglich, unser Führungsprogramm in dieser guten Qualität zu stemmen.“

Damit dies so bleibt, bilden sich die Waldführer regelmäßig fort. Für die kommende Zeit sind vor allem drei Schwerpunkte geplant: Walddynamik, Naturethik und Biodiversität. Dazu gibt es nun vier Jahre lang verstärkt Schulungen. „Damit wir zum 50. Geburtstag des Parks in diesen Themen dann richtig gut aufgestellt sind“, wie Umweltbildungsreferent Lukas Laux im Namen seines ganzen Teams sagte.

Daneben gab es noch eine organisatorische Neuerung zu verkünden. Ab März läuft die Anmeldung für die Tagesprogramme der Schulklassen, die das Rachel-Lusen-Gebiet erkunden wollen, nicht mehr über das Jugendwaldheim, sondern über das Waldgeschichtliche Museum. Interessierte Lehrer können Terminwünsche dann via wgm@npv-bw.bayern.de oder 08552 9748890 anmelden.

Auerhühnern auf der Spur


Mit Schneeschuhen zieht Josef Drexler durch den Nationalpark, um Hinterlassenschaften von Auerhühnern zu suchen. Die DNA der Proben wird später analysiert. (Foto: Gregor Wolf/Nationalpark Bayerischer Wald)

Josef Drexler hilft bei Monitoring-Projekt des Nationalparks – DNA-Analysen lassen auf Populationsgröße schließen

Aufmerksam schweift der Blick von Josef Drexler über die unberührte Schneedecke. Er sucht nach ganz besonderen Spuren. Auf dem lichten Hochplateau des Farrenbergs nahe Finsterau dauert es jedoch nicht lang, bis der 57-Jährige aus Ringelai fündig wird. „Da ist was“, frohlockt er nach einigen Augenblicken und setzt sich mit seinen Schneeschuhen in Bewegung. Nachdem Drexler der gesichteten Auerhuhn-Fährte nur wenige Meter gefolgt ist, zieht er ein Röhrchen aus der Jacke und kniet sich hin, um die entdeckte Losung einzusammeln. Anhand der Kotproben, die in ihrer Form an Holzpellets erinnern, können die Forscher des Nationalparks Bayerischer Wald später herausfinden, wie groß die Population der bedrohten Vögel in den Höhenlagen des bayerisch-böhmischen Grenzgebietes ist.

Es ist die letzte Tour, die der Ringelaier im Gebiet zwischen Lusen und Finsterau unternimmt. Zusammen mit drei weiteren Freiwilligen ist er für 43 Planquadrate zu je 50 Hektar zuständig. „Jede Fläche sollte im Winter zweimal besucht werden“, erklärt Drexler. „Da braucht’s dann für 45 Raster schon vier Leute.“ Einer seiner Mitstreiter ist sein Bruder Matthias, der im Kirchenwald der Diözese Passau arbeitet und daher einen guten Draht zum Nationalpark hat. „Ich habe mich dann nicht zweimal fragen lassen, ob ich bei dem Projekt mitmache, schließlich ist das eine tolle Gelegenheit zu helfen“, so der 57-Jährige

Insgesamt beteiligen sich allein im Bayerwald etwa 50 Freiwillige und Nationalpark-Mitarbeiter beim Auerhuhn-Monitoring. Hinzu kommen die Kollegen des Nationalparks Šumava auf tschechischer Seite der Grenze. „Die Hilfe der Ehrenamtlichen ist dabei für uns extrem wichtig, um flächendeckend Daten zu sammeln“, berichtet Dr. Franz Leibl, Leiter der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, „daher sind wir sehr dankbar für tatkräftige Unterstützung“.

Die bedrohten Tiere lieben ebenso wie Wanderer den Ausblick von den Berggipfeln und die dazwischen liegenden Kammlagen. Gebiete, auf denen sich regelmäßig Besucher bewegen, meiden die Auerhühner jedoch. In guten, ruhigen Habitaten sind die Vögel schließlich einer deutlich geringeren Stressbelastung ausgesetzt. Die ist übrigens über den Kot messbar.

Bereits vor fünf Jahren waren damals gesammelte Monitoring-Daten für den Nationalpark entscheidend, um zusammen mit den Kommunen für Huhn und Mensch sinnvolle Kompromisse bei der Wegeführung zu finden. Geschickte Besucherlenkung schützt die Tiere besonders in der sensiblen Winterzeit und während der Aufzucht der Küken. Die neuen Daten werden zeigen, wo aktuell die wichtigsten Rückzugsräume im sich dynamisch entwickelnden Wald liegen und ob die Population seit 2010 angewachsen ist.

Um die für den Schutz so wichtigen Informationen zu bekommen, müssen alle Quadranten im Nationalpark besucht werden. „Durch die richtige Wahl des Wetters und ein umsichtiges Vorgehen entsteht hierbei aber keine für die Hühner relevante Störung“, so Prof. Dr. Jörg Müller, Leiter des Sachgebiets Naturschutz und Forschung in der Nationalparkverwaltung.

Josef Drexler ist derweil weitergezogen. Ein halbes Dutzend der mit Fichtennadeln durchzogenen Würstchen hat er schon fein säuberlich im Rucksack verstaut, als er erneut eine Spur entdeckt. Diesmal muss er der Fährte etwas weiter folgen, ehe das Ziel erreicht ist. Dafür findet er direkt an einer abgestorbenen Fichte nicht nur eine einzelne Losung, sondern gleich einen ganzen Haufen. Schnell ist klar warum: „Das wird ein Schlafbaum sein“, so Drexler. „Der dicke Ast da oben liegt direkt darüber.“ Doch es gibt noch andere Stellen, an denen der Ringelaier oft fündig wird. „Wurzelteller sind immer ganz gut, da die Vögel dort Magensteinchen finden, mit denen sie Fichtennadeln zerkleinern können.“ Oder kleine Fichten, die vom Boden aus abgenagt werden können.

Da Drexler immer auf diese Besonderheiten im Gelände achtet, ist er nun schon bei der 95. Probe angekommen – Blickkontakt zu den Tieren gibt’s jedoch nur äußerst selten. Routiniert füllt er einen kleinen Teil der Losung mit Hilfe des Röhrchens und dessen Kappe ein. Danach zückt er Zettel, Stift und GPS-Gerät. Jede Kotprobe wird inklusive der Koordinaten schriftlich erfasst. Kurz darauf geht’s weiter. „Das Ganze ist ein bisschen wie Schwammerl suchen“, witzelt der 57-Jährige und verschwindet in Richtung nächster Auerhuhn-Hinterlassenschaft.

Deutsche Junior Ranger wollen mehr Verantwortung

In der Bärnlochhütte bei Altschönau erklärten fünf Junior Ranger aus dem Bayerischen Wald Schutzgebietsvertretern aus ganz Deutschland, wie der Auerhuhn-Schutz in der Region funktioniert. (Foto: Gregor Wolf/Nationalpark Bayerischer Wald)

Winterakademie der Jugendlichen und Fachtagung der Betreuer im Nationalpark Bayerischer Wald

Sechs Tage lang lag das Zentrum der deutschen Junior-Ranger-Arbeit im Nationalpark Bayerischer Wald. Schließlich fand gerade die Winterakademie der Jugendlichen im Jugendwaldheim bei Schönbrunn am Lusen statt. Dabei ging es den älteren Junior Rangern vor allem darum, künftig mehr Verantwortung zu übernehmen. Diesen und weitere Impulse griffen im Anschluss an die Winterakademie die Betreuer der vielen Junior-Ranger-Programme in den Nationalen Naturlandschaften bei ihrem Arbeitsgruppen-Treffen im Waldgeschichtlichen Museum St. Oswald auf.

Die 14- bis 21-Jährigen aus den Schutzgebieten im Wattenmeer, in der Eifel oder in der Lausitz lernten zunächst den Bayerwald kennen, bei einer nächtlichen Wanderung rund um die Unterkunft, einer verschneiten Tour auf den Lindbergerschachten und einem Besuch des Baumwipfelpfades. Zwischen den Aktivitäten war aber auch mächtig Arbeit angesagt. Im Fokus stand die Zukunft der älteren Junior Ranger, die im Nationalpark Bayerischer Wald Volunteer Ranger genannt werden. Alle Ergebnisse der Gruppenarbeiten stellten einige der 24 Teilnehmer den Betreuern dutzender Nationalparks, Biosphärenreservaten und Naturparks als Einstieg in deren Fachtagung vor.

Die Junior-Ranger-Betreuer der Nationalen Naturlandschaften lernten den Bayerwald bei einigen Exkursionen hautnah kennen. (Foto: Gregor Wolf/Nationalpark Bayerischer Wald)

„Wir können extrem stolz auf unsere Jugendlichen sein“, bilanzierte Neele Larondelle, die bei EUROPARC Deutschland die Junior-Ranger-Aktivitäten koordiniert, am Ende des Vortrags. „Sie haben geschafft, sich selbst zu organisieren und uns aufzuzeigen, was sie selbst bieten können und was sie dafür von uns brauchen.“ Vor allem gehe es darum, dass die jungen Ehrenamtlichen mitgenommen werden wollen. Schließlich sind sie auch heute schon in die Ausbildung ihrer jüngeren Kollegen, beim Begleiten von Führungen oder beim Betreuen von Infoständen eingebunden. „Da ist es klar, dass sie mehr Verantwortung wollen“, so Larondelle. Dazu gehöre auch eine bessere Vernetzung zwischen den einzelnen Projekten in ganz Deutschland. „Vielleicht gründen wir demnächst ein regionsübergreifendes Sprechergremium mit Vertretern jeder Nationalen Naturlandschaft. Das wäre dann die Stimme der Jugend.“

Wie gut die jüngeren Junior Ranger im Bayerischen Wald über ihre Heimat informiert sind, bewies ein Quintett in der Bärnlochhütte. Dorthin hatten sich die Betreuer aus ganz Deutschland aufgemacht, um von den Nachwuchskräften etwas über den Schutz der Auerhühner im Bayerwald zu erfahren. Das eingespielte Team erklärte dabei unter anderem, warum das Wegegebot im Winter und während der Aufzucht der Küken so wichtig für den Schutz der störungsempfindlichen Tiere ist. „Wirklich klasse gemacht“, lobte nicht nur Larondelle, sondern auch ihre gut 40 Kollegen.

Damit solch engagierte Nachwuchsranger bald in noch mehr deutschen Schutzgebieten zu Hause sind, lag ein Fokus der Fachtagung auf der Etablierung von Junior-Ranger-Projekten, denn das ist noch nicht in jedem Schutzgebiet geschehen. „Daneben hat uns unter anderem die Biodiversität beschäftigt“, berichtet Michael Großmann, Leiter der Nationalparkwacht im Bayerischen Wald. „Die Komplexität des Themas ist für unsere Junior Ranger schließlich nicht immer leicht zu fassen.“ Doch auch das sei eine Chance für die älteren Ehrenamtlichen. „Unsere Volunteer Ranger haben Interesse sich da einzuarbeiten, ganz nach dem Motto fordern und fördern.“

Letztendlich herrschte bei den beiden Treffen in vielerlei Hinsicht Aufbruchsstimmung. „Wir haben einen guten Austausch mit tollen Ergebnissen geschafft“, findet Großmann. Und Larondelle verspricht von Seiten des Dachverbands der Nationalen Naturlandschaften: „Wir werden auch in Zukunft alles tun, um die vielen starken Junior-Ranger-Projekte weiter zu unterstützen.“

Rothirsche surfen auf der grünen Welle

Rothirsche folgen im Frühjahr dem frischen und nährstoffreichen Grün von den Tal- zuischer Wald) den Höhenlagen. (Foto: Rainer Simonis/Nationalpark Bayer.Wald)

Experiment im Nationalpark zeigt erstmals, dass die Huftiere fit für den Klimawandel sind

Die meiste Energie steckt im frischen Frühjahrsgrün. Im Laufe des Jahres sinkt die Futterqualität der Pflanzen dann beständig. In den Bergen läuft das „Greening“ – also der Austrieb – im Frühjahr von unten nach oben ab. Viele Tiere folgen im besten Falle genau dieser grünen Welle. Der Klimawandel verschiebt diesen Rhythmus jedoch. Bei kurzen Wintern sprießt das Grün schon früher als es viele Tiere gewöhnt sind. Können Wildtiere darauf reagieren?

Dieser Frage haben sich Forscher der Universitäten Oslo, Würzburg und Freiburg im Nationalpark Bayerischer Wald erstmals in einem experimentellen Ansatz gewidmet. Verantwortlich für die Studie war Jörg Müller, Professor für Tierökologie und Tropenbiologie an der Uni Würzburg und Forschungsleiter im Nationalpark Bayerischer Wald.

Im Bayerwald gibt es die dafür notwenige Infrastruktur, da ein Großteil der Hirsche die kalte Jahreszeit in vier Wintergattern verbringt. Im Experiment wurden 20 Hirsche mit GPS-Sendern bestückt. Die Hälfte hatte im Frühjahr sofort Zugang zu frischem Grün, für die andere Hälfte wurden die Gatter erst sechs Wochen später geöffnet.

Die jetzt in der Fachzeitschrift „Ecology“ publizierten Ergebnisse zeigen, dass die Tiere gezielt die frische und nährstoffreiche Vegetation aufsuchen. Die Hirsche, die die Wintergatter bereits früh verlassen hatten, surften direkt auf der Welle des frischen Grüns vom Tal zu den Höhenlagen. Aber auch die später aus den Gattern entlassenen Tiere zeigten sich hochflexibel. Sie rannten einfach schneller bergauf, dorthin, wo besseres Grün zu finden war.

„Beobachtet hatte man dieses Verhalten schon seit Jahren, doch erst jetzt im Experiment wurde bewiesen, welch hohe individuelle Flexibilität Rothirsche zeigen, um auf veränderte Umweltbedingungen reagieren zu können“, fasst Jörg Müller das Ergebnis der Studie zusammen. Oder, kurz gesagt: „Die Tiere sind in der Lage, sich schnell und flexibel anzupassen.“ Eine Eigenschaft, die sie angesichts des Klimawandels gut gebrauchen könnten.


Siegerehrung der besten Schachten-Fotografen

Gewinnerin Julia Piser und Nationalpark-Forschungsleiter Jörg Müller mit Jochen Linner (Nationalpark, oben von links), Johannes Matt (3. Platz), Johannes Schmid (Teilnehmer), Claudia Schmidt (Nationalpark) und Josef Kopp (2. Platz, vorn rechts).  (Foto: Gregor Wolf/Nationalpark Bayerischer Wald)  
Hobbyfotografen des Wettbewerbs zum LIFE+ Projekt auf dem Ruckowitzschachten ausgezeichnet


Seit 2014 grast im Sommer wieder Rotes Höhenvieh auf dem Ruckowitzschachten oberhalb von Zwieslerwaldhaus im Rahmen des LIFE+ Projekts des Nationalparks Bayerischer Wald. Im vergangenen Jahr gab’s dazu einen Fotowettbewerb, um die Effekte der weidenden Rinder zu dokumentieren. Am Freitag wurden nun die Sieger im Neuschönauer Hans-Eisenmann-Haus ausgezeichnet, wo derzeit alle Einsendungen in einer Ausstellung zu bestaunen sind.

„Der Wettbewerb lebte natürlich davon, dass sich Menschen für das LIFE+ Projekt interessieren“, sagte stellvertretender Nationalparkleiter Jörg Müller bei der Ehrung. Daher sei man besonders froh, viele tolle Einsendungen bekommen zu haben, noch dazu weil das Thema doch sehr speziell war und sogar ein Bilderpaar abgeliefert werden musste. Der Zoologe motivierte die Teilnehmer auch weiterhin mit der Kamera unterwegs zu sein: „Wir haben noch viele andere lohnenswerte Fotomotive bei uns im Park.“

Eine der beiden Siegerinnen, Julia Piser aus Freyung, erklärte zu ihrem Arnika-Bild: „Ich habe mich ganz speziell für diese Pflanze entschieden, weil sie stark von der Beweidung profitiert.“ Auch für die zweiten Gewinnerin, Ulrike Selig aus Marburg, die aufgrund der weiten Anreise nicht vor Ort war, sowie für den Zweitplatzierten Josef Kopp aus Teisnach und den Drittplatzierten Johannes Matt aus Bayerische Eisenstein gab es Geldpreise. Zudem haben alle Teilnehmer eine der aus den Siegermotiven hergestellten Wackel-Postkarten als Andenken erhalten.


Einblicke in die Alkoholiker unter den Borkenkäfern

 Gut 100 Zuhörer waren zum Vortrag über Ambrosiakäfer ins Waldgeschichtliche Museum St. Oswald gekommen (Foto: Gregor Wolf/Nationalpark Bayerischer Wald)
  Dr. Peter Biedermann überrascht im Waldgeschichtlichen Museum mit spannenden Fakten zu den Ambrosiakäfern

Alkohol, Inzucht und Kinderarbeit – das soll zu Insekten passen? Geht nicht, oder? Geht doch, wissen jetzt rund 100 Besucher des jüngsten Vortrags aus der wissenschaftlichen Reihe des Nationalparks Bayerischer Wald im Waldgeschichtlichen Museum St. Oswald. Dabei schilderte Dr. Peter Biedermann vom Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie in Jena das Leben von im Holz brütenden Borkenkäfern.   Die Ambrosiakäfer bauen sich – entgegen dem Buchdrucker – ihr Nest nicht in der Rinde, sondern im Holz selbst. Dort züchten sie Pilze, die ihnen als Nahrung dient. „Doch beide Seiten profitieren davon“, erklärt Biedermann. „Schließlich verbreiten die Käfer auch den Pilz.“ Als Lebensraum nutzen sie vor allem frisch umgefallene Bäume, bei deren Absterben besonders viel Alkohol freigesetzt wird. „Denn Ambrosiakäfer sind wahre Alkoholiker – desto hochprozentiger, desto besser.“ Schließlich würden so Schimmelpilze von der Pilzzucht ferngehalten.   In Sachen Fortpflanzung setzen die Lebewesen auf Inzucht. Ein Weibchen legt rund 50 Eier im Nest ab, daraus entwickeln sich jedoch nur ein oder zwei Männchen, die sich dann ihr Leben lang mit den eigenen Schwestern paaren. „Wenn das der Mönch, der sie im 19. Jahrhundert entdeckt hat, gewusst hätte, hätte er sie sicher nicht Ambrosiakäfer, also Käfer der Götter, genannt“, so der Forscher.   Dafür zeigen die kleinen Wesen erstaunliches Sozialverhalten. „Sie schützen das Nest, pflegen die Pilze und putzen sich gegenseitig“, berichtet Biedermann. Und auch Arbeitsteilung spielt eine wichtige Rolle. So seien die Larven dafür verantwortlich den Dreck aus dem Nest – Sägespänne und Kot – in kleinen Ballen zusammenzutragen. Die mit ihnen lebenden erwachsenen Tiere befördern die Mülltüten dann ins Freie.   Und auch für menschliche Anwendungsbereiche könnten die Käfer noch interessant werden. „Das klingt zwar absurd, aber vielleicht können wir von der tierischen Landwirtschaft noch viel lernen“, meint der Experte. „Schließlich betreiben die Tiere seit 60 bis 80 Millionen Jahren Pilz-Monokulturen.“ Demnächst wird sich Biedermann daher besonders mit möglichen Anwendungsbereichen in der Landwirtschaft beschäftigen.  


Tausendfaches Kennenlernen der Natur

Waldkartierung am Fuße des Lusen: Schüler der Mittelschule Zwiesel, einer von neun Nationalpark-Partnerschulen, nehmen den nachwachsenden Wald genau unter die Lupe. (Foto: Thomas Michler/Nationalpark Bayerischer Wald)

Knapp 450 Schülergruppen nehmen an Umweltbildungsprogrammen des Nationalparks teil – Besonders enge Zusammenarbeit mit der Region

  Im Wald Pflanzen und Tiere entdecken, mit dem GPS-Gerät die richtige Spur finden, dank Mikroskop einen genauen Blick auf die Lebewesen im Bergbach werfen oder am Kamin über die Natur philosophieren, all das ermöglicht das Umweltbildungsangebot des Nationalparks Bayerischer Wald. Im vergangenen Jahr haben daran über 10.000 Kinder und Jugendliche von knapp 450 Schülergruppen aus dem ganzen Land teilgenommen. Eine besonders enge Kooperation besteht mit den aktuell neun Nationalpark-Partnerschulen aus der Region.  
Die Nachfrage nochmal kräftig angekurbelt hat eine neue Umweltbildungsbroschüre, in der die Nationalpark-Pädagogen die umfangreichen Möglichkeiten des Naturerkundens darstellen. Von den Schulen wurde das Heftchen so gut angenommen, dass aktuell bereits eine zweite Auflage gedruckt wird.   Der Großteil der 2016 betreuten jungen Tagesbesucher tummelte sich rund um die Besuchereinrichtungen. Das Haus zur Wildnis in Ludwigsthal, das Hans-Eisenmann-Haus in Neuschönau und das Waldgeschichtliche Museum in St. Oswald waren fast täglich Startpunkte für Entdeckertouren. „Die meisten Schulklassen kommen direkt aus dem Landkreisen Regen und Freyung-Grafenau“, bilanziert Katharina Ries, stellvertretende Leiterin im Haus zur Wildnis. „Erfreulich ist aber auch die stärker werdende Nachfrage aus dem Donauraum und dem Lamer Winkel.“  Hervorzuheben sei zudem der stetig steigende Teil der Gruppen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist.   Besonders viele Aktionen fanden mit den Nationalparkschulen statt, zu denen seit 2016 auch die Realschule Grafenau, das Gymnasium Zwiesel und die Paul-Friedl-Mittelschule Riedlhütte gehören. So wurden Projekt- und Ökologietage, ein P-Seminar zu lebendiger Biologie, ein Insektenprojekt, die Erarbeitung eines Reiseführers für Kinder, Waldkartierungen oder die Einführung in Geoinformationssysteme  durchgeführt. Komplettiert wird die Zusammenarbeit vielerorts mit künstlerischen Aktionen in den jeweiligen Schulen. „Insgesamt kamen im vergangenen Jahr so etwa 1500 Schüler aus der Region in den Genuss von Aktivitäten rund um den Nationalpark“, rechnet Nationalpark-Pädagoge Thomas Michler vor.   Aber nicht nur hiesige Kinder und Jugendliche erkundeten das Großschutzgebiet. Vor allem das Wildniscamp am Falkenstein bei Zwieslerwaldhaus und das Jugendwaldheim in Schönbrunn am Lusen waren Anlaufpunkte für Schüler aus ganz Deutschland. „Die weiteste Anreise hatte ein Gymnasium aus Ronnenberg in Niedersachsen, das sich ganz gezielt den Nationalpark als Ziel ausgesucht hat, um den Lehrplaninhalt Ökosystem Wald bei uns kennen zu lernen“, sagt Wildniscamp-Leiter Achim Klein. Ins Jugendwaldheim kam für das esri-Sommercamp sogar eine Schülergruppe aus der Nähe von Kiel, um im Nationalpark die Handhabe von Geoinformationssystemen auszuprobieren. Zusammen mit den an Wochenenden und in den Ferien vom Verein Waldzeit betreuten Gruppen kommen die beiden Nationalpark-Jugendbildungseinrichtungen heuer auf stolze 12.000 Übernachtungen.   „Wir freuen uns, dass unsere pädagogischen Programme weiterhin so regen Zulauf haben“, sagt Sachgebietsleiter Josef Wanninger. „Den Erfolg verdanken wir hauptsächlich dem überdurchschnittlichen Engagement unserer Mitarbeiter und vieler ehrenamtlichen Waldführer.“ So steht der Nationalpark jungen Naturfreunden auch im kommenden Jahr jederzeit als spannendes Outdoor-Klassenzimmer zur Verfügung.    


Es wimmelt im Nationalpark Bayerischer Wald - Artenfülle überrascht Experten


„Die Artenfülle hat uns alle überrascht“, sind sich Prof. Dr. Gerhard Haszprunar, Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB), und Dr. Franz Leibl, Leiter der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, einig. Im Rahmen eines weltweiten Kooperationsprojekts zur genetischen Erfassung von Insekten wurden im Bayerischen Wald während der Sommermonate nur eines Jahres insgesamt über 2.500 verschiedene Insektenarten genetisch erfasst – und das mit nur einer einzigen Insektenfalle.

 Über Funde, wie die seltene Erzwespe Mymar pulchellum, freuen sich die Wissenschaftler ganz besonders. Viele solch mikroskopisch kleiner Insekten sind heute noch unentdeckt. (Foto: SNSB-ZSM)

Als Teil eines internationalen Insektenfang-Projekts (Global Malaise Programm, GMP) wurde im Sommer 2012 im Nationalpark Bayerischer Wald eine sogenannte Malaise-Falle aufgestellt. Malaise-Fallen sind zeltartige Gebilde, die sich besonders gut zur Erfassung der Biodiversität flugaktiver Insekten eignen. Während der nur fünf Monate dauernden Fangzeit wurden fast 30.000 Insekten gesammelt, die 2.530 Arten zugeordnet werden konnten. „Eine enorme Zahl, wenn man bedenkt, dass in den bisherigen Langzeiterfassungen für den Nationalpark erst 3257 Insektenarten sicher nachgewiesen wurden“, freut sich Dr. Franz Leibl, Leiter der Nationalparkverwaltung „Gerade im Hinblick auf das ansonsten weithin beobachtete Artensterben ist dieses Ergebnis sehr erfreulich. Nicht zu Unrecht gilt der Nationalpark Bayerischer Wald als eines der 30 Hotspot Gebiete für biologische Vielfalt in Deutschland.“ Schätzungen gehen derzeit von über 7.000 Insektenarten für den Nationalpark Bayerischer Wald aus.

Und eine weitere Überraschung zeigt die lange Liste der Arten aus dem Bayerischen Wald: Knapp die Hälfte der bestimmten Arten ist nur jeweils durch ein einziges Exemplar vertreten – sogenannte Singletons. „Dies zeigt uns deutlich, dass es weit mehr seltene Arten gibt, als bisher angenommen“, so Dr. Stefan Schmidt von der Zoologischen Staatssammlung München. Gerade solche Funde, wie die sehr seltene und mikroskopisch kleine Erzwespe Mymar pulchellum, freuen den Hautflügler-Experten Schmidt ganz besonders: „Es wird viel von Biodiversität geredet, dabei sind viele Arten vor allem kleinerer Insekten noch unentdeckt, und das sogar in unseren heimischen Wäldern“.

 Global Malaise Programm: Insektenfalle in der naturnahen Waldlandschaft des Nationalparks Bayerischer Wald. (Foto: Nationalpark Bayerischer Wald)

Initiator des internationalen Insektenfang-Projekts (Global Malaise Programm, GMP) ist der kanadische Forscher Paul Hebert, der sich zum Ziel gesetzt hat, weltweit alle Tierarten genetisch zu erfassen, und zu diesem Zweck in Kanada ein großes Analyselabor aufgebaut hat. Im GMP wurde seit 2012 an 50 Standorten über den gesamten Erdball verteilt jeweils eine Malaise-Falle aufgestellt, deren Fangergebnisse nun kurz vor der endgültigen Auswertung stehen. Aus dem Projekt sollen insgesamt rund 1 Millionen Insektenproben genetisch erfasst werden. Zur Bestimmung der Arten werden sogenannte DNA-Barcodes erstellt: DNA-Sequenzen, die für jede Art einzigartig sind. Spannendes Ziel des Malaise-Programms ist der globale Vergleich der Insektenvielfalt auf der Erde.

Als optimaler Standort für Mitteleuropa wurde als naturnahe Waldlandschaft der Nationalpark Bayerischer Wald ausgewählt.

Die ZSM beherbergt rund 25 Millionen zoologische Objekte und gehört, als Teil der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB), weltweit zu den größten naturkundlichen Sammlungen. Im Rahmen der Initiativen „Barcoding Fauna Bavarica“ (BFB) und „German Barcode of Life“ (GBOL) verfolgen die Münchener Forscher das ehrgeizige Ziel, alle deutschen Tierarten genetisch zu erfassen und in einer Online-Bibliothek für Fachleute weltweit zur Verfügung zu stellen. Mit dem Nationalpark Bayerischer Wald kooperiert die ZSM im Rahmen des GBOL-Projekts bereits seit Jahren erfolgreich.

Mehr Informationen zum Thema finden sich unter www.barcoding-zsm.de.

Vom umstrittenen „Betonbunker“ zum Besuchermagneten: Zehn Jahre Haus zur Wildnis


das Haus zur Wildnis

Das Besucherzentrum Haus zur Wildnis lockte seit seiner Eröffnung 1,4 Millionen Gäste an – Jubiläumsfest im August

Seine schiefen Wände und das Flachdach wurden mit großer Skepsis betrachtet und viele der Baustellenbesucher wetterten heftig gegen den „Betonbunker“, der so gar nicht in unsere Landschaft passe. Gerti Menigat erinnert sich gut an die Diskussionen von damals: „Das Haus zur Wildnis hat die Bevölkerung gespalten. Da musste man viel erklären und schlichten“, erzählt die Lindberger Bürgermeisterin – und schüttelt heute darüber lachend den Kopf. Denn: Schon früh hat sich das Haus zur Wildnis als lohnendes Ziel in der Freizeitgestaltung entpuppt – und seit seiner Eröffnung bereits mehr als 1,4 Millionen Besucher angelockt.

Die Nationalparkerweiterung um das Falkenstein-Rachel-Gebiet Ende der 1990er Jahre gab den Anstoß zum Bau des neuen Besucherzentrums, wozu neben dem Haus zur Wildnis das Tierfreigelände mit Großgehegen zur Präsentation von Wölfen, Luchsen, Wildpferden und Urrindern sowie die Steinzeithöhle als Ausgangspunkt für eine abenteuerliche Reise in die Urgeschichte gehören. „In einem Raumordnungsverfahren wurden damals die ökonomischen, ökologischen, kulturellen und sozialen Aspekte der Großbaumaßnahme unter die Lupe genommen“, erinnert sich Haus-zur-Wildnis-Leiter Reinhold Weinberger. Weil das Ergebnis positiv ausgefallen war, nahm die Nationalparkverwaltung das Zehn-Millionen-Euro-Projekt zum Auftakt ins neue Jahrtausend in Angriff. So umstritten die Maßnahme bei der Bevölkerung zunächst war, so positiv bewerten Einheimische und Feriengäste das Nationalparkzentrum Falkenstein heute. Weil allein im Haus zur Wildnis allerhand geboten ist: ein Laden mit fair produzierten Geschenken, Souvenirs und Büchern, eine hochwertige Bio-Gastronomie mit raffinierter Speisekarte sowie jährlich mehrfach wechselnde Ausstellungen, (Film-)Vorträge und musikalische Veranstaltungen – worüber sich Kreiskulturbeauftragter Roland Pongratz besonders freut: „Das Haus zur Wildnis bereichert die Kunst- und Kulturszene des Landkreises Regen enorm.“ So biete die Nationalparkverwaltung nicht nur Konzerte, Kleinkunst und Ausstellungen regionaler wie überregionaler Künstler an, sondern öffne auch externen Partnern und Veranstaltern die Tür. Zudem: „Musiker der unterschiedlichsten Ausrichtungen schätzen den Kinosaal im Haus zur Wildnis“, weiß Pongratz und lobt dessen ausgezeichnete Akustik, „die im Landkreis ihresgleichen sucht und bereits zur Bühne für erstklassige CD-Aufnahmen wurde“.

Doch nicht nur der Kultur wegen strömten in den vergangenen zehn Jahren unermüdlich Gäste nach Ludwigsthal: „Wir verstehen uns auch als Zentrum der Umweltbildung und heißen regelmäßig Kindergärten und Schulen willkommen“, merkt Reinhold Weinberger an und verweist auch auf das abwechslungsreiche Ferienprogramm, das im und rund um das Haus zur Wildnis jeden Sommer stattfindet. Durch die gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr sei das Besucherzentrum ganzjährig hoch frequentiert: „Mittlerweile reist jeder sechste Gast mit der Waldbahn oder dem Igel-Bus an“, weiß Weinberger. Da verzichteten selbst prominente Besucher wie Staatsminister, Abgeordnete und hochrangige Kirchenvertreter schon mal vereinzelt auf ihr Auto. „Das Nationalparkzentrum Falkenstein bereichert die gesamte Region und hat unser Image ordentlich aufpoliert“, ist Bürgermeisterin Gerti Menigat überzeugt und verweist allein auf die 35 Arbeitsplätze, die durch Haus zur Wildnis und Tierfreigelände entstanden sind. Zudem: Im Zuge der Baumaßnahme vor zehn Jahren wurde der öffentliche Personennahverkehr im Zwieseler Winkel verbessert und die Waldbahn zum Stundentakt ausgebaut. „Das hat unsere Infrastruktur und damit natürlich auch den Tourismus auf Vordermann gebracht“, lobt Menigat. Reinhold Weinberger pflichtet bei und ergänzt: „Auch die regionalen Wirtschaftstreibenden profitieren vom Haus zur Wildnis – so zum Beispiel die Zulieferer, die unsere Gastronomie und den Shop versorgen.“ Derzeit bereiten er und sein Team das Festwochenende zum zehnten Jubiläum vor, das vom 5. bis 7. August mit Sommernachtsball und „WoidWejd“-Festival über die Bühne geht. Tags zuvor zieht Umweltministerin Ulrike Scharf Bilanz, indem sie die Bedeutung des Nationalparkzentrums Falkenstein mit seinen rund 200.000 Besuchern jährlich einmal mehr hervorhebt.

Schüler verzieren mongolische Jurte


Die Klasse 7d des Gymnasium Zwiesel bei der Einweihung ihrer neu angebrachten Zierbretter an der mongolischen Jurte im Wildniscamp am Falkenstein, Foto NPV BW

Siebte Klasse des Gymnasiums Zwiesel gestaltet Zierbretter mit mongolischen Ornamenten für Wildniscamp am Falkenstein

Ein besonderes Kunstprojekt bearbeitete die Klasse 7d des Gymnasiums Zwiesel in diesem Schuljahr. Sie gestalteten mit Kunstlehrerin Usija Wallner Zierbretter mit mongolischen Ornamenten für die mongolische Jurte des Wildniscamps am Falkenstein im Nationalpark Bayerischer Wald. Bei einem zweitägigen Aufenthalt im Wildniscamp wurden die Bretter angebracht und feierlich eingeweiht. Die Schüler der Klasse 7d des Gymnasiums Zwiesel ließen sich nicht lange bitten als Wildniscamp-Leiter Achim Klein bei einem Besuch in der Schule anfragte, ob sie gerne die Zierbretter für die neue Überdachung der mongolischen Jurte bemalen wollten. Noch zu schön hatten sie die Tage im Wildniscamp am Falkenstein bei ihrem Besuch im Vorjahr in Erinnerung. Als Nationalpark-Partnerschule schickt das Gymnasium Zwiesel seit zwei Jahren ihre sechsten Klassen immer im Juli für drei Tage in die Einrichtung des Nationalparks Bayerischer Wald, um dort in den Themenhütten zu übernachten.

Mit dem Ansporn, wieder eine Nacht im Camp verbringen zu dürfen, machten sich die Siebtklässer mit Kunstlehrerin Usija Wallner ans Werk und verzierten Bretter mit traditionellen mongolischen Elementen, die später an der neu überdachten Jurte festgemacht werden sollten. Dazu war die Klasse eingeladen das Wildniscamp am Falkenstein von 18. bis 19. Juli zu besuchen und diesmal in den Länderhütten zu schlafen.

Zur Einweihung der acht Bretter hatten sich die Schüler außerdem etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Verkleidet in traditionellen mongolischen Gewändern gaben sechs Siebtklässlerinnen ihren Mitschülern eine Einführung in die Mongolei. Dabei erläuterten sie die Lebensweise der Mongolen, ihre Religion und ihr Naturverständnis. Auch über Begrüßungsrituale sowie Verhaltensregeln beim Betreten einer Jurte und die Sitzordnung darin informierten die sechs „mongolischen“ Damen. Im Anschluss reichten sie traditionellen mongolischen Tee. Im anschließenden Programm machten sich die stellvertretende Leiterin des Wildniscamps, Sabine Eisch und Josefine Höfler, Praktikantin im Rahmen ihres Bachelor-Studiums, gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern auf eine Reise rund um den Globus auf der Suche nach der „Vielfalt des Lebens“. Die Länderhütten des Wildniscamps waren die Reiseziele und das zunächst abstrakte Thema Biodiversität wurde bei einer Vielzahl von Aktivitäten konkreter. Biologische Vielfalt kann so auch Freude machen, insbesondere wenn bei sommerlichen Temperaturen auch noch Wasser ins Spiel kommt.

Mit sichtlich viel Spaß nahmen die Schüler am Programm teil und zeigten sich wissbegierig. Den Eindruck, dass die Kinder von sich aus und sehr begeistert ins Wildniscamp am Falkenstein zurückkehrten, hatte bereits Leiter Achim Klein bei seiner Einführungsstunde zur mongolischen Kultur am Zwiesler Gymnasium. Dass das Projekt insgesamt gut ankam,bestätigte auch Kunstlehrerin Usija Wallner: „Es war eine wunderbare Erfahrung auch einmal außerschulisch so ein Projekt zu realisieren. Für die Schüler war es eine tolle Gelegenheit den Nationalpark als Lern- und Erlebnisort kennenzulernen und sie nahmen das begeistert an.“ Sie bedankte sich außerdem für die tolle Betreuung durch das gesamte Team vom Wildniscamp.

Auch Camp-Leiter Achim Klein lobte die Zusammenarbeit mit der Nationalpark-Partnerschule. Grundsätzlich sei man immer offen für Kooperationen mit Schulen und Jugendgruppen – sei es für einzelne Projekte bis hin zu Patenschaften für Länderhütten. Das Schulklassenprogramm in den Länderhütten, das für Jugendliche ab der 7. Klasse konzipiert ist, wurde gerade erst neu gestaltet und legt seinen Schwerpunkt auf das Thema biologische Vielfalt. „Wir bemühen uns mit unseren Themen Brücken zu den Alltagsthemen von Kindern und Jugendlichen zu schlagen.“, so Klein. Mit der Neugestaltung ist man bisher sehr zufrieden, da die Kinder Themen selbstständig aufgreifen und weiterbearbeiten.

Seit März 2016 besteht im Übrigen auch eine internationale Partnerschaft zwischen dem bei der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator gelegenen Nationalpark Gorkhi-Terelj und dem Nationalpark Bayerischer Wald.


Gelebte Vielfalt, Nationalpark Bayerischer Wald präsentiert sich auf der Woche der Umwelt


Unter dem Motto „Biodiversität – gelebte Vielfalt im Nationalpark Bayerischer Wald“ präsentiert sich der Nationalpark Bayerischer Wald vom 7. – 8. Juni auf der Woche der Umwelt im Park von Schloss Bellevue in Berlin. „Die Woche der Umwelt ist eine ideale Gelegenheit für den Nationalpark, Politik und Gesellschaft ein Modell zu zeigen, wie gelebte Vielfalt in allen Bereichen des Schutzgebiets umgesetzt werden kann,“ so Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl.


 Startbereit! Bei strahlend blauem Himmel über Berlin starten wir in die Woche der Umwelt und freuen uns auf viele Interessierte und Freunde des Nationalparks.
v.l. unten: Sarefa Dervis (Asylbewerberin - Teeausschank am Stand und "Nationalpark für alle") Mustafa Nasiry (Asylbewerber - Teeausschank am Stand und "Nationalpark für alle") Christine Schopf (Nationalparkwacht), Madeleine Pleintinger (Praktikantin), Patricia Germann (Commerzbank-Praktikantin),Franz Riedel (FÖJ)

Zur Woche der Umwelt lädt Bundespräsident Joachim Gauck bereits zum fünften Mal zusammen mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft ins Schloss Bellevue ein. Für zwei Tage stehen das Thema Umweltschutz und die damit verbundenen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Chancen in 80 Fachforen mit 400 anwesenden Experten im Vordergrund. Rund 200 Aussteller stellen sich vor.

Unter knapp 600 Bewerbungen überzeugte der Nationalpark Bayerischer Wald mit seinem Ausstellungskonzept zur grenzenlosen Vielfalt.

„Da sich im Nationalpark der Begriff Biodiversität nicht nur auf Lebensräume, Arten und die genetische Vielfalt beschränkt, wollen wir mit dem Ausstellungskonzept auch das umfangreiche Angebot an Programmen, Einrichtungen und Veranstaltungen im Schutzgebiet zeigen, also auch die „soziale Vielfalt“ präsentieren –das Umweltbildungsangebot verbindet ja unterschiedliche Personengruppen mit und im Nationalpark“, so Lukas Laux. Von diesen Personen haben sich sechs breit erklärt, als „Experten“ in Berlin jeweils über ihr spezifisches Einsatzgebiet zum Thema Vielfalt im Nationalpark zu referieren. Dazu zählen unter anderem zwei Asylsuchende, die die herkunftsübergreifenden Aktivitäten und die gemeinsamen Veranstaltungen mit der örtlichen Bevölkerung vorstellen.

GUTi für den Fahrtziel-Natur-Award 2016 nominiert


Nationalpark und Naturpark Bayerischer Wald stehen mit „Gästeservice Umwelt-Ticket“ (GUTi) im Finale – Preisverleihung am 1. Juli in Potsdam

Foto Alice Alteneder, NPV BW

Es ist eine schöne Bestätigung, dass der gemeinsam mit der Region eingeschlagene Weg, auf umweltschonende Mobilität zu setzen, bundesweit Anerkennung findet: Nationalpark und Naturpark Bayerischer Wald sind mit dem „Gästeservice Umwelt-Ticket“ (GUTi) für den „Fahrtziel Natur“-Award 2016 nominiert worden. Mit dem Preis wird das Engagement zur Vernetzung von nachhaltigem Tourismus und umweltfreundlicher Mobilität in deutschen Schutzgebieten gefördert. Die Preisverleihung findet am 1. Juli in Potsdam statt. Der Gewinner wird mit einem Kommunikationspaket im Wert von 25.000 Euro belohnt.

Neben dem Bayerischen Wald stehen das Biosphärenreservat Südost-Rügen mit der Kurkarte „Bus frei“ sowie das Naturschutzgebiet Ammergauer Alpen mit der „elektronischen Gästekarte“ und der „KönigsCard“ im Finale des diesjährigen „Fahrtziel Natur“-Award.


„Wir freuen uns sehr, dass wir zusammen mit dem Naturpark zu den drei diesjährigen Finalisten gehören“, sagt Nationalpark-Leiter Dr. Franz Leibl. „Das ist eine schöne Anerkennung dafür, dass wir im Bayerischen Wald konsequent versuchen, Naturschutz und sanftem Tourismus miteinander zu vereinbaren.“


Heinrich Schmidt, Vorsitzender des Naturparks, ergänzt: „Schon 2009 konnten wir mit Bayerwald-Ticket und Igelbussen diesen Preis gewinnen. Durch unser kontinuierliches Engagement zur Weiterentwicklung der Vernetzung von nachhaltigem Tourismus und einer umweltfreundlichen Mobilität haben wir es jetzt zum zweiten Mal in die erste Reihe der Bewerber geschafft.“


Die Kooperation „Fahrtziel Natur“ wird getragen von den drei großen Umweltverbänden Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Naturschutzbund Deutschland (NABU), Ökologischer Verkehrsclub Deutschland (VCD) und der Deutschen Bahn (siehe Hintergrund). Dieses Jahr ist der Wettbewerb zum mittlerweile fünften Mal ausgeschrieben. Nach 2009 könnten nun Nationalpark und Naturpark Bayerischer Wald bereits zum zweiten Mal mit dem „Fahrtziel Natur“-Award ausgezeichnet werden.


„Für Nationalpark und Naturpark als ‚Fahrtziel Natur‘-Region der ersten Stunde ist es eine wertvolle Bestätigung, dass der gemeinsam mit der Region eingeschlagene Weg, auf umweltschonende Mobilität zu setzen, bundesweit Anerkennung genießt“, sagt Elke Ohland, Leiterin der Stabsstelle Koordination und Kommunikation der Nationalparkverwaltung und zugleich Verantwortliche für Tourismus. Naturpark-Geschäftsführer Hartwig Löfflmann fügt hinzu: „Wir wollen die schützenswerte Natur des Bayerischen Waldes durch unser öffentliches Nahverkehrskonzept für alle umweltfreundlich und soweit wie möglich barrierefrei zugänglich machen.“


Der „Fahrtziel Natur“-Award 2016 wird am 1. Juli in Potsdam auf der Jubiläumsfeier „15 Jahre Fahrtziel Natur“ verliehen. Die Auszeichnung ist mit einem Kommunikationspaket im Wert von 25.000 Euro dotiert. Teilnahmeberechtigt waren alle 20 deutschen „Fahrtziel Natur“-Gebiete. Weitere Informationen zur Kooperation sind im Internet unter www.fahrtziel-natur.de zu finden.


Neue Infotafeln am P+R Spiegelau


Nationalpark Bayerischer Wald macht mit neuen Infotafeln am P+R Spiegelau auf Igelbus-System aufmerksam – Übersichtlicher und dreisprachig

Mehr Informationen, übersichtlicher gestaltet und dreisprachig: Das ist das neue Konzept für die Infotafeln des Nationalparks Bayerischer Wald. Nachdem an den Besucherzentren bereits die ersten installiert sind, wurden auch auf dem Park-and-Ride-Platz (P+R) Spiegelau neue Tafeln montiert und sollen die Besucher auf Deutsch, Englisch und Tschechisch über den Nationalpark, seine Zielsetzung und über Tourenvorschläge informieren sowie Auskünfte über Wegelängen, Höhenunterschiede und Gehzeiten geben. Auch das Igelbus-System ist nun durch eine konsequentere Beschilderung für die Besucher besser zu erschließen.

Der P+R in Spiegelau ist der Dreh- und Angelpunkt des öffentlichen Personennahverkehrs der Region. Viele Urlauber, die bei ihrem Besuch in der Nationalpark-Region das kostenlose Bus- und Bahnangebot nutzen, wechseln hier die Buslinie und haben dadurch kurze Zwischenaufenthalte und Wartezeiten. Die völlig überarbeiteten Informationstafeln sind nun auch dreisprachig (Deutsch, Englisch, Tschechisch). Die Darstellungstechnik mit gefrästen Holztafeln ist längst zum Markenzeichen des Nationalparks Bayerischer Wald geworden. Die in den letzten Jahren erfolgreich getestete farbige Ausgestaltung erhöht die Attraktivität der Informationen zusätzlich.

Sind bereits Markenzeichen des Nationalparks Bayerischer Wald: die gefrästen Holztafeln in farbiger Ausgestaltung. Alle diese Tafeln werden in der hauseigenen Schreinerei gefertigt. Bild: Maria Hußlein, NPV BW

Neben Informationen zum Nationalpark und den wichtigsten Besuchereinrichtungen gibt es Tourenvorschläge und aktuelle Hinweise auf Führungen und Veranstaltungen. Wünsche der Besucher über Auskünfte zu Wegelängen, Höhenunterschieden und Gehzeiten wurden hier beispielhaft umgesetzt, erklärt Maria Hußlein, Stellvertretende Sachgebietsleiterin im Sachgebiet „Planung, Besucherlenkung und Besucherinformation“. „Ab jetzt finden Anliegen von Besuchern bei der Überarbeitung von Wegebeschreibungen gezielt Anwendung“, erklärt Hußlein. Die Verwendung von Signets und Piktogrammen vereinfacht eine mehrsprachige Darstellung.

„Igelbus-System wird transparenter“

Die nächstgelegenen Igelbus-Haltestellen sind nun auch auf den Wegweisern im Gelände besser ausgeschildert. „So sind die Vorteile des Igelbus-Systems, insbesondere für die Wanderer, viel transparenter geworden“, bemerkt Maria Hußlein. Die Idee von „Hase und Igel“ – der Bus als Igel, der an den Endpunkten von Wanderrouten immer zuerst da ist und die Wanderer zuverlässig zu ihrem Ausgangspunkt zurückbringt – kann dadurch auch von Besuchern, die zum ersten Mal in die Nationalpark-Region Bayerischer Wald kommen, sofort in die eigenen Ausflüge integriert werden.

Die deutlich übersichtlichere und aussagekräftigere Ausschilderung des P+R entlang der Ortsdurchfahrtsstraße Spiegelau beseitigt nach vielen Jahren endlich die schwierige Auffindbarkeit der Zufahrt zum P+R.

UN-Auszeichnung für „Nationalpark-Baby“


Commerzbank-Umweltpraktikum als UN-Dekade-Projekt gewürdigt – 1.400 Naturschutz-Praktikanten in 25 Jahren

Höchste Anerkennung für ein Kind des Bayerwalds: Die Deutsche UNESCO-Kommission hat das Commerzbank-Umweltpraktikum, das auf eine gemeinsame Initiative von Nationalpark Bayerischer Wald und Commerzbank zurückgeht, als Ausnahmeprojekt der UN-Dekade „Biologische Vielfalt 2015/16“ ausgezeichnet. „Das Umweltpraktikum der Commerzbank und von inzwischen 25 Nationalparks, Naturparks und Biosphärenreservaten ist mustergültig für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Unternehmen und Schutzgebieten zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Deutschland“, begründete Dr. Christiane Paulus, Unterabteilungsleiterin Naturschutz im Bundesumweltministerium, als Mitglied der UN-Dekade-Fachjury die Entscheidung des Gremiums. Die Auszeichnung wurde bei einem Festakt zum 25-jährigen Bestehen des Umweltpraktikums im Commerzbank-Tower in Frankfurt verliehen.

Den Preis nahmen Dr. Franz Leibl, Leiter der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, Lukas Laux, Stellvertretender Sachgebietsleiter für Besucherzentren und Umweltbildung sowie Umweltbildungsreferent der Nationalparkverwaltung, und Commerzbank-Vorstand Frank Annuscheit entgegen. Überreicht wurde die Auszeichnung von Annette Dieckmann, Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung (ANU) sowie Mitglied der UN-Dekade-Fachjury (siehe Bild). In ihrer Laudatio lobte Dieckmann die Langfristigkeit und die Multiplikatorwirkung des Projekts, die das Gremium als mustergültig beurteilt habe und nicht zuletzt Anlass für die Auszeichnung gewesen sei. Die Deutsche UNESCO-Kommission vergibt den Preis nur an Projekte und Initiativen, die sich nachhaltig für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen.

„Bundesweites Vorzeigeprojekt“

„Ohne die Umweltpraktikanten der Commerzbank wäre die Arbeit im Nationalpark in dieser Form nicht denkbar“, erklärte Nationalpark-Leiter Dr. Leibl am selben Abend bei einer Gesprächsrunde den Stellenwert des Commerzbank-Umweltpraktikums. An der Diskussion nahm auch Britta Kreuselberg teil, Umweltpraktikantin der ersten Stunde und heute im Umweltministerium von Rheinland-Pfalz tätig. „Wir sind stolz und dankbar, dass unser Nationalpark-Baby in 25 Jahren zu einem bundesweiten Vorzeigeprojekt herangewachsen ist“, sagte Nationalpark-Umweltbildungsreferent Laux am Rande der Preisverleihung. Laux selbst hatte das Praktikum 1990 gemeinsam mit der Commerzbank und weiteren Schutzgebieten aus der Taufe gehoben (siehe Hintergrund).

Seither haben sich dank der Initiative mehr als 1.400 Praktikantinnen und Praktikanten in mittlerweile 25 Nationalparks, Naturparks und Biosphärenreservaten in ganz Deutschland für den Naturschutz engagiert. Die Commerzbank unterstützt die Umweltpraktikanten während ihres drei- bis sechsmonatigen Einsatzes mit einem monatlichen Entgelt. Darüber hinaus werden die Kosten für eine Unterkunft übernommen. „Ein nachhaltiger Umgang mit der Natur ist für uns eine Investition in die Zukunft und in die der nachfolgenden Generationen“, bedankte sich Commerzbank-Vorstand Annuscheit für die Würdigung des Umweltpraktikums als UN-Dekade-Projekt.

„Starke und glaubwürdige Partner des Naturschutzes“: Dr. Franz Leibl, Leiter der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, (links) Commerzbank-Vorstand Frank Annuscheit (2. v. l.) und Nationalpark-Umweltbildungsreferent Lukas Laux (2. v. r.) nehmen aus den Händen von Annette Dieckmann, Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung, (rechts) die UN-Auszeichnung für das Commerzbank-Umweltpraktikum entgegen. Bild: Manuel Debus, TMD

Reaktionen

„Ohne die Umweltpraktikanten der Commerzbank wäre die Arbeit im Nationalpark in dieser Form nicht denkbar. Umweltwissen wird hier nicht nur theoretisch vermittelt, sondern durch die Mitarbeit der Praktikanten werden auch ganz praktisch neue Impulse zum Wohle der Natur gesetzt. Die Commerzbank und der Nationalpark Bayerischer Wald sind dabei von Anfang an starke und glaubwürdige Partner des Naturschutzes gewesen – und das seit nunmehr 25 Jahren.“ Dr. Franz Leibl, Leiter der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald

„Wir sind stolz und dankbar, dass unser Nationalpark-Baby in 25 Jahren zu einem bundesweiten Vorzeigeprojekt herangewachsen ist. Am Anfang stand die Idee, Studierende für eine nachhaltige Entwicklung zu sensibilisieren und ihnen dabei berufliche Perspektiven im Natur- und Umweltschutz aufzuzeigen.“ Lukas Laux, Stellvertretender Sachgebietsleiter für Besucherzentren und Umweltbildung der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, zugleich Umweltbildungsreferent und Mitinitiator des Commerzbank-Umweltpraktikums

„Die Auszeichnung würdigt unser langfristiges Engagement für die Umwelt. Ein nachhaltiger Umgang mit der Natur ist für uns eine Investition in die Zukunft und in die der nachfolgenden Generationen.“ Frank Annuscheit, Commerzbank-Vorstand für den Personal- und IT-Bereich

„Neue Impulse zum Wohle der Natur“: die Commerzbank-Umweltpraktikantin Stefanie Jessolat (Mitte) mit Kindern bei der Sommer-Rallye 2015 im Waldspielgelände bei Spiegelau im Nationalpark Bayerischer Wald. Bild: Alice Alteneder, NPV BW

Hintergrund

Das Commerzbank-Umweltpraktikum ist 1990 auf gemeinsame Initiative von Nationalpark Bayerischer Wald und Commerzbank als Naturschutz- und Berufsbildungsprojekt mit weiteren Schutzgebieten ins Leben gerufen worden. Heute sind 25 Nationalparks, Naturparks und Biosphärenreservate in ganz Deutschland Partner der Initiative. Ziele des Commerzbank-Umweltpraktikums sind die Sensibilisierung von Studierenden für nachhaltige Entwicklung und das Aufzeigen beruflicher Perspektiven in Natur- und Umweltschutz. Die Commerzbank organisiert und finanziert das Praktikum, die Schutzgebiete betreuen die Praktikanten fachlich. In den vergangenen 25 Jahren haben mehr als 1.400 Studierende verschiedenster Fachrichtungen das Projekt durchlaufen.

Der Nationalpark Bayerischer Wald ist der erste und älteste Nationalpark in Deutschland und zugleich eines der größten Waldgebiete Mitteleuropas. 1970 gegründet und 1997 erweitert erstreckt sich der Nationalpark heute auf rund 24.250 Hektar in den niederbayerischen Landkreisen Freyung-Grafenau und Regen. Damit ist das Schutzgebiet größer als Liechtenstein, San Marino, Monaco und der Vatikan zusammen. Etwa 7.300 Tier- und Pflanzenarten sind im Bayerischen Wald bereits nachgewiesen. Vermutlich leben aber doppelt so viele Arten im Nationalpark. Mit rund 1,3 Millionen Besuchern pro Jahr und fast 200 Beschäftigten in der Verwaltung ist der Nationalpark Bayerischer Wald Tourismusmagnet und Jobmotor der Region.

Die Commerzbank ist eine international agierende Geschäftsbank mit Standorten in mehr als 50 Ländern. 1870 gegründet finanziert sie heute über 30 Prozent des deutschen Außenhandels. Die Commerzbank ist zudem Marktführer in der Mittelstandsfinanzierung. Mit rund 1.100 Filialen sowie rund 90 Geschäftskundenberatungszentren betreibt sie eines der dichtesten Filialnetze deutscher Privatbanken. Insgesamt zählt die Bank rund 15 Millionen Privat- sowie eine Million Geschäfts- und Firmenkunden. Sie ist an allen wichtigen Börsenplätzen der Welt vertreten. Der Commerzbank-Tower, die Unternehmenszentrale in Frankfurt am Main, ist mit rund 300 Metern das höchste Gebäude Deutschlands.

Für den Ernstfall gerüstet


Nationalparkverwaltung, Bergwacht und Rotes Kreuz meistern gemeinsame Rettungsübungen

Der Notruf ging jeweils um kurz nach 14 Uhr in der Integrierten Leitstelle ein – glücklicherweise nur zu Übungszwecken: Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, der Bergwacht-Bereitschaften Zwiesel und Grafenau sowie des Bayerischen Roten Kreuzes haben auch in diesem Jahr an zwei Nachmittagen den Ernstfall zwischen Falkenstein und Lusen geprobt. Nach dem tragischen Unglück am Großen Arber, bei dem Ende Oktober ein Bergretter aus Cham bei einer Übung ums Leben kam, standen die beiden Probeeinsätze diese Mal unter besonderen Vorzeichen.

Bei den beiden Rettungsübungen nahe des Waldspielgeländes bei Spiegelau (25. November) und in der Waldabteilung „Eselurhäng“ (26. November) hatten die Ersthelfer jeweils eine verletzte Person zu versorgen, die von umstürzendem Totholz an Kopf und Schulter getroffen wurde. Neben einer offensichtlichen Platzwunde am Kopf lautete der Verdacht auf Schlüsselbeinbruch und Wirbelsäulenverletzung. Die Verletzten waren ansprechbar, konnten sich aber nicht bewegen. – Vorsicht bei der Erstversorgung war also geboten.

Auf den Notfall vorbereitet: 32 Frauen und Männer von Nationalparkverwaltung, Bergwacht und Rotem Kreuz haben Ende November zwischen Falkenstein und Lusen den Ernstfall geprobt. Bild: Reinhold Weinberger, NPV BW

Erste Hilfe und Notruf erfolgten bei beiden Rettungsübungen unverzüglich, Bergwacht und Rettung trafen jeweils binnen weniger Minuten ein. Die ankommenden Rettungsfahrzeuge wurden von den Ersthelfern ohne Schwierigkeiten eingewiesen, die Verletzten anschließend ohne Zwischenfälle auf Gebirgstragen zu den Fahrzeugen gebracht.

Insgesamt haben 19 Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung, acht Retter der Bergwacht-Bereitschaften Zwiesel und Grafenau sowie fünf Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes an den beiden Rettungsübungen teilgenommen. Eine durchweg positive Bilanz zog auch der für Rettungsübungen zuständige Stellvertretende Sachgebietsleiter für Wald- und Flächenmanagement der Nationalparkverwaltung, Reinhold Weinberger: „Die Übungen sind sehr gut verlaufen, die Zusammenarbeit der Rettungskräfte war ausgezeichnet.“

Nächster Halt auf dem Weg zum Einstundentakt


Neubau des Schneiderauwegs bei Spiegelau ermöglicht Auflassung des Bahnübergangs am Lindaustraßl – Künftig als Loipe, Winterwanderweg und Radweg nutzbar

Eine weitere Etappe auf dem Weg zum Einstundentakt der Waldbahn zwischen Zwiesel und Grafenau ist geschafft: Im Auftrag von Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald und Staatlichem Bauamt Passau ist der Schneiderauweg zwischen der Schwarzach- und Geisbergstraße nördlich von Spiegelau erneuert worden. Bis Ende November hat das Bauunternehmen Max Hilz aus Spiegelau die 813 Meter lange Trasse auf nunmehr durchgängig vier Meter verbreitert (siehe Bild).

Weitere Etappe auf dem Weg zum Einstundentakt: Mit dem ausgebauten Schneiderauweg nördlich von Spiegelau ist die Nationalparkverwaltung auf der Waldbahn-Strecke zwischen Zwiesel und Grafenau in Vorleistung gegangen. Bild(: Franz Baierl, NPV BW

So ist auf dem Schneiderauweg schon im beginnenden Winter nicht nur Platz für die beliebte Loipe, sondern auch für einen parallel verlaufenden Winterwanderweg. Dank der im Schnitt um ein bis zwei Meter verbreiterten Fahrbahn kann der Schneiderauweg künftig im Sommer auch als Radweg genutzt werden.

Am Schneiderbach hat das Bauunternehmen Max Hilz aus Spiegelau die in die Jahre gekommene Holzbrücke durch einen Halbrohr-Stahldurchlass ersetzt. So steht der geplanten Auflassung des Bahnübergangs am Lindaustraßl nichts mehr im Wege.

Die Nationalparkverwaltung ist für die Einführung des Einstundentakts auf der Waldbahn-Strecke zwischen Zwiesel und Grafenau mit der Erneuerung dieses Abschnitts in Vorleistung gegangen. Jetzt gilt es, auch noch die übrigen Nadelöhre auf der Bahnstrecke zu beseitigen.

Hochwaldsteig hat seine Schuldigkeit getan


Lehrpfad mit Hilfe eines Einspänners abgebaut – 15 Jahre stiller Zeuge einer lebendigen Waldentwicklung

Manchmal reicht schon eine einzige Pferdestärke: Nach 15 Jahren treuen Diensten hat die Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald entschieden, den Hochwaldsteig auf dem Lusen (Landkreis Freyung-Grafenau) mit Hilfe eines zugkräftigen Warmblüters abzubauen (siehe Bild(er)).

„Sinners Stäbchen“: Der Hochwaldsteig auf dem Lusen (1.373 Meter) war einer der Lieblings-Lehrpfade des früheren Nationalpark-Leiters Karl Friedrich Sinner (Mitte; mit dem Rücken zum Baum stehend). Archivbild: Rainer Pöhlmann, NPV BW

Der rund 400 Meter lange Lehrpfad war im Frühjahr 2000 eingerichtet worden, um Nationalpark-Besuchern die Waldentwicklung in Hochlagen vor Augen zu führen. Nachdem die natürliche Waldverjüngung entlang des Weges längst meterhoch sichtbar ist, haben Mitarbeiter der Nationalparkdienststelle Neuschönau den in die Jahre gekommenen Holzbohlensteg nun möglichst naturschonend abgebaut – mit Hilfe eines Pferdes.

Der Hochwaldsteig auf dem Lusen war einer der Lieblings-Lehrpfade des früheren Nationalpark-Leiters Karl Friedrich Sinner (1998 bis 2011). „Jedes Mal, wenn er mit einer Gruppe auf dem Steig unterwegs war“, erinnert sich der heutige Sachgebietsleiter „Besucherzentren und Umweltbildung“, Josef Wanninger, „hat er die Wanderer gebeten, jedes noch so kleine Pflänzchen mit einem Plexiglasstäbchen zu markieren.“ Irgendwann sei mit dieser simplen Methode die natürliche Waldverjüngung für alle Parkbesucher ganz offensichtlich gewesen (siehe Archivbild).

Würdiges Ende: Nachdem der Hochwaldsteig auf dem Lusen 15 Jahre lang Nationalpark-Besuchern eine lebendige Waldentwicklung in Hochlagen vor Augen geführt hat, ist er nun von Mitarbeitern der Nationalparkdienststelle Neuschönau mit Hilfe eines Pferdes abgebaut worden. Bild: Werner Kirchner, NPV BW

Heute wäre von „Sinners Stäbchen“ unter den teils meterhohen Fichten entlang des Hochwaldsteigs kaum noch etwas zu sehen: Der Wald auf dem 1.373 Meter hohen Lusen hat sich in den vergangenen 15 Jahren sichtbar verjüngt.

Für die Nationalparkverwaltung war es deshalb nun an der Zeit, zumal die Witterung nicht spurlos an dem Holzbohlensteg vorübergegangen ist, den Lehrpfad abzubauen. Möglichst naturschonend, versteht sich, mit einem Pferd. Schließlich hat der Hochwaldsteig seine Schuldigkeit getan.





Junior-Ranger auf fremdem Terrain


Wachtnachwuchs besucht Nationalpark Berchtesgaden

Es war ein traumhafter Herbsttag im einzigen alpinen Nationalpark Deutschlands: 21 Junior-Ranger aus dem Bayerischen Wald haben kürzlich mit ihren Eltern und Wachtmitarbeitern das zweite große Schutzgebiet im Freistaat besucht, den Nationalpark Berchtesgaden.

Ranger Klaus Melde aus Berchtesgaden nahm den Wachtnachwuchs aus dem Bayerischen Wald in Empfang und erklärte den Junior-Rangern das Informationszentrum des alpinen Schutzgebiets. Schließlich versteht sich das Haus der Berge als „Tor zum Nationalpark“.

Ranger Klaus Melde vom Nationalpark Berchtesgaden (Mitte) erklärt dem Wachtnachwuchs aus dem Bayerischen Wald auf einer Wanderung durch die Wimbachklamm die Tierarten des alpinen Schutzgebiets. Bild: NPV BW

Die dortige Dauerausstellung „Vertikale Wildnis“ vermittelt alles Wissenswerte über den Nationalpark Berchtesgaden. Außerdem haben die Junior-Ranger im Haus der Berge auch einiges über die Natur und die Menschen in der Region erfahren.

Danach ging es aber raus an die frische Luft: Auf einem der schönsten Wanderwege im Freistaat, mitten durch die Wimbachklamm, erklärte Ranger Melde dem Wachtnachwuchs die Tiere des Parks. Besonders der Steinadler hatte es den Junior-Rangern angetan.

Auf einem stetig ansteigenden Weg führte die Wanderung schließlich zur Berggaststätte Wimbachschloss. Bei einer ausgiebigen Rast konnten die jungen Naturfreunde hier das sonnige Spätherbstwetter genießen, bevor es am späten Nachmittag zurück in den Bayerischen Wald ging.

Ausgezeichneter grenzenloser Naturschutz


Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava erhalten Transboundary-Zertifikat

Ein grenzüberschreitender Urwald, wo einst der Eiserne Vorhang die Welt teilte: Diese Vision von Europas größtem zusammenhängenden Waldschutzgebiet verfolgen die Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava (Tschechien) schon seit Jahren. Jetzt sind die beiden Schutzgebiete mit dem sogenannten „Transboundary“-Zertifikat ausgezeichnet worden, Europas wichtigstem Naturschutz-Gütesigel – und das bereits zum zweiten Mal nach 2009.

Grenzenlose Freude über die erneute Auszeichnung: die beiden Nationalpark-Leiter Dr. Franz Leibl (Bayerischer Wald; Mitte) und Pavel Hubený (Šumava; 2. von rechts) sowie die verantwortlichen Sachgebietsleiter Hans Kiener (Bayerischer Wald; links) und Martin Starý (Šumava; rechts) mit dem druckfrischen „Transboundary“-Zertifikat aus den Händen von EUROPARC-Präsident Ignace Schops (2. von links). Bild: EUROPARC

Damit würdigt EUROPARC, Europas größte Schutzgebiet-Vereinigung, die grenzenlose Kooperation der beiden Nationalparke. „Die erneute Beurteilung Ihrer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit hat eine klare Entwicklung erkennen lassen und beweist eindeutig, dass gemeinsamer Naturschutz über politische Grenzen hinweg zu einem besseren Schutzgebiet-Management führt“, beglückwünschte EUROPARC-Präsident Ignace Schops die benachbarten Nationalparke. Die Auszeichnung nahmen die Nationalpark-Leiter Dr. Franz Leibl und Pavel Hubený sowie die beiden für die deutsch-tschechische Zusammenarbeit verantwortlichen Sachgebietsleiter Hans Kiener und Martin Starý am Montagabend im Rahmen einer EUROPARC-Konferenz in Regensburg (26./27. Oktober) entgegen.

Umweltministerin: „Tourismusmagnet und Jobmotor der Region“

Auch Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf gratulierte den ausgezeichneten Nationalparks: „Die erneute Zertifizierung unterstreicht die Bedeutung der Nationalparke als internationale Premium-Marke. Die Natur kennt keine Grenzen. Unsere Nationalparke sind ein großes gemeinsames Identifikationsband.“ Der Nationalpark Bayerischer Wald und der Nationalpark Šumava hätten eine herausragende Bedeutung für Naturschutz, regionale Wirtschaftsentwicklung und sanften Tourismus. „Mit rund 1,3 Millionen Besuchern pro Jahr und fast 200 Beschäftigten in der Verwaltung ist der Nationalpark Bayerischer Wald Tourismusmagnet und Jobmotor der Region“, erklärte Umweltministerin Scharf.

„Transboundary Parks“, also grenzüberschreitende Parks, dürfen sich nur Schutzgebiete nennen, die über Staatsgrenzen hinweg partnerschaftlich zusammenarbeiten. Die Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava etwa haben ihre grenzenlose Kooperation seit der ersten gemeinsamen Auszeichnung im Jahr 2009 in vielen Bereichen ausgebaut: Neben mehrsprachigen Multimedia-Ausstellungen im Hans-Eisenmann-Haus (Neuschönau), Waldgeschichtlichen Museum (Sankt Oswald-Riedlhütte) und Schloss Wolfstein (Freyung) sind grenzüberschreitende Wanderwege, etwa zwischen Finsterau und Bučina (Buchwald), entstanden.

Umweltbildungsexperten auf deutscher wie tschechischer Seite haben in den letzten Jahren neues Lehrer- und Schülermaterial entwickelt. Die Naturschutz- und Forschungsabteilungen beider Nationalparke arbeiten zusammen an Tier- und Pflanzenschutzprojekten und präsentieren ihre Ergebnisse auf gemeinsamen Konferenzen vor internationalem Publikum. Regelmäßige Arbeitstreffen von Mitarbeitern verschiedener Fachbereiche sind heute selbstverständlich geworden.

Die Vision eines grenzüberschreitenden Urwalds: Beim Blick über den gefallenen Eisernen Vorhang im Lusental (Luzenské údolí) wird sie offensichtlich. Luftbild: Dr. Franz Leibl, NPV BW

EUROPARC-Präsident: „Zusammenarbeit zum Wohle der Natur“

Fünf weitere Jahre dürfen sich deshalb die Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava nun mit dem Transboundary-Zertifikat schmücken – bis zur nächsten Beurteilungsrunde durch das grenzüberschreitende Steuerungs- und Evaluations-Komitee von EUROPARC. „Verstehen Sie den Preis deshalb bitte nicht nur als Anerkennung Ihrer bisherigen Arbeit“, erklärte EUROPARC-Präsident Schops. „Nehmen Sie ihn auch als Ansporn, Ihre Zusammenarbeit zum Wohle der Natur, der Landschaften und der Menschen in Ihrer Region weiter zu verbessern.“

23 Schutzgebiete in 13 europäischen Ländern gehören aktuell zum „TransParcNet“, der grenzüberschreitenden Initiative von EUROPARC: von der Barentssee im hohen Norden bis zu den italienischen Seealpen im Süden. Erst vom 9. bis 12. Juni des Jahres waren die Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava gemeinsam Gastgeber einer TransParcNet-Fachtagung in České Žleby (Böhmisch Röhren).

Seltenes Naturschutz-Gütesigel

Gerade einmal zehn grenzüberschreitende Schutzgebiete in Europa dürfen sich gemäß der EUROPARC-Beurteilung als grenzenlose Parks bezeichnen. Von den 16 Nationalparken in Deutschland führt derzeit neben dem Bayerischen Wald nur noch die Sächsische Schweiz das Transboundary-Zertifikat. In Tschechien tragen dagegen alle vier Nationalparke das europäische Naturschutz-Gütesigel: neben dem Šumava also auch die Böhmische Schweiz, das Riesengebirge und das Thayatal.

Reaktionen

„Der Bayerische Wald und der Böhmerwald haben eine gemeinsame Natur und Geschichte. Unsere grenzüberschreitende naturschutzfachliche wie touristische Zusammenarbeit bringt Menschen und Natur zueinander. Die erneute Auszeichnung mit dem Transboundary-Zertifikat ist für uns in erster Linie Ansporn, die zukunftsorientierte Entwicklung unserer beiden Nationalparke voranzutreiben.“ Dr. Franz Leibl, Leiter der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald

„Die Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn aus dem Bayerischen Wald ist für uns eine Frischzellenkur. Wir haben nicht nur eine gemeinsame Landschaft und gemeinsame Tier- und Pflanzenarten, sondern auch gemeinsame Herausforderungen. Nach anderthalb Jahren im Chefsessel kann ich ohne Übertreibung sagen, dass es vor allem unsere ausgezeichnete Zusammenarbeit ist, die uns verbindet. Es sind aber auch viele persönliche Freundschaften entstanden.“ Pavel Hubený, Direktor des Nationalparks Šumava

„Die erneute Auszeichnung mit dem Transboundary-Zertifikat ist für uns ein wichtiger Impuls, mit unseren Nachbarn aus Šumava unsere gemeinsame Vision weiterzuentwickeln: einerseits für ein grenzenloses Schutzgebiet einzutreten, andererseits aber auch einen nachhaltigen grenzüberschreitenden Tourismus zu entwickeln.“ Hans Kiener, Sachgebietsleiter „Planung, Besucherlenkung und Besucherinformation“ der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald

„Die Natur kennt keine von Menschen gezogenen Staatsgrenzen. Die Zusammenarbeit der beiden benachbarten Nationalparkverwaltungen ist deshalb nicht nur eine fachliche, sondern auch eine strategische Notwendigkeit. Gesellschaftliche Grenzen zu überwinden, bringt immer Mehrwerte mit sich. In unserem Fall sind es vor allem gegenseitiges Vertrauen, Offenheit und Aufrichtigkeit.“ Martin Starý, Stellvertretender Direktor des Nationalparks Šumava und Sachgebietsleiter „Naturschutz und Forschung“

Hintergrund

Der Nationalpark Bayerischer Wald ist der erste und älteste Nationalpark in Deutschland und zugleich eines der größten Waldgebiete Mitteleuropas. 1970 gegründet und 1997 erweitert erstreckt sich der Nationalpark heute auf rund 24.250 Hektar in den niederbayerischen Landkreisen Freyung-Grafenau und Regen. Damit ist das Schutzgebiet größer als Liechtenstein, San Marino, Monaco und der Vatikan zusammen. Etwa 7.300 Tier- und Pflanzenarten sind im Bayerischen Wald bereits nachgewiesen. Vermutlich leben aber doppelt so viele Arten im Nationalpark.

Der Nationalpark Šumava ist der größte Nationalpark Tschechiens und zugleich eines der artenreichsten Schutzgebiete Mitteleuropas. 1991 gegründet dehnt sich der Nationalpark heute auf fast 68.100 Hektar in den böhmischen Bezirken Klatovy (Klattau), Prachatice (Prachatitz) und Český Krumlov (Krumau) aus. Zusammen mit dem benachbarten Bayerischen Wald bildet der Šumava – oder auch Böhmerwald – das „grüne Dach Europas“, das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas. Mit einem fast 900 Kilometer langen Wegenetz ist der Nationalpark Šumava zudem eine der touristischen Topadressen in Tschechien.

Die EUROPARC-Vereinigung ist die Dachorganisation der Nationalparks, Naturparks, Naturschutzgebiete und Biosphärenreservate in Europa. 1973 in Basel gegründet vertritt EUROPARC heute von Regensburg und Brüssel aus die Interessen seiner beinahe 380 Mitglieder aus 36 Ländern. Ziel ist es, die Natur als kulturelles Erbe Europas zu bewahren.

Auf den Spuren der Arche


Wanderer feiern Andacht an der Glasarche am Lusen

Bei strahlendem Sonnenschein hat sich kürzlich eine Gruppe von mehr als 20 Wanderern an der Fredenbrücke getroffen, um gemeinsam entlang der Großen Ohe und durch das Teufelsloch die Glasarche am Lusen zu besuchen. Begleitet wurde die Gruppe von Lukas Laux, dem Bildungsreferenten des Nationalparks Bayerischer Wald, den Pfarrern Sonja Schuster aus Grafenau und Uwe Krause aus dem Sauerland sowie der Künstlerin Gretel Eisch aus Frauenau.

Andacht an der Glasarche am Lusen: Jan Schuster, Franz Riedel, Lukas Laux und Uwe Krause (stehend von links) musizierten und lasen den Wanderern meditative Texte vor. Bild: NPV BW

An fünf ausgesuchten Zwischenstopps wurden Interpretationen zu Holzschnitten vorgelesen, die Gretel Eisch von 2003 bis 2009 von der Glasarche gefertigt hatte. Dabei zeigte sich, dass viele der Wünsche und Hoffnungen von damals für den Wald im Zusammenhang mit der Glasarche in Erfüllung gegangen sind. Einige jedoch auch nicht.

Es wurde auch klar, dass die Arche als Symbol immer noch Kraft genug hat, um selbst die großen Anliegen unserer Zeit aufzugreifen: So verwies Lukas Laux darauf, dass wie in dem Holzschnitt „Arche ahoi“ von Gretel Eisch die Arche gerade in heutiger Zeit wieder gefüllt ist mit einer bunten Ansammlung von Menschen, die hoffend über das Meer fahren. Oder wie es Pfarrerin Schuster ausdrückte: „Durch die Zeit, durch die Wellen und Stürme sind sie nun in einem Boot. Nicht mehr als Einzelne, sondern als Gemeinschaft. Immer waren der Austausch und das Miteinander die Grundlage für Flexibilität. Vielfalt bringt auch in der Natur das größte Lebenspotenzial hervor. Die Arche ist eine Einladung an alle, die sich als Gäste und Einheimische auf die Idee der Bewahrung des Lebens einlassen können“.

Gretel Eisch selbst empfand die Interpretationen der beiden Pfarrer zu ihren alten Holzschnitten als „wunderbare Bereicherung“. An der Glasarche angekommen, wurden die Wanderer mit einem Saxophon-Ständchen von FÖJler Franz Riedel begrüßt und zu einer Brotzeit von der Commerzbank-Umweltpraktikantin Stefanie Jessolat eingeladen. Trotz des an der Glasarche scharf blasenden Windes gab es noch eine Andacht mit musikalischer Untermalung, bei der Uwe Krause und Lukas Laux die Arche-Geschichte aus der Bibel vorlasen.

Am Ende konnte noch das Buch „Geborgen in der Arche“, das in der Reihe „Kunst in der Kirche“ erschienen ist, erworben werden. Autor Uwe Krause war bei Recherchen auf die Holzschnitte von Gretel Eisch gestoßen und so fasziniert von ihren erzählerischen Bildern, dass er ein Büchlein mit Holzschnitten von Gretel Eisch und eigenen meditativen Texten zusammenstellte.

Projekttag der 10. Klassen: Ein zentrales Standbein der Zusammenarbeit zwischen Nationalpark und Gymnasium Zwiesel


Die komplette Jahrgangsstufe 10 des Gymnasiums Zwiesel nutzte die Zeit vor den Sommerferien für einen Biologie-Unterricht der besonderen Art: Sie besuchten den Nationalpark und erkundeten bei einem Projekttag das Ökosystem Wald direkt vor Ort. Die Veranstaltung fand heuer zum vierten Mal in Folge statt.


Der Wald als Ökosystem ist einer der Schwerpunkte des Biologie-Unterrichts der 10. Klassen im Gymnasium. Warum aber dieses Thema ausschließlich im Klassenzimmer behandeln, wenn man nicht nur den Wald, sondern sogar einen Wald-Nationalpark vor der Haustür hat? Das dachte sich Biologie-Lehrerin Ingeborg Schmidt bereits vor vier Jahren. Seit 2012 besucht deshalb auf ihre Initiative hin jedes Jahr die jeweilige 10. Jahrgangsstufe des Gymnasiums Zwiesel den Nationalpark und erforscht bei einem aufwändig organisierten und intensiv betreuten Projekttag die Besonderheiten der Nationalparkwälder.


Wie dick ist dieser Baum? 10.-Klässler des Gymnasiums Zwiesel bei der Erfassung von Waldstrukturen im Nationalpark.

Insgesamt 75 Schüler nahmen dieses Mal an der Veranstaltung teil und erlebten gemeinsam mit ihren Lehrern Frau Tröger und Herrn Eckl in fünf verschiedenen Stationen hautnah die großen und kleinen Bewohner des Waldes im Nationalpark sowie deren vielfältige Vernetzung untereinander. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, wie sich die Wälder des Nationalparks von bewirtschafteten Wäldern unterscheiden. Bei der Beantwortung dieser Frage ging es vor allem praktisch und handfest zu: Als „Nachwuchs-Forscher“ übten sich die 10.-Klässler in der Kartierung von Waldstrukturen – Baumarten, Höhe und Durchmesser, Verjüngung und Totholz von Probeflächen wurde in Kleingruppen akribisch aufgenommen und in eine Karte übertragen. Der Vergleich zwischen jüngeren Fichtenwäldern und alten Bergmischwäldern, die schon längere Zeit ohne den Einfluss des Menschen verbleiben, zeigte die Unterschiede zwischen Nationalpark und Wirtschaftswald: Im unbewirtschafteten Nationalparkwald sammeln sich nicht nur erheblich größere Mengen Totholz an, die Bäume können dort auch wieder ihr natürliches Höchstalter sowie beeindruckende Größen erreichen, wie die Schüler bei der Vermessung von großen, alten Tannen auf ihrer Probefläche feststellen konnten.

Schüler der 10. Jahrgangsstufe des Gymnasiums Zwiesel bei der Untersuchung von Totholz im Nationalpark.

Mykologe Heinrich Holzer ließ die Schüler in die geheimnisvolle Welt der Pilze eintauchen. Hier lernten sie nicht nur die Rolle dieser Fadenwesen im Ökosystem Wald, sondern auch deren Arten- und Formenvielfalt kennen. Darüber hinaus erfuhren sie, dass der Nationalparke Heimat für eine ganze Reihe von seltenen und bedrohten Pilzarten ist, die beispielsweise an abgestorbenen Bäumen leben und in Wirtschaftswäldern fehlen.

Doch nicht nur Pilze, sondern auch verschiedene Käferarten sind auf Totholz spezialisiert. Dies stellten die Schüler bei der Station von Nationalpark-Waldführer Herbert Linsmeier fest, der anschaulich erklärte, warum der Nationalpark in der Bayern-Liga der Totholzkäfer ganz vorne mitspielt: 14 Urwaldrelikte sind hier aktuell nachgewiesen, das sind Käfer, die in Deutschland nahezu ausgestorben sind und zu den seltensten Insekten Mitteleuropas gehören.

Abgerundet wurde der Tag durch einen Vortrag, bei dem der Nationalpark mit seiner Naturausstattung und Zielsetzung vorgestellt wurde. Nach fünf kurzweiligen Stunden waren sich alle Beteiligten einig, dass die gelungene Veranstaltung ein wichtiges Standbein in der Zusammenarbeit zwischen dem Gymnasium Zwiesel und dem Nationalpark darstellt und deshalb auch zukünftig beibehalten werden soll.

Fahrtziel Natur – eine hervorragende Werbeplattform für nachhaltigen Tourismus


Regionale Fahrtziel Natur-Trägergruppe spricht sich deutlich für eine Beteiligung beim Fahrtziel-Natur-Award aus.


In der Kooperation Fahrtziel Natur engagieren sich BUND, NABU, VCD und Deutsche Bahn für nachhaltigen Tourismus und klimafreundliches Reisen. 22 Schutzgebiets-Regionen in Deutschland, der Schweiz und Österreich sind vertreten. Die Nationalpark- und Naturparkregion Bayerischer Wald ist seit 2002 als erste Süddeutsche Region dabei. Kürzlich traf sich die regionale Fahrtziel Natur-Trägergruppe im Naturparkhaus, um über eine Beteiligung beim aktuell ausgelobten Fahrtziel-Natur-Award zu beraten.

Schon einmal ging der mit 25.000 Euro dotierte Award in den Bayerischen Wald. 2009 zeigten der Nationalpark und Naturpark gemeinsam mit dem Nationalparkverkehrskonzept auf, wie Urlauber, Tagesgäste und Einheimische mit „Igelbus und Bayerwald-Ticket“ die Region ohne Auto erfahren können. Nach einer verstrichenen Wartefrist hat der Bayerische Wald nun wieder die Chance, sich zu bewerben. Aber was bringt eine Bewerbung den Tourismusakteuren vor Ort? Lohnt sich der große Aufwand einer Bewerbung?


Die Fahrtziel-Natur-Trägergruppe sprach sich deutlich für eine GUTi-Bewerbung zum Fahrtziel-Natur-Award aus. Mit Beispielen, wie GUTi und eine Bahnanreise bisher touristisch genutzt und vermarktet wurden, wurde nicht gespart. 

Von links: Hartwig Löfflmann, Geschäftsführer Naturpark; Christina Wibmer, Projektumsetzung Fahrtziel-Natur-Award; Monika Dombrowsky, Geschäftsführerin Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald GmbH; Elisabeth Unnasch und Michael Dietz, ARBERLAND REGio GmbH / Touristisches Servicecenter Regen; Jochen Stieglmeier, Vorsitzender Nationalpark-Partner e.V.; Elke Ohland, Referentin für Tourismus und Regionalentwicklung / Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald; nicht im Bild: Daniel Große-Verspohl, Länderbahn, Günter Neumayer von der RBO und Bernhard Hain, Tourismusreferent Freyung-Grafenau.
(Foto: Naturpark Bayerischer Wald).

Jochen Stieglmeier, Hotelier in Spiegelau und Vorsitzender des Vereins Nationalpark-Partner Bayerischer Wald, ließ keinen Zweifel aufkommen: „Fahrtziel Natur ist ein wichtiger Werbepartner und Meinungsbildner für einen Urlaub am Nationalpark. Und mit GUTi haben wir ein einzigartiges Produkt, das uns als nachhaltige Feriendestination ausweist, da ist es doch ein Muss, sich zu bewerben!“ Auch Michael Dietz vom Touristischen Service Center der ArberLandREGio GmbH ist überzeugt, dass Fahrtziel Natur mehr als ein Trend ist. „Gerade auf Messen wird immer häufiger die Frage nach einer Bahnanreise gestellt. Denn viele Großstädter haben gar kein Auto und wünschen sich deshalb im Urlaub ein funktionierendes ÖPNV-Angebot zu den wichtigsten Ausflugszielen. Fahrtziel Natur trägt wesentlich dazu, dass wir unsere idealen Voraussetzungen bekannter machen können.“

Auch wenn die Anforderungen für eine Bewerbung sehr hoch sind, erhofft man sich dennoch gute Chancen, denn seit dem letzten Sieg hat sich vieles zum Positiven entwickelt: Das Bayerwald-Ticket wurde um GUTi, dem Gästeservice Umwelt-Ticket, erweitert. 20 Gemeinden bieten Urlaubsgästen mit GUTi kostenlose Mobilität mit Bus und Bahn. Das bringt nicht nur einen hohen Wettbewerbs­vorteil und zufriedene Gäste. Es sorgt auch für eine bessere Auslastung der Verkehrsmittel und sichert somit langfristige das ÖPNV-Angebot für die Menschen vor Ort. Die Herausforderung wird nun sein, die Entwicklung hin zu einer nachhaltigen Ferienregion zu dokumentieren und aufzuzeigen, dass GUTi in der Region und im Umgang mit dem Gast gelebt wird. Nationalpark und Naturpark bieten zwar die Grundvoraussetzung für die Beteiligung bei Fahrtziel Natur. Das Marketing für einen nachhaltigen Urlaub, sowie die Ausarbeitung von touristisch nutzbaren Ausflugs- und Wandervorschlägen mit ÖPNV und GUTi, ist aber Hauptaufgabe der Tourismusakteure. In diesem Sinn appellierte Elke Ohland von der Nationalparkverwaltung, an den Teamgeist der Diskussionsrunde: „Wir haben nur dann eine realistische Chance in die Endrunde zu kommen, wenn das Zusammenspiel der vorhandenen Angebote im Nationalpark, im Naturpark und das autofreie Mobilitätsangebot mit GUTi den Urlaubsgästen auf verschiedenen Kanälen präsentiert wird. Die Jury muss letztlich aus unserer Bewerbung ersehen, dass bei uns Nachhaltigkeit gelebt wird und wir alle gemeinsam hinter dem Projekt stehen.“

Ein Haus macht Schule


Jugendwaldheim „Wessely-Haus“ – Fernseher aus, Natur an!


Staatsminister Dr. Hans Eisenmann sprach schon in den 70er Jahren davon, dass es nötig sei, der Jugend, die von den Errungenschaften der modernen Gesellschaft geprägt werde, den Lebensraum Wald zu erschließen. Also: Handys aus, Fernseher Fehlanzeige. Im Jugendwaldheim gestaltet die Natur das Programm.

So ein Fallschirmtuch ist eine bunte Sache, die erleben lässt, dass vieles besser klappt, wenn man sich abstimmt und an einem Strick zieht. Damit in freier Natur zu spielen verbindet auch mit ihr. Sich in dem Tuch wie in einem luftigen, wohligen Iglu selbst unterbringen zu können, das sorgt für Staunen, was mit einfachen Mitteln statt moderner Medientechnik möglich ist. Dann geht es anschließend auch in die Felswanderzone, wo diese Ahnung noch vertieft wird: Auch Stöcke, Steine und Fichtenzapfen können Spaß machen.

Maria Sperl, Rektorin der Grundschule in Bad Kötzting, ist zum wiederholten Male hier. Zusammen mit weiteren Lehrkräften und 34 Kindern aus ihren vierten Klassen und von der Stufe 4/5 des benachbarten Förderzentrums. Eine Hälfte von ihnen ist gerade in der Felswandergebiet unterwegs und staunt dort über die gewaltigen Felsbastionen. Die andere Hälfte macht Programm am Haus. Ein buntes Fallschirmtuch wird zum Gemeinschaftserlebnis und weitere Spiele sorgen für jede Menge Spaß. „Bei und in Bewegung sind alle gleich“, sagt Maria Sperl. Berührungsängste werden abgebaut und unterschiedliche Stärken werden statt vermeintlicher Schwächen er- und anerkannt. Letzte Woche haben sie miteinander musiziert. Auch das klappt bestens. Der inklusive Gedanke wird großgeschrieben. Ideal ist, dass die beiden Schulen in Bad Kötzting sich in unmittelbarer Nachbarschaft befinden. Keine Berührungsängste am Pausenhof und der Wechsel in Regelklassen oder die Entscheidung für mehr Förderung sind bei enger Verzahnung auch viel selbstverständlicher.

Vorsichtige Schritte braucht es, um als Staffel über die grünen Tücher zu kommen, ohne in umliegender „Wildnis“ zu versinken. Die gibt es anschließend im Wald eventuell auch mit Gang durch das Moor, über luftigen Baumwipfelpfad und beim Sprung von Stein zu Stein am Lusen.

Eine noch dichtere Packung für gegenseitigen Respekt gibt es in einer Woche Jugendwaldheim. Bei dem bunten Gewusel unter dem Fallschirmtuch könnte man echt nicht sagen, wer welcher „Schultyp“ ist. Kurz vor dem Übertritt ist gerade eine sehr sensible Zeit, was die Selbstfindung betrifft. Da hält Maria Sperl auch so eine Kennenlernphase für sehr wichtig. Die gewohnte Ablenkung ist dagegen rar. Eine Art Medienfasten wird strikt durchgezogen. Und siehe da: Den Kindern fehlt nichts. Bis auf die üblichen „Heimwehwehchen“. Aber mal selbst die Betten beziehen , verantwortlich sein für Müllvermeidung und -trennung, sich ohne „Elterns“ Stütze durch den ganzen Tag zu bringen, das baut gleich mächtig auf. Und dann ist da natürlich noch das einzigartige Programm. Mal auf den Baumwipfelpfad -super. Mal durch den Wald - abenteuerlich. Elche im Tierfreigelände - Na so was! Schaurige Geschichten am Lagerfeuer; großer Grusel und Gänsehaut. Und mal auf den Lusen; gemeinsam fast wie Mount Everest für kurze Beine. Da bleiben viele Erinnerungen hängen, die sich auch mit dem umweltpädagogischen Anspruch des Hauses verbinden. Denn sie sind draußen, sie bekommen 1:1-Heimat- und Sachkundeunterricht, der sich ganz und gar nicht wie Schule anfühlt. Mit jedem kleinen „Krabbler“ am Wegrand erhöht sich nicht nur die Zahl der interessierten Fragen sondern zugleich auch die Achtsamkeit und Wertschätzung für das kleine Krabbeltiere. Rita Gaidies, Leiterin des Jugendwaldheims, erklärt, warum die Einrichtung auch „Wessely-Haus“ heißt: hier wurde das großzügige Erbe einer Münchener Familie dieses Namens zweckgebunden für „ökologische Zwecke“ verbaut. Als im Frühjahr 1975 die erste Klasse aus NRW hier einzog, gab es noch zehn Tage Arbeitseinsatz für Schüler, die aktiv Naturpflege zu erledigen hatten. Der Spaßfaktor war da wohl noch etwas kleiner als heutzutage. Aber der Hintergrund ist ähnlich: Man schützt, was man kennt und schätzt. Eine „Erholungswoche“ ist es immer noch nicht, sondern eine hochinteressante Erlebniszeit mit vielen spielerischen Anteilen. Der große Vorteil für die Schulen: Lehrer müssen sich nicht in dem Maß vorbereiten wie bei einer klassischen Klassenfahrt. Sie müssen keine Materialberge und Infoblätter mitbringen, weil Haus und Umfeld alles bereithalten. Der Umweltbildungsauftrag bringt es mit sich, dass Waldpädagogen und Nationalparkpraktikanten für die Gruppen kostenlos greifbar sind, die ihr Wissen und ihre Begeisterung mitgeben, und das in Programmen für jedes Alter von Grundschule bis hin zur Uni. Jährlich kommen da an die 7000 Übernachtungen zusammen. Manche Schulen buchen über Jahre hinweg, um sich das nicht entgehen zu lassen. Die Tage sind angefüllt bis zum Rand, sagt Maria Sperl mit Kreativität, Partnerschaft und Kommunikation. Und das hält dann Jahre an, erzählen ihr später noch die Eltern: soziale Bindungen werden stärker, man setzt sich mit Natur auseinander, für Fragen zu Umwelt oder Energie wird sensibilisiert und dass ganz nebenbei, ohne dass es Lernstoff wäre. Und sie selbst sagt: „Man lernt auch umgekehrt die Kinder noch einmal von ganz neuen Seiten kennen“. In 40 Jahren Jugendwaldheim waren mittlerweile knapp 50 000 junge Menschen hier zu Gast. Und auch die Bad Kötztinger werden wieder kommen.

Erster Elch im Nationalparkgebiet per Fotofalle dokumentiert


Bild des Monats Juni aus dem Nationalpark Bayerischer Wald


Das Beweisfoto, im Hintergrund der Zaun des Wintergatters Buchenau.

Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung konnten kürzlich einen jungen Elchbullen in der Nähe von Buchenau mit einer Fotofalle dokumentieren. Zwei Tage zuvor wurde eine Elchbeobachtung auf der Nationalparkbasisstraße zwischen Waldhäuser und Guglöd gemeldet - ob es sich um das gleiche Tier handelt konnte nicht geklärt werden. Bei den Aufnahmen handelt es sich um den ersten gesicherten Nachweis eines Elches im Nationalpark. Bislang lagen nur Sichtbeobachtungen von Nationalparkbesuchern vor. Von der kleinen Elchpopulation südlich des Moldaustausees, die auf etwa 15-20 Tiere geschätzt wird, wandern immer wieder Elche in die Umgebung ab. Im Bayerischen Wald gab es in den letzten Jahren zahlreiche Beobachtungen. Allein im vergangenen Jahr 2014 sind aus dem Landkreis Regen 7 und aus dem Nationalpark 2 Beobachtungen gemeldet worden. Ein Elch Hirsch und eine Kuh haben sich in den Monaten Juni bis September vermutlich zwischen Regen, Zwiesel und Bodenmais aufgehalten. Während der Brunft 2014 wurden Hirsch und Kuh zusammen bestätigt. Das Bild des Monats – Was ist das? Jeden Monat stellt die Nationalparkverwaltung einen besonderen Moment aus Deutschlands ältestem Nationalpark mit einem Foto vor. Viel Vergnügen mit besonders Schönem oder Bemerkenswertem aus dem Nationalpark Bayerischer Wald!

Siehe dazu auch unsere Wikiseite „Fotofallen“!


Echt wild - Erster genetischer Nachweis Europäischer Wildkatzen im Nationalpark Bayerischer Wald

Das Vorkommen der Europäischen Wildkatze im Bayerischen Wald gilt seit fast 170 Jahren als erloschen; im Rahmen des Fotofallen-Monitorings werden im Gebiet des Nationalparks Bayerischer Wald seit ein paar Jahren jedoch mit zunehmender Häufigkeit wildfarbene Katzen beobachtet. Durch den Einsatz von mit Baldrian beköderten Lockstöcken gelang es jetzt erstmals, Haarproben einzusammeln, die durch genetische Analysen eindeutig als Wildkatzenhaare identifiziert werden konnten. Nach der bundesdeutschen Roten Liste gelten Wildkatzen als gefährdet, in Bayern sind sie vom Aussterben bedroht.

„Waschecht“ und genetisch überprüft: Der Nationalpark Bayerischer Wald beheimatet wieder echte Europäische Wildkatzen (Foto: Michael Gäbler)

„Wir freuen uns natürlich sehr, dass wir mit der Wildkatze nach dem Luchs einen weiteren ‚Rückkehrer‘ begrüßen können, der im Nationalpark den geeigneten Rückzugsraum gefunden hat, der zum Überleben dieser extrem scheuen und gefährdeten Tiere in Bayern und Deutschland beiträgt“, so Nationalparkleiter Franz Leibl. „Jetzt, wo zweifelsfrei feststeht, dass die Wildkatze bei uns vorkommt, werden wir versuchen, ihre Anzahl genauer zu bestimmen und das bislang räumlich begrenzte Lockstock-Monitoring auf das gesamte Nationalparkgebiet ausweiten“, so Leibl weiter. Der genetische Nachweis der Europäischen Wildkatze im Nationalpark gilt – trotz der Hinweise aus dem Fotofallen-Monitoring, bei dem bis zu 14 wildkatzenartige Tieren im Jahr registriert wurden – unter Experten als besonders bemerkenswert. Denn bislang ging man davon aus, dass der Bayerische Wald aufgrund seines Schneereichtums kein geeigneter Wildkatzenlebensraum ist, weil die Tiere zu wenig Mäuse erbeuten, um die harten Winter zu überleben. „Unsere Fotofallen haben in den letzten drei Wintern auch bei geschlossener Schneedecke Tiere erfasst, die aller Wahrscheinlichkeit nach Wildkatzen sind. Möglicherweise haben die milden Winter der vergangenen Jahre mit dazu beigetragen, dass Wildkatzen bei uns wieder eine Chance haben“, kommentiert Marco Heurich, Wildtierbiologe des Nationalparks, die bisherigen Befunde.

Seit 2010 tappen sie immer wieder in die Fotofallen des Nationalparks: Wild lebende Katzen mit dem typischen Wildkatzenhabitus (Foto: NPV Bayerischer Wald)

Die genetische Analyse der Wildkatzenhaare, die im Nationalpark zwischen der Racheldiensthütte und der Fredenbrücke von Lockstöcken gesammelt wurden, konnte bislang drei verschiedene Individuen unterscheiden, die aus ostdeutschen Populationen stammen. „Möglicherweise wandern Wildkatzen aus Wiederansiedelungsprojekten des BUND im Regental im Übergansbereich von Vorderem Bayerischen Wald und Vorderem Oberpfälzer Wald zu uns ein. Genauere Informationen über die Herkunft der Nationalparkkatzen erhoffen wir uns aus der aktuellen BUND-Lockstock-Kampagne in ganz Südbayern, die aufklären soll, wo es in Niederbayern Wildkatzen gibt und wie die genetischen Verbindungen aussehen“, so Heurich weiter. Die Europäische Wildkatze ist eine von vier Wildkatzen-Unterarten, jedoch nicht die Stammform der Hauskatze, die von der afrikanischen Falbkazte (Felis silvestris lybica) abstammt. Von getigerten Hauskatzen unterscheidet sie sich rein äußerlich vor allem durch ihren kräftigeren Köperbau, einen wuchtigeren, breiteren Schädel, blassere Fellzeichnung und einen buschigeren, stumpf endenden Schwanz mit charakteristischen deutlichen schwarzen Ringen in der hinteren Hälfte und einer schwarzen Schwanzspitze. Eine sichere Unterscheidung ist jedoch nur durch die genetische Analyse möglich. Auch Waldkatzen genannt, bevorzugen Wildkatzen möglichst strukturreiche, naturnahe Wälder mit vielen Fels-, Baum- und Wurzelhöhlen, Totholz und kleinen Lichtungen, wie sie entstehen, wenn der Mensch möglichst wenig eingreift. Sie meiden daher Gebiete mit intensiver forst- oder landwirtschaftlicher Nutzung und scheuen generell die Nähe zu Menschen. Diese ausgeprägt „heimliche“ und einzelgängerische Lebensweise ist möglicherweise auch der Grund, warum Wildkatzen nicht schon längst in der um ein vielfaches größeren Hauskatzenpopulation untergegangen sind, obwohl Kreuzungen zwischen Wild- und Hauskatzen möglich sind und die daraus entstehenden auch Hybridformen durchaus vorkommen.

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Langzeitstudie zu Borkenkäfer-Effekt im Nationalpark Bayerischer Wald zeigt, dass Trinkwasserqualität ausgezeichnet bleibt und die Artenvielfalt steigt

Forscher konnten anhand einer Studie über einen Zeitraum von 28 Jahren zeigen, dass die Trinkwasserqualität in Fließgewässern, wie sie von Nationalpark-Gemeinden und von der Wasserversorgung Bayerischer Wald für Trinkwassergewinnung genutzt werden, konstant von ausgezeichneter Qualität ist. Trotz großflächigem Borkenkäfer-Befall im Einzugsgebiet liegen alle für die Nitratkonzentration gemessenen Werte weit unter dem Grenzwert für Trinkwasser der Weltgesundheitsorganisation WHO von 50 mg/l. Darüber hinaus konnte für Nationalparkareale mit natürlicher Borkenkäferdynamik ein messbar positiver Einfluss auf die Artenvielfalt, insbesondere auf die Häufigkeit von „Rote-Liste-Arten“ belegt werden (vergl. Conservation Letters Jan/2015, DOI: 10.1111/conl.12153).

Kleiner Käfer, große Wirkung: Der nur wenige Millimeter große Fichtenborkenkäfer Ips typographus hat einen nachweislich positiven Einfluss auf die Artenvielfalt in fichtendominierten Waldökosystemen. (Foto: Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald)

Natürliche Störungen in Wäldern – zum Beispiel durch Stürme oder Insekten – nehmen bedingt durch den Klimawandel weltweit zu. In Nationalparken, in denen in ausgedehnten Bereichen derartige natürliche Prozesse ungestört ablaufen, werden immer wieder Fragen zur Trinkwasserqualität, z. B. zum Nitratgehalt, oder zum Erhalt der Artenvielfalt diskutiert. In diesem Spannungsfeld bewegt sich auch der Nationalpark Bayerischer Wald, weil er in seinen Naturzonen die gesetzlich verankerte Philosophie „Natur Natur sein lassen“ konsequent befolgt.

In einer fachübergreifenden Studie werteten Wissenschaftler des Nationalparks sowie nationale und internationale Experten jetzt einen umfangreichen Datensatz über 28 Jahre Gewässer-Monitoring in dem rund 20 km² großen Wassereinzugsgebiet der Großen Ohe aus, das neben den in Bächen abfließenden Oberflächenwasser auch das Sicker- und Grundwasser berücksichtigte. Mit einem Höhengradienten zwischen 770 und 1.447 Metern über N. N. repräsentiert das Untersuchungsgebiet ein typisches Bergbachsystem im für die Region charakteristischen Bergmischwald. Nach Lage und Größe des Einzugsgebietes sind die Große Ohe und ihre zuführenden Quellbäche zudem repräsentativ für Gewässer, wie sie typischerweise von Nationalpark-Gemeinden und von der Wasserversorgung Bayerischer Wald (Talsperre Frauenau) für Trinkwassergewinnung genutzt werden. Eine Fichtendominanz von 70 % machte das Gebiet außerdem zu einem Areal mit hohem Borkenkäfer-Befallsrisiko, und so traten während des Untersuchungszeitraums auch zwei intensive Borkenkäferwellen im Abstand von rund zehn Jahren auf (Mitte der 1990er und Mitte der 2000er Jahre).

Nicht nur landschaftlich ein Juwel: Die Bergbachsysteme im Nationalpark Bayerischer Wald haben sich als Lieferant von dauerhaft ausgezeichneter Trinkwasserqualität erwiesen, unabhängig von Borkenkäferdynamik im Einzugsgebiet. (Foto: Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald)

Das großflächige Altfichtensterben durch Borkenkäfer-Befall hinterließ zwar ein messbares Nitrat-Signal im Oberflächenwasser des Untersuchungsgebietes. Allerdings handelte es sich dabei in der Regel um Konzentrationsschwankungen von jeweils wenigen Milligramm pro Liter mit Konzentrationsspitzen bis zu 10 mg/l. Die höchste während des gesamten Untersuchungszeitraums gemessene Nitratkonzentration von 25 mg/l trat nur in einem einzigen Jahr und nur in einem kleinen Quellbach auf. Auch im untersuchten Grundwasser, wie es für die kommunale Trinkwasserversorgung genutzt wird, blieben die Nitratkonzentrationen in dem für das Oberflächenwasser beobachteten niedrigen Bereich. Damit lagen trotz intensiver Borkenkäferdynamik alle Werte immer sehr weit unterhalb maßgeblicher Trinkwasser-Grenzwerte für Nitrat, wie dem der WHO bzw. der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 mg/l.

„Unsere Beobachtungen über einen so langen Zeitraum machen deutlich: Die Versorgung mit sehr gutem Trinkwasser aus dem Nationalpark ist zu jeder Zeit gewährleistet; der Borkenkäfer ändert daran nichts“, kommentiert der langjährige Nationalpark-Hydrologe Burkhard Beudert die Ergebnisse des von ihm koordinierten Gewässer-Monitorings. „Die Untersuchungen im Einzugsgebiet der Großen Ohe sind repräsentativ für andere Nationalparkgewässer. Das wird von der jahrzehntelangen behördlichen Überwachung der im Nationalpark liegenden zur Trinkwasserversorgung genutzten Quellen bestätigt, bei denen ebenfalls zu keinem Zeitpunkt überhöhte Nitrat-Werte gemessen wurden“, so Beudert weiter. Um die Auswirkungen des Borkenkäferbefalls auf die Artenvielfalt zu untersuchen, wurden außerdem über drei Jahre hinweg im gesamten Nationalpark das Arteninventar von Borkenkäferflächen mit dem von vergleichbaren, nicht befallenen Lebensräumen verglichen. Die Untersuchungen zur Artenvielfalt belegen für viele Artengruppen einen markanten Anstieg im Artenreichtum durch die vom Borkenkäfer geschaffenen Lebensraumbedingungen: Von 19 untersuchten taxonomischen Gruppen, was insgesamt rund 2.300 erfassten Arten entsprach, zeigte knapp die Hälfte – insgesamt acht Artengruppen – eine deutlich höhere Vielfalt. Dieser positive Borkenkäfer-Effekt, den sich die Forscher vor allem mit einer neu entstandenen Vielfalt von mosaikartig aneinandergrenzenden Mikro-Lebensräumen erklären, umfasst dabei Flechten, Moose und Gefäßpflanzen sowie Spinnen, Schwebfliegen, Käfer, Wespen und Bienen. Bemerkenswert war dabei vor allem ein signifikanter Anstieg von in Bayern und deutschlandweit gefährdeten „Rote Liste“-Arten, wie beispielsweise der Gartenrotschwanz, der äußerst seltene Goldfüßige Schnellkäfer oder Deutschlands einzige Totholz-Zikade, Cixidia lapponica. Nur eine einzige Artengruppe – die der holzbewohnenden Pilze – reagierte mit einem Rückgang der Artenvielfalt in Borkenkäferflächen. „Zwei der wichtigsten Kernaufgaben von Schutzgebieten sind die Bewahrung und Förderung der Biodiversität sowie die Sicherstellung von sogenannten Ökosystemdienstleistungen, zu denen beispielsweise auch der Trinkwasserschutz gehört. Die jetzt erstmals ermöglichte einmalige Kombination aus jahrzehntelangem Gewässer-Monitoring und systematischer Artenerfassung im selben Raum belegt, dass Prozessschutz – das Zulassen von natürlichen Störungsdynamiken und den damit verbundenen positiven Naturschutzfolgeeffekten – und effektiver Trinkwasserschutz Hand in Hand gehen“, so Dr. Jörg Müller, Forschungsleiter des Nationalparks Bayerischer Wald, zu den Ergebnisse der Gesamtstudie. „Zudem hat sich einmal mehr der unschätzbare Wert eines Nationalparks als einzigartiges Natur-Forschungsareal gezeigt, in dem solche Langzeituntersuchungen überhaupt erst möglich werden und uns helfen, so langfristige Prozesse wie natürliche Waldentwicklung mit allen ihren Auswirkungen zu verstehen und für zielführende Naturschutzpolitik auszuwerten“, so Müller abschließend.

Fragen zu der Studie beantworten:

Burkard Beudert | Fachgebiete Integriertes Ökosystemmonitoring, Hydrologie Tel.: Tel. 08552 – 9600 147 | Mobil: 0151 – 12 10 74 97

Dr. Jörg Müller | Stellv. Nationalparkleiter und Leiter des Sachgebiets Naturschutz und Forschung, Tel. 08552 – 9600 179 | Mobil 0160 – 90 96 64 75 | E-Mail: joerg.mueller@npv-bw.bayern.de

Schauen Sie sich zu diesem Thema auch unsere Wikiseiten Auswirkungen des Borkenkäferbefalls im Nationalpark Bayerischer Wald und Kampf gegen den Borkenkäfer an!

Käfer-Rarität im Nationalpark Bayerischer Wald entdeckt


Im Rahmen eines Forschungsprojektes zu Totholz und Artenvielfalt im Nationalpark Bayerischer Wald konnte kürzlich erstmals der Reitters Rindenkäfer Synchita separanda nachgewiesen werden, der nach der bundesdeutschen Roten Liste akut vom Aussterben bedroht ist. Mit nun insgesamt 16 dokumentierten seltenen Käferarten, die als sogenannte „Urwaldrelikte“ in Deutschland Indikatoren für besonders ursprüngliche Wälder mit urwaldähnlichen Lebensraumbedingungen sind, steht der Nationalpark Bayerischer Wald jetzt auf Platz 1 auf der Rangliste von Bayerns ökologisch wertvollsten Waldgebieten.


Kleiner Käfer, große Sensation: Der seltene Reitters Rindenkäfer Synchita separanda wurde jetzt erstmals im Nationalpark Bayerischer Wald nachgewiesen. (Foto: Alexander Szallies))

Gefunden wurde das seltene Insekt, das 1998 noch als ausgestorben/verschollen galt und für das erst in den letzten Jahren wieder einige wenige Nachweise in Deutschland gelangen, von Sebastian Seibold. Der 28-jährige Doktorand der TU München arbeitet zurzeit im Nationalpark an seiner Promotion, in der er mit verschiedenen Versuchsanordnungen im Freiland den Zusammenhang von Artenvielfalt und Totholzangebot untersucht. Der Rindenkäfer Synchita separanda ist ein für lichte Altwälder und Windwurfflächen typischer Totholzbewohner, der auf ganz bestimmte Holzpilze als Nahrung angewiesen. Er war dem Nachwuchsforscher wiederholt auf sonnigen Arealen in der Nähe von starken Buchentotholzstämmen in seine Flugfensterfallen gegangen. Bestimmt wurde der nur knapp fünf Millimeter große Winzling von Dr. Alexander Szallies, einem Käferexperten des Schweizer Instituts für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, der Seibold bei der Bestimmung der Artenvielfalt unterstützt.

„So unscheinbar der Reitters Rindenkäfer dem Laien auch erscheinen mag – für uns Waldökologen ist sein Fund eine kleine Sensation, nicht nur, weil er so superselten ist, sondern weil er uns auch wertvolle Rückschlüsse über den Lebensraum ermöglicht, in dem er gefunden wurde“, kommentiert Dr. Jörg Müller, Seibolds Doktorvater und Forschungsleiter im Nationalpark, die Entdeckung der Käfer-Rarität im inneren Bayerischen Wald. „Dabei kommt es nicht nur auf den Nachweis dieser einen Art an. Grade das deutlich gehäufte Auftreten von Urwaldreliktarten erlaubt uns den Rückschluss, dass in den Nationalparkwäldern viele für mitteleuropäische Urwälder charakteristische Prozesse rings um das Totholz intakt sind, wie es sie in Wirtschaftswäldern kaum noch oder gar nicht mehr gibt.“ Gute Beispiele für die Anhäufung solcher Urwaldspezialisten seien der im Vergleich zu Synchita separanda mit drei Zentimetern Länge stattliche und ebenfalls fast ausgerottete Zottenbock Tragosoma depsarium, der 2013 erstmals im Nationalpark nachwiesen wurde, und der 2007 gefundene, ebenfalls sehr seltene Goldfüßige Schnellkäfer Ampedus auripes, benennt der Forscher zwei weitere der insgesamt 16 für den Nationalpark dokumentierten ökologischen Käferkleinode.

Mit seiner eindrucksvollen Liste an seltenen Urwaldreliktkäfern ist das Großschutzgebiet an der tschechischen Grenze Spitzenreiter in der Rangliste von aus ökologischer Sicht besonders wertvollen Wäldern in Bayern, die sich alle durch hohe Artenvielfalt und im Management durch den Schutz von möglichst ursprünglichen Lebensraumbedingungen auszeichnen, wie etwa der Hochspessart oder die Donauleiten und Donauauen bei Passau. „In diesem Zusammenhang sind nicht nur holzbewohnende Käfer geeignete Indikatoren. Bestätigt wird unser ‚Urwald-Befund‘ für den Nationalpark auch durch andere Organismen, wie beispielsweise die weltweit vom Aussterben bedrohte Zitronengelbe Tramete. Diesen auf älteres, bereits durch den Rotrandigen Fichtenporling zersetztes Totholz spezialisierten Pilz gab es in den 1990er Jahren bei uns nur noch in einem kleinen Restvorkommen. Seit einem knappen Jahrzehnt kann er jedoch regelmäßig im gesamten Nationalpark in unseren Naturzonen nachgewiesen werden“, so Müller.

Die Bedeutung von Totholz für die Artenvielfalt und den Nährstoffhaushalt von Waldökosystemen sowie die Wirkmechanismen verschiedener Totholzkriterien, wie Menge, Sonnenbestrahlung, Baumart und Durchmesser wird experimentell seit 2012 im Nationalpark untersucht. „Wir erwarten viele grundlegende Erkenntnisse zum Naturschutz in bewirtschafteten und unbewirtschafteten Wäldern. Mit etwas Glück können wir außerdem unsere Liste rarer Urwaldrelikte weiter ausbauen als greifbaren Hinweis auf erfolgreichen Natur- und Artenschutz. Ob wir allerdings zwei seltene Urwaldspezialisten wiederfinden, die zuletzt 1905 zwischen Rachel und Lusen gefunden wurden, den Flachkäfer Peltis grossa oder den Schnellkäfer Lacon lepidopterus, ist fraglich. Vermutlich waren für sie die Naturwaldreservate vor Ausweisung des Nationalparks in der Fläche zu klein und umliegende Wirtschaftswälder zu totholzarm, um zu überleben. Wahrscheinlich sind sie damit bei uns endgültig ausgestorben“, so Nationalparkforscher Müller abschließend.


Fragen zu dem Käferfund und der Totholzstudie beantwortet:

Dr. Jörg Müller | Stellv. Nationalparkleiter und Leiter des Sachgebiets Naturschutz und Forschung

Tel. 08552 – 9600 179 | Mobil 0160 – 90 96 64 75 E-Mail: joerg.mueller@npv-bw.bayern.de


Schauen Sie auch auf unsere Waidlerwiki-Seiten Borkenkäfer

Rückblick auf erfolgreiche gemeinsame Inklusionsarbeit 2014


Nationalpark übergibt „Inklusionskalender“ an Kooperationspartner


Werden im kommenden Jahr vom Inklusionskalender 2015 begleitet (v. l.): Caritas-Wohnheimleiter Hubert Frömel, Landrat Sebastian Gruber, Umweltbildungsreferent Lukas Laux, der die Inklusionsprojekte seitens des Nationalparks betreut, Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl, Oswald Peterlik und Jochen Hany von den Wolfsteiner Werkstätten und Nationalpark-FÖJler Christian Schreiner, der sich besonders in der Zusammenarbeit mit dem Caritas-Wohnheims Spiegelau engagiert. (Foto: NPV Bayerischer Wald)

Seit einigen Jahren engagiert sich der Nationalpark Bayerischer Wald gemeinsam mit verschiedenen Einrichtungen der Caritas im Bereich Inklusion – also der Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Behinderung. Highlight im Jahr 2014 war die erfolgreiche Restauration des historischen Backofens an der Tummelplatzhütte gemeinsam mit den Wolfsteiner Caritas-Werkstätten in Freyung. Aus den Fotos, die während des Projekts entstanden, wurde nun ein Kalender für das Jahr 2015 zusammengestellt und mit Bildern aus früheren gemeinsamen Inklusionsprojekten ergänzt. Anfang der Woche überreichte Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl den Kalender als Dank für die hervorragende Zusammenarbeit im Jahr 2014 an Vertreter der Wolfsteiner Werkstätten und des Caritas-Wohnheims Spiegelau sowie an Sebastian Gruber, Landrat von Freyung-Grafenau.

„Mit dem Nationalpark Bayerischer Wald und den Caritas-Einrichtungen im Landkreis Freyung-Grafenau, insbesondere den Wolfsteiner Werkstätten, arbeiten zwei Leistungsträger der Region zusammen, um Menschen mit und ohne Behinderung zusammenzubringen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen“, kommentierte Landrat Sebastian Gruber die Übergabe des Inklusionskalenders.

Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl fügte hinzu: „Es gehört zu den aktuellen Aufgaben der Nationalparkverwaltung, den Nationalpark für alle erlebbar zu machen, so natürlich auch für Menschen mit Behinderung. Unsere Inklusionsprojekte gehören ganz klar mit zu dieser Aufgabe.“ Sowohl das gemeinsame Arbeiten von Nationalparkpersonal und Menschen mit Behinderung an sich als auch die Projektergebnisse wie der restaurierte Tummelplatz-Backofen oder auch die überdimensionale Spechthöhle und das Insektenhotel für das Spiegelauer Waldspielgelände, die gemeinsam mit Bewohnern des Caritas-Wohnheims Spiegelau gebaut worden waren, seien eine Bereicherung für den Park, so Leibl weiter. „Auch zukünftig werden wir Inklusionsprojekte durchführen und freuen uns auf weitere erfolgreiche Kooperation mit unseren Partnern“, schloss der Nationalparkleiter.

„Die Inklusionsprojekte im Nationalpark sind eine wertvolle Schnittstelle von Menschen mit und ohne Behinderung, die für beide Seiten zu einem Erlebnis werden und viele neue Erfahrungen bringen“, waren sich Oswald Peterlik, Sozialdienstleiter der Wolfsteiner Werkstätten, und Hubert Frömel, Leiter des Freyunger Caritas-Wohnheims St. Franziskus mit der Außenstelle St. Elisabeth in Spiegelau einig. „Wir freuen uns besonders für unsere Wohnheimangehörigen und Werkstattmitarbeiter mit Behinderung, dass sie ihre Leistungsfähigkeit und Freude an der Arbeit unter Beweis stellen und damit zeigen konnten, ein geschätzter Teil der öffentlichen Gesellschaft zu sein. Weitere Projekte mit dem Nationalpark sind daher auch von unserer Seite hoch willkommen“, so die beiden Caritas-Verantwortlichen anlässlich der Kalenderübergabe.

Luchse machen Mittagspause


Insgesamt 38 Luchse in unterschiedlichen Lebensräumen zwischen dem 50. Und 70. Breitengrad wurden mit GPS-Halsbändern und Bewegungssensoren ausgestattet, um Aufschluss über typische tageszeitliche Verhaltensmuster zu gewinnen. (Foto: John Ivar Larsen)

Zu welcher Tageszeit ein Luchs jagt und wie aktiv er ist, hängt vor allem vom Verhalten seiner wichtigsten Beutetiere und von seinen individuellen Eigenschaften ab. Die Lichtverhältnisse dagegen spielen für das grundlegende Verhaltensmuster keine entscheidende Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, die ein internationales Forscherteam um den Wildtierbiologen Dr. Marco Heurich jetzt im Fachmagazin „PLOS ONE“ veröffentlicht hat (doi:10.1371/journal.pone.0114143).

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben 38 wildlebende Luchse mit GPS-Halsbändern und Bewegungssensoren ausgestattet. Die Untersuchungsgebiete liegen zwischen Zentraleuropa und dem nördlichen Skandinavien, so dass die Tages- und Nachtlängen in den einzelnen Revieren stark voneinander abweichen. Die Aktivitätsmuster der Raubkatzen wurden an insgesamt mehr als 11.000 Tagen erfasst und anschließend ausgewertet. Demnach sind Luchse in südlicheren Regionen in der Morgen- und Abenddämmerung am aktivsten, und nachts bewegen sie sich mehr als am Tag. Um die Mittagszeit haben sie ihre größte Ruhephase, und diese ist umso ausgedehnter, je länger das Tageslicht anhält. Dieses Grundmuster zeigen sie unabhängig von den Lichtverhältnissen: „Selbst am Polartag und in der Polarnacht folgen Luchse einem 24-Stunden-Rhythmus mit einer aktiven und einer ruhigen Phase“, berichtet Heurich.

 Um die Luchse mit Sender-Halsbändern auszustatten, wurden sie zuvor in Kastenfallen gefangen. (Foto: NPV Bayerischer Wald)

Wichtiger für die Erklärung der Aktivitätsmuster sind der Studie zufolge individuelle Eigenschaften der Tiere: Heranwachsende Luchse sind aktiver als erwachsene, bei den erwachsenen wiederum zeigen die männlichen eine höhere Aktivität als die weiblichen. Außerdem bewegen sich die Raubkatzen im Frühling und Sommer mehr als im Herbst und Winter, und je weiter im Norden sie leben, desto größer sind ihre Reviere – was sich in höherer Aktivität niederschlägt. Zu welcher Tageszeit sie auf die Jagd gehen, wird vom Verhalten ihrer Beutetiere bestimmt. In polaren Regionen ist der Höhepunkt der Aktivität in der Dämmerung weniger stark ausgeprägt. Dies entspricht dem Verhaltensmuster von Rentieren, die außerhalb ihrer Schlafphasen ein gleichmäßiges Bewegungsprofil zeigen. In Zentraleuropa dagegen hat das Forscherteam eine maximale Aktivität in der Dämmerung festgestellt – bei Luchsen ebenso wie bei Rehen. „Die Ergebnisse dieser Studie sind ein wichtiger Beitrag zum Verständnis der Lebensweise von Raubtieren in unserer Landschaft“, sagt Heurich. „Sie zeigen auch, dass menschliche Aktivitäten in den Untersuchungsgebieten keinen generellen Einfluss auf das Aktivitätsverhalten der Tiere ausüben.“

Dämmerungszeit ist Luchszeit. Ausschlaggebend hierfür ist vor allem die Aktivität der Beutetiere von Europas größter Raubkatze, die ebenfalls bevorzugt in der Morgen- und Abenddämmerung aktiv sind. (Foto: NPV Bayerischer Wald)

Marco Heurich ist Lehrbeauftragter am Institut für Forstwissenschaften der Universität Freiburg, wo er an der Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement bei Prof. Dr. Ilse Storch an seiner Habilitation arbeitet. Zudem ist er stellvertretender Leiter des Sachgebiets „Naturschutz und Forschung“ des Nationalparks Bayerischer Wald. An dem Projekt beteiligt sind außerdem die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Schwedische Universität für Agrarwissenschaften, der Nationalpark Šumava in der Tschechischen Republik, die Universität Ljubljana/Slowenien, das Norwegian Institute for Nature Research und das Mammal Research Institute der Polish Academy of Sciences als Partner.

Fragen zu der Studie beantwortet:

Dr. Marco Heurich

Professor für Wildtierökologie und Wildtiermanagement, Universität Freiburg Stellvertretender Leiter des Sachgebiets „Naturschutz und Forschung“, Nationalpark Bayerischer Wald.

Tel.: 08552 – 9600 136 | mobil: 0175 – 2622 823 | E-Mail: marco.heurich@npv-bw.bayern.de

Lehrerkollegium der Mittelschule Zwiesel im Waldgeschichtlichen Museum in St. Oswald


Lernten viel Neues zur Natur- und Kulturgeschichte des Bayerischen und Böhmer Waldes: Die Lehrer der Mittelschule Zwiesel auf der Lehrerfortbildung im Waldgeschichtlichen Museum St. Oswald zusammen mit ihrem Schulleiter Josef Wellisch (erste Reihe, Dritter von links).

Gelebte Partnerschaft: Lehrerfortbildung im Nationalpark

Die Mittelschule Zwiesel, seit 2011 offizielle Partnerschule des Nationalparks Bayerischer Wald, pflegt ihre Kooperation mit dem Großschutzgebiet vor ihrer Haustür intensiv. So nutzte vergangene Woche das komplette Lehrerkollegium seinen pädagogischen Tag als Lehrerfortbildung im Waldgeschichtlichen Museum St. Oswald.


Wolfgang Bäuml, Kulturbeauftragter des Nationalparks Bayerischer Wald, führte die 24-köpfige Gruppe durch das 2013 neu eröffnete Museum, das in drei gänzlich neu konzipierten, mit innovativer Medientechnik ausgestatteten Ausstellungskomplexen die Natur- und Kulturgeschichte des Bayerischen und Böhmer Waldes zum Erlebnis werden lässt.


„Die zahlreichen Aktionen, die wir alljährlich gemeinsam durchführen, sind Ausdruck der gelebten Partnerschaft unserer Schule mit dem Nationalpark. Dass sich das gesamte Kollegium an der Fortbildung hier im Waldgeschichtlichen Museum beteiligt hat, belegt einmal mehr, wie gut diese Kooperation in der gesamten Schulfamilie verankert ist“, bilanzierte Schulleiter Josef Wellisch den Fortbildungstag seines Lehrerkollegiums.
Die Mittelschule Zwiesel gehört zu den dienstältesten Nationalpark-Schulen und hat dieses Kooperations-Projekt vor drei Jahren auch mit angestoßen. Mittlerweile haben über 1200 Zwieseler Schüler im Rahmen von unterschiedlichsten Projekten und Aktionen den Nationalpark besucht.
Auch Lehrer der Heinz-Theuerjahr-Schule Neuschönau sowie der gerade erst als Nationalpark-Schule ausgezeichneten Don Bosco-Schule Grafenau nutzten in der vergangenen Woche die Gelegenheit zu einer Lehrerfortbildung im Waldgeschichtlichen Museum St. Oswald.


Für das Schuljahr 2014 / 2015 hält das exklusive Fortbildungsprogramm des Nationalparks für Lehrer der insgesamt sechs Nationalpark-Schulen einen Fortbildungs-Katalog mit acht fachlichen und fachdidaktischen Angeboten bereit, die den Lehrern die Möglichkeit bieten, sich mit den Angeboten und der Zielsetzung des Nationalparks vertieft auseinander zu setzen. Die Bandbreite reicht dabei vom Kennenlernen der verschiedenen Bildungseinrichtungen des Nationalparks über die Vorstellung aktueller Forschungs- und Naturschutzprojekte bis hin zu einer Wanderung mit Nationalpark-Leiter Dr. Leibl.

„Aber schee is trotzdem g’wen“ – Erzählcafé zum Leben der Holzhauer im Bayerischen Wald fand großen Anklang


Gut 120 Gäste – etwa dreimal mehr als sonst – hatten sich zum Erzählcafé im Glasmuseum Frauenau eingefunden, zu dem kürzlich die Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald in Kooperation mit dem Vorstand des Bayerischer Wald-Vereins, sowie dessen Sektionen Frauenau und Lindberg eingeladen hatten. Im Mittelpunkt standen diesmal vor allem die Geschichten der drei früheren Holzhauer Hermann Ganserer aus Oberlindbergmühle, Hans Woldrich aus Buchenau und Otto Schettl aus Spiegelhütte, die sehr anschaulich von ihrer harten Arbeit und insbesondere vom winterlichen Schlittenzug berichteten.

Bereicherten das Erzählcafé mit Erzählungen und Informationen (v. l.): die früheren Holzhauer Hermann Ganserer, Otto Schettl, Karl Heidenreich und Hans Woldrich sowie die Ranger Thomas 
Drexler, Robert Schmid und Mario Schmid (Foto: NPV Bayerischer Wald)

Bis Anfang der 1970er Jahre wurde in den Forstämtern des jetzigen Nationalparkgebiets das im Sommer vorbereitete Holz im Winter mit von Menschenkraft gezogenen Schlitten ins Tal zu den Lagerplätzen gebracht, von wo aus es dann von Lastwagen weitertransportiert werden konnte. Im Erzählcafé erläuterte Hermann Ganserer den Besuchern, wie diese Schlitten gebaut waren und wie sie funktionierten. Zur besseren Anschauung hatte er einen Original-Schlitten mit dabei. Die Zuhörer erfuhren, dass es in der Region unterschiedliche Bautypen gab: den Böhmischen, den Zwieseler und den Bodenmaiser Schlitten. Letzterer unterschied sich von den anderen beiden vor allem durch eine größere Spurweite.

„Wia bei der russisch‘n Eisenbahn mit ihren Breitspur-Schienen“, kommentierte Ganserer. Außerdem erklärte er verschiedene typische Holzhauerwerkzeuge, die er mitgebracht hatte, wie beispielsweise eine Sapie – eine Kombination aus Hammer und Wendehaken, die vor allem beim Holzrücken zum Einsatz kam –, eine Hobelzahnsäge, die typische Waldsäge vor den ersten Motorsägen, oder einen alten Reißmeter zum Ablängen des Rundholzes bei der Produktion von Meterholz.

Johann Woldrich ging auf die Arbeit auf den Schlittenzugbahnen ein. „Wenn’s in der Nacht wieder viel g‘schneit hat, mussten die Holzhauer zunächst die gesamte Bahn bis zum Rachel ausschaufeln“, berichtete er. Das konnte für die vier Holzhauer vom Forsthaus Schachten den ganzen Tag dauern. Oben angekommen war dort auch das Holz oft meterhoch eingeschneit. Deshalb markierten die Holzhauer die Blöcher, von Ästen befreite und entrindete Baumstämme, bereits im Sommer vorsorglich mit langen Stangen, damit diese im Winter wiederzufinden waren. „Eine einfache Arbeit war‘s nicht, aber schee is trotzdem g’wen“, so Woldrich.

Besonders schwer wurde die Arbeit, wenn ein Schlitten umkippte und das Holz hangabwärts rollte. Dann mussten die langen Stämme oder das Scheitholz wieder zum Schlitten hochgeschleppt und aufgeladen werden. „Bis zu 40 Zentner hatten die Waldarbeiter hinter sich auf den Schlitten gepackt; schwere Unglücke blieben da leider nicht aus“, erzählte Otto Schettl.

Karl Heidenreich, damals Förster im Poschinger-Wald, schilderte den Tagesablauf der Holzhauer beim Schlittenzug. Sie brauchten einen ganzen Tag, bis sie die vorbereiteten Holzvorräte oben am Kleinen Rachel erreichten. Dort luden sie dann das Holz auf die Schlitten, übernachteten in der alten Poschinger-Diensthütte und brachten das Holz am nächsten Tag zum Lagerplatz an der „Kanalbrücke“.

Holzhauer arbeiteten im Akkord. „Nach 14 Tagen bekamen sie im Wirtshaus ihr Geld“, berichtete Hermann Ganserer. Oft waren die Frauen mit dabei, die genau darauf schauten, wie viel ihr Ehemann im Vergleich zu den anderen Holzhauern bekam. Bekam einer weniger Lohn als andere, begründete er dies gegenüber seiner Frau mit besonders schweren Arbeitsbedingungen, die ihn diesmal daran gehindert hätten, mehr Holz zu transportieren.

Abgerundet wurde das Erzählcafé durch eine Diaschau von Max Drexler aus Buchenau, der aus seinem großen Fotoarchiv eine Reihe von historischen Aufnahmen von den Buchenauer Holzhauern in Aktion mitgebracht hatte, unter anderem von Hans Woldrich, Max Drexler senior und Karl Hofmann.

Erzählcafés rund um die Geschichte und die Traditionen der Menschen im jetzigen Nationalparkgebiet finden in loser Folge seit 2007 statt. „Wir möchten damit insbesondere ältere Menschen aus der Region ansprechen und ihren Geschichten und Erfahrungen zum Leben in und mit dem Wald eine Plattform bieten. Natürlich freuen wir uns auch, wenn jüngere Menschen teilnehmen und für sie so die Alltagsgeschichte ihrer Heimat lebendig wird“, so Sabine Eisch, Mitarbeiterin der Nationalparkverwaltung und Initiatorin der Erzählcafés. „Die besonders rege Beteiligung in diesem Jahr freut uns sehr und zeigt, wie gut das Format mittlerweile angenommen wird“, so Eisch weiter. Auch die Vertreter des Waldvereins, der erste Vorsitzender Georg Pletl und die Mitorganisatoren Georg Jungwirth sowie Stefan Wagner von der Sektion Frauenau freuten sich über den großen Zuspruch und bekräftigten, die Erzählcafés auch gerne weiterhin zu unterstützen.

Wertvolle Heimatpflege, erfolgreiche Inklusion und fröhliches Bürgerfest – Tummelplatzaktion 2014 war „gelungener Dreiklang“



Anfang Oktober nutzen die Hauptakteure – Vertreter des Nationalparks Bayerischer Wald, der Wolfsteiner Werkstätten in Freyung und des Heimatvereins d'Koishüttler Neuschönau – die Gelegenheit, um die diesjährige Tummelplatzaktion vor Ort Revue passieren zu lassen. Die einhellige Bilanz: Die erfolgreiche Zusammenarbeit von rund 20 Menschen mit und 20 Menschen ohne Behinderung, ein für Jahrzehnte solide restauriertes Kulturdenkmal, eine informative Sternwanderung auf vier verschiedenen Routen mit politischer Prominenz aus der Region zu einem Bürgerfest mit mehr als 300 Besuchern – das war ein echtes Highlight unter den Aktionen auf dem Tummelplatz.

Fand trotz trüben Wetters großen Anklang: das diesjährige Fest an der denkmalgeschützten Tummelplatzhütte (Foto: NPV Bayerischer Wald))

„Die Möglichkeit, ein wertvolles Kulturgut wieder auf Vordermann zu bringen, dabei konstruktive Inklusion von Menschen mit Behinderung zu ermöglichen und das ganze mit der Bevölkerung in einem fröhlichen Fest zu feiern – das war in diesem Jahr ein besonders gelungener Dreiklang auf dem Tummelplatz. Das ist für mich lebendige Heimat in Bestform“, kommentierte Lukas Laux, Bildungsreferent des Nationalparks und Projektleiter anlässlich der Rückschau zur diesjährigen Tummelplatzaktion. Jochen Hany, verantwortlich für die Ausbildung im Berufsbildungsbereich der Wolfsteiner Caritas-Werkstätten konnte dem nur zustimmen: „Es war ein rundum gelungenes Projekt und wir freuen uns auf die nächste Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung.“ „Ich bin auf jeden Fall dabei, wenn wieder etwas gebaut wird“, bekräftigte Christian Osterer und brachte dabei stellvertretend die Meinung der beteiligten Wolfsteiner Mitarbeiter mit Behinderung auf den Punkt. „Die Neuschönauer sind immer gerne auf dem Tummelplatz. Deshalb freuen wir uns jedes Mal, wenn wir hier oben ein Fest mitorganisieren können“, sicherte auch Sepp Wolf als Vereinsvorsitzender die Unterstützung des Neuschönauer Heimatvereins für künftige Gemeinschaftsaktionen auf dem Tummelplatz zu.

Freuten sich in einer Rückschau am gelungen Werk – dem frisch restaurierten Tummelplatzofen – und an einer ebenso gelungenen Kooperation: Mitarbeiter der Freyunger Caritas-Werkstätten und des Nationalparks sowie Mitglieder des Heimatvereins d‘Koishüttler Neuschönau. (Foto: Pöhnl/Haslinger))

Seit 2008 finden in loser Folge Bürgerfeste bei der Tummelplatzhütte statt, in denen die Geschichte des dortigen ehemaligen Sommersammelplatzes für Weidevieh für die Allgemeinheit lebendig wird. Anlass ist in der Regel ein besonderer Ausbau- oder Renovierungsschritt an dem idyllisch zwischen Mauth und dem Lusen gelegenen Kulturdenkmal, dessen Erhalt vom Nationalpark verantwortet wird. In diesem Jahr wurde die Einweihung des historischen Backofens neben der Hütte gefeiert, mit dem sich ehemals die Viehhirten auf dem Tummelplatz verproviantierten. Der Backofen war in Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege von Mitte Juli bis Ende August restauriert worden und soll nun Zielpunkt regelmäßiger Führungen mit kulturhistorischem Schwerpunkt werden. Das von EUROPARC Deutschland im Rahmen der Aktion „Ehrensache Natur – Freiwillige in Parks“ mit 10.000 Euro geförderte Projekt war insofern eine Besonderheit, als über die Beteiligung der von der Caritas Passau getragenen Wolfsteiner Werkstätten Menschen mit und ohne Behinderung Hand in Hand arbeiteten, um den stark zerfallenen Backofen zunächst auseinanderzunehmen, das Material aufzuarbeiten und dann originalgetreu wieder aufzubauen.

Damit im Ernstfall alles glatt läuft



Nationalpark und örtliche Einsatzkräfte trainieren reibungsloses Zusammenspiel bei Bergrettung

Waldarbeit im Nationalpark birgt trotz gebotener Vorsicht ein ernstzunehmendes Unfallrisiko. Rettungsübungen tragen hier zur Sicherheit bei.(Foto: NPV bayerischer Wald)

Waldarbeit im Nationalpark Bayerischer Wald ist ein großes Betätigungsfeld. Das Spektrum reicht von Instandsetzung und Sicherung des Wegenetzes bis hin zu klassischen forstlichen Tätigkeiten, die durch die Borkenkäferbekämpfung in den Rand- und Entwicklungszonen entstehen. Insgesamt arbeiten in diesem Bereich rund 30 Beschäftigte. Trotz gebotener Umsicht besteht für sie durch den Umgang mit schwerem Gerät, stürzende Baumstämme und herabfallende Äste ein ernstzunehmendes Unfallrisiko. Zudem wird eine Rettung durch das oft unwegsame Terrain erschwert. Um für den Ernstfall bestmöglich gerüstet zu sein, fanden daher kürzlich im Nationalpark zwei Rettungsübungen statt, die einen Waldarbeiterunfall im Gelände simulierten. An den Übungen im Rachel-Lusen-Gebiet und im Falkenstein-Rachel-Gebiet beteiligten sich neben Nationalparkmitarbeitern auch das Bayerische Rote Kreuz (BRK) sowie die Bergwachten von Grafenau und Wolfenstein.

Arbeiten bei der Rettung Hand in Hand: die Integrierten Leitstellen, die Bergwacht, das BRK und der Nationalpark.(Foto: NPV bayerischer Wald)

Angenommen wurde jeweils ein Arbeitsunfall, bei dem ein Waldarbeiter durch einen herabstürzenden abgestorbenen Baumgipfel eine schwere Kopfverletzung erleidet. Als Unfallort wurde steiles, unwegsames Gelände gewählt, das mindestens 50 bis 100 Meter von der nächsten befahrbaren Forststraße entfernt war. Die Herausforderung für die jeweiligen Kollegen des „Verunfallten“ bestand zunächst darin, sowohl für eine möglichst rasche Erstversorgung als auch für prompte Unfallmeldung an die zuständige Integrierte Leitstelle in Passau bzw. Straubing zu sorgen. Außerdem mussten sie passende Treffpunkte mit den Rettungskräften organisieren, um diese dann von dort aus auf kürzest möglichem Weg durchs Gelände zum Unfallopfer lotsen zu können.

Beide Gruppen bewerkstelligten dies kompetent und umsichtig, unter anderem durch Aktivieren eines vor Ort mit Holzrücken beschäftigten Forstunternehmers als zusätzlicher Helfer sowie durch telefonische Einbindung weiterer Nationalparkkollegen. Das BRK und die Bergwacht, die von der zuständigen Leitstelle verständigt worden waren, konnten den Einsatzort am Kleinfalkenstein in weniger als 20 Minuten nach der Alarmierung erreichen; im Bereich Kuhhütten bei Finsterau waren die Rettungskräfte in 20 – 30 Minuten vor Ort. Am Unfallort wurde der „Verletzte“ dann professionell durch die Sanitäter versorgt und anschließend in die Gebirgstrage der Bergwacht gelegt, von den Helfern zur Forststraße transportiert und in den Rettungswagen umgebettet.

Dank regelmäßiger Rettungsübungen reicht die reibungslose Rettungskette auch bis in abgelegene Waldregionen des Nationalparks.(Foto: NPV bayerischer Wald)

Rettungsübungen mit unterschiedlichen Szenarien und für verschiedene Zielgruppen der Nationalpark-Mitarbeiterschaft finden jährlich statt. Reinhold Weinberger, stellvertretender Leiter des Nationalparksachgebietes Wald- und Flächenmanagement und Organisator der Rettungsübungen: „Ich freue mich sehr, dass auch in diesem Jahr die Rettungskette einwandfrei funktioniert hat und danke allen, die sich diesmal die Zeit für die Übungen genommen haben.“ Es sei ganz wichtig, dass man regelmäßig und in unterschiedlichen Szenarien die Zusammenarbeit zwischen BRK, Bergwacht, Nationalpark und den Integrierten Leitstellen trainiere, so Weinberger weiter. „Der Nationalpark stellt als Rettungsterrain eine wirkliche Herausforderung dar. Jedes Mal lernen wir etwas Neues dazu - was im Endeffekt die Arbeit für unser engagiertes Personal sicherer macht.“

Erfolgreiche Gemeinschaftsaktion zur Schachtenpflege 2014



Leibl: „Ohne den Wald-Verein gäbe es die Schachten nicht mehr“

Kein Zuckerschlecken: Schachtenpflege auf dem Rindlschachten (Foto: NPV bayerischer Wald)

Gut 70 freiwillige Helfer trafen sich zur alljährlichen Pflege der Schachten im Erweiterungsgebiet des Nationalparks Bayerischer Wald, bei der seit nunmehr 12 Jahren zur Offenhaltung der historischen Waldweiden Büsche und Bäume entfernt werden. Der rund fünfstündige Arbeitseinsatz wurde diesmal von den Sektionen Lindberg, Mitterfels, Passau, Regen und Spiegelau des Bayerischer Wald-Vereins, der Bergwacht Zwiesel sowie dem Bürgerverein Buchenau durchgeführt.

Die alljährliche Schachtenbegehung im Vorfeld der Pflegeaktion nutzten einige Mitglieder des Bayerischer Wald-Vereins, der Naturschutzbeiratsvorsitzende Georg Jungwirth, der 1. Wald-Vereinsvorsitzende Georg Pletl, Haymo Richter als Vorsitzender des Kultur- und Presseausschusses sowie einige Vertreter der Sektionen Regen, Lindberg und Mitterfels die Gelegenheit, sich bei Nationalparkleiter Dr. Leibl vor Ort am Lackaberg über die aktuelle Debatte um die Naturzonenausweisung 2015 zu informieren.

Nach der Abschlussbesprechung am Mittag belohnte das traditionelle gemütliche Beisammensein am Schachtenhaus die harte Arbeit, bei dem der Bayerischer Wald-Verein für das leibliche Wohl und die Gruppe Kirchahöh-Musi für musikalische Umrahmung sorgte.

Beim Waldbegang am Lackaberg zum Thema Naturzonenausweisung 2015 (v. l.): Georg Jungwirth, Haymo Richter und Dr. Franz Leibl. (Foto: NPV bayerischer Wald)

In einem kurzen Grußwort bedankte sich Georg Pletl, 1. Vorsitzender des Bayerischer Wald-Vereins, bei allen Helfern der diesjährigen Aktion und hob ausdrücklich hervor, dass die Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung „noch nie so vertrauensvoll und gut“ gewesen sei, wie unter der jetzigen Leitung. Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl gab das Kompliment gleich zurück: „Ohne den Wald-Verein und seine Mitstreiter gäbe es die Schachten nicht mehr“, lobte Leibl die ursprüngliche Initiative des Vereins, die Schachten zu erhalten, sowie den langjährigen tatkräftigen Einsatz aller an der Schachtenpflege Beteiligten.

Für ein besonderes Dankeschön an die Organisatoren sorgten der Glaskünstler Klaus Büchler, Träger des Kulturpreises 1999 des Bayerischer Wald-Vereins, und der Mundartdichter Eberhard Kreuzer, der im vergangenen Jahr den Kulturpreis vom Wald-Verein erhalten hatte: Als Symbol für erfolgreiche Zusammenarbeit Vieler, die durch Zusammenhalt mehr schaffen als alleine, überreichte Büchler je einen seiner gläsernen Pflastersteine an Georg Jungwirth, der als Vorsitzender des Naturschutzbeirates des Bayerischer Wald-Vereins jährlich die Pflegeaktionen organisiert, und an Nationalparkleiter Leibl, der als „Schachten-Hausherr“ die Aktion unterstützt hatte. Kreuzer „kommentierte“ die gelungene Zusammenarbeit aller Beteiligten mit eigenen Gedichten zu den Themen Pflasterstein, Baum und Freundschaft.

Ehrenamtliche Aktionen zur Schachtenpflege gibt es seit 2003. Gepflegt werden – je nach Bedarf – fünf Schachten, wobei einige Sektionen des Bayerischer Wald-Vereins sowie andere beteiligte Vereine Pflegepatenschaften übernommen haben: die Sektion Regen für den Jährling-Schachten, die Sektion Mitterfels für den Rindlschachten, die Sektion Lindberg für den Albrechtschachten, die Bergwacht Zwiesel für den Ruckowitzschachten und der Bügerverein Buchenau für den Lindbergschachten. Alljährlich entfernen die Schachtenpfleger Sträucher und Bäume auf den ehemaligen Waldweiden, da diese auch als „Almen des Bayerwaldes“ bezeichneten Hochlagenwiesen ohne die ursprüngliche, seit den 1960er Jahren eingestellte Beweidung komplett zuwachsen und als reizvolle sowie aus Naturschutzsicht besonders wertvolle Landschaftsbestandteile verloren gehen würden. Ausschließlich der Ruckowitzschachten wird seit diesem Jahr wieder extensiv beweidet, um den Einsatz von Rotrindern als Schachtenpflegemaßnahme zu erproben.

Belohnung nach getaner Arbeit: die Brotzeit am Schachtenhaus. Links im Bild: Nationalparkchef Leibl im Gespräch mit Georg Jungwirth, Vorsitzender des Naturschutzbeirates des Bayerischer Wald-Vereins (Foto: NPV bayerischer Wald)

Da der Pfegebedarf für die einzelnen Schachten von Jahr zu Jahr unterschiedlich ist, findet im Vorfeld der Pflegeaktion jedes Mal eine Schachtenbegehung statt, bei der Wald-Vereins-Mitglieder gemeinsam mit Nationalparkvertretern eine Bestandsaufnahme machen und einen Pflegeplan mit Schwerpunkten für die aktuell anstehende Aktion erstellen. In diesem Jahr nutzten der Naturschutzbeiratsvorsitzende Jungwirth, der 1. Wald-Vereinsvorsitzende Pletl, Haymo Richter als Vorsitzender des Kultur- und Presseausschusses sowie einige Vertreter der Sektionen Regen, Lindberg und Mitterfels die Gelegenheit, sich bei Nationalparkleiter Leibl vor Ort am Lackaberg über die aktuelle Debatte um die Naturzonenausweisung 2015 zu informieren. Leibl erläuterte den Vorschlag der Nationalparkverwaltung, 2015 eine größere Fläche als sonst mit vornehmlich Windwurf- und Borkenkäfer-geprägten Hochlagenarealen als Naturzonen auszuweisen, um dafür in den unteren Lagen den noch bestehenden reifen Fichtenwald länger vor Borkenkäferbefall schützen zu können. Er wies zudem ausdrücklich darauf hin, dass die noch bestehenden reifen Hochlagenwaldbestände am Falkenstein nicht in dem Naturzonenvorschlag enthalten sind. Georg Jungwirth zeigte sich bei der Ortseinsicht von der bereits bestehenden Verjüngung am Lackaberg beindruckt. „Der Vorschlag der Nationalparkverwaltung hat Hand und Fuß“, ging er auf die Naturzonenpläne für 2015 ein. „Sollte der Vorschlag die Zustimmung des kommunalen Nationalparkausschusses finden, halte ich ihn für die optimale Lösung. Ich kann die Initiative der Nationalparkverwaltung nur ausdrücklich unterstützen“, kommentierte Jungwirth. Dieser Einschätzung schlossen sich anderen anwesenden Vorsitzenden des Wald-Vereins an.

Internationaler Forschungsworkshop im Nationalpark Bayerischer Wald

Tauschten sich drei Tage lang intensiv zu innovativen Methoden zur Erfassung und Analyse von Landökosystemen aus: Die Teilnehmer des internationalen Laserscanning-Forschungsworkshops (Foto: NPV Bayerischer Wald)

Fachtagung im Waldgeschichtlichen Museum St. Oswald zu neusten Methoden der 3D-Ökosystemkartierung mittels Laserfernerkundung.

Kann man die traditionelle Waldinventur durch Laserstrahlmessungen ersetzen oder gar in Effizienz und Aussagekraft verbessern? Diese und viele andere spannenden Fragen rings um den Einsatz neuster Fernerkundungstechnologien zur Kartierung und Analyse von Landökosystemen waren Thema des internationalen Forschungsworkshops im Nationalpark Bayerischer Wald, zu dem 60 Wissenschaftler aus fünf Kontinenten angereist waren.

Die über 30 Fachvorträge der Tagung gaben einen Überblick zum aktuellen Stand der Technik, insbesondere der Laserscanningmethoden, sowie zu computergestützter automatischer Datenauswertung und Modellierung von Landökosystemen. In Diskussionen wurden außerdem zukünftige Forschungsthemen identifiziert und die Bearbeitung in gemeinsamen Projekten geplant. Geleitet wurde der Workshop von Prof. Dr. Peter Krzystek, Leiter des Labors für Photogrammetrie und Fernerkundung der Hochschule München, und Dr. Marco Heurich, stellvertretender Leiter des Sachgebiets „Naturschutz und Forschung“ des Nationalparks Bayerischer Wald. Beide Forscher können auf eine langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit im Bereich der Fernerkundung zurückblicken, wobei das Forscherteam um Krzystek immer wieder von praktischen Fragestellungen aus dem Nationalpark inspiriert wurde und innovative Lösungen entwickeln konnte. Zum Hintergrund: Herkömmliche Waldinventuren sind zeitaufwändig, personal- und kostenintensiv und liefern nur stichprobenartige Informationen in Raum und Zeit: An sogenannten Inventurpunkten – im Nationalpark Bayerischer Wald sind es insgesamt rund 5800 –, die systematische über das jeweilige Untersuchungsgebiet verteilt sind, werden auf Probenflächen von 500 Quadratmetern alle Bäume nach Art, Höhe und Durchmesser erfasst. Zusätzlich müssen die Waldbestände kartographisch erfasst und beschrieben werden. Im Nationalpark werden diese Arbeiten bislang alle 10 Jahre durchgeführt und verursachen Kosten von über 1 Mio. Euro. Fachdiskussion vor Ort mit vielen internationalen Experten: Teil der Tagung war auch eine Exkursion, bei der die Gäste den Nationalpark Bayerischer Wald mit seinen spezifischen Herausforderungen und Fragestellungen in Sachen Fernerkundung kennenlernen konnten (Foto: Hochschule für angewandte Wissenschaften München Inventuren mittels moderner Fernerkundungsmethoden bieten dagegen die Möglichkeit, für große zusammenhängende Gebiete mehrmals jährlich Daten vom Waldaufbau und der Waldentwicklung zu erheben. Zum Einsatz kommen hier vor allem Hyperspectral-, Laser- und Radarsysteme, die per Satellit, Flugzeug, Drohne oder bodengestützen Kameras das Untersuchungsgebiet erkunden und unterschiedliche Informationen sammeln.

Besonders leistungsstark ist die sogenannte LiDAr- (Abkürzung für engl. Light Detection and Ranging)-Technologie, die eines der Haupthemen der Tagung war. Bei dieser Technologie tastet ein Laser das Gelände mit kurzen Impulsen ab und wertet die Zeitdauer zwischen Impulsaussendung und Empfang des an der Geländeoberfläche reflektierten Laserstrahls unter Einbeziehung der exakten, mittels GPS bestimmten Flugzeugposition aus, um ein dreidimensionales Höhenprofil eines Landökosystems mit allen seinen Strukturbestandteilen zu erstellen. LiDAr-Sensoren sind in der Lage, bis zu 300.000 Messungen pro Sekunde durchzuführen, so dass pro Quadratmeter bis zu 50 Messpunkte erfasst werden können. Die Messgenauigkeit ist dabei erstaunlich groß; sie liegt zwischen 15 und 30 Zentimetern bei der Bestimmung von Position und Höhe eines erfassten Messpunktes. Aufschlussreicher Blick von oben: Zunehmend werden die teuren und arbeitsaufwändigen herkömmlichen Waldinventuren von Inventuren mittels moderner Fernerkundungsmethoden aus der Luft abgelöst, die zudem aufschlussreicheres Datenmaterial liefern.(Foto: NPV Bayerischer Wald)

Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Inventur erfolgt die Datenerfassung per Laserfernerkundung durch spezialisierte Firmen innerhalb weniger Tage und verursacht nur rund ein Fünftel der Kosten. Das Ergebnis ist eine umfangreiche Datenbasis, die aus lagegenau erfassten Oberschichtbäumen und deren Baumparametern besteht. Diese Daten sind nicht nur von großer Bedeutung für das aktuelle Management des Untersuchungsgebietes, sondern erlauben auch über Jahre hinweg detaillierte Auswertungen zu unterschiedlichen Fragestellungen, beispielsweise zur Entwicklung von Waldverjüngung, zur Diversität der Habitatstruktur und zu verschiedensten Lebensraum-Modellierungen, die so bislang nicht möglich waren. Experten erwarten daher, dass die Zukunft der Waldinventur im Einsatz von Laserscanningmethoden liegt und sie sich dadurch zu einem weit umfassenderen Werkzeug der Nachhaltssicherung als bisher in Naturschutz und Management natürlicher Ressourcen entwickelt. Auch der Nationalpark Bayerischer Wald hat im Jahr 2012 einen für Mitteleuropa einzigartigen Großversuch gestartet und speziell an seine Verhältnisse angepasste Laserscanning-Algorithmen auf die gesamte Parkfläche angewandt. Eine erste Auswertung der Daten wird gegen Jahresende vorliegen.

Nationalpark Bayerischer Wald hat hohen Stellenwert für sanften Tourismus


Eine starke Truppe für den Schutz der Natur: Die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf (vorne Mitte in Rangerdienstjacke, einem Geschenk der Ranger an ihre neue oberste Dienstherrin) mit Dr. Franz Leibl, Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, Petr Šrail, Leiter der Nationalparkwacht Šumava, Michael Großmann, Leiter Nationalparkwacht Bayerischer Wald (alle rechts neben der Ministerin), Politikern der Region sowie zahlreichen Ranger der Nachbarnationalparke Šumava und Bayerischer Wald 
(Foto: NPV Bayerischer Wald)

Umweltministerin Scharf beim deutsch-tschechischen Ranger-Treffen der Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava am 19. September 2014 im Nationalparkzentrum Falkenstein: Neue Studie zeigt hohen Stellenwert des Nationalparks Bayerischer Wald für sanften Tourismus / Ranger leisten unschätzbare Arbeit.

Die Bewahrung der Naturschätze in Bayern ist eine entscheidende Zukunftsaufgabe. Besondere Bedeutung für den Schutz der Tier- und Pflanzenwelt hat der Nationalpark Bayerischer Wald. Bei dem deutsch-tschechischen Ranger-Treffen der Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava zum Thema „Aufgaben und Ziele der Nationalparkwacht in grenzüberschreitenden Großschutzgebieten“ am 19. September 2014 im Nationalparkzentrum Falkenstein betonte die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf: „Der Nationalpark Bayerischer Wald ist ein Aushängeschild des Naturschutzes in Bayern und ein besonders wertvoller Naturschatz. Er ist Heimat einer einzigartigen Naturvielfalt mit über 2.500 Tierarten. Diesen Schatz müssen wir bewahren. Die Natur kennt keine Staatsgrenzen. Deshalb setzen wir auf die intensive Zusammenarbeit mit unseren tschechischen Nachbarn. Die beiden Nationalparks sollen zu einem europäischen Schutzgebiet zusammenwachsen.“

Seit rund einem Viertel Jahrhundert pflegen beide Nationalparks eine intensive Zusammenarbeit. Zukünftig soll die Kooperation speziell der beiden Nationalparkwachten verstärkt werden: beispielsweise durch gemeinsame Gebietskontrollen und Monitoringprojekte sowie einen verbesserten Austausch bei der Umweltbildungsarbeit und Besucherinformation. „25 Ranger schützen die Natur und sie werben für die Natur. Sie leisten im Nationalpark Bayerischer Wald seit 40 Jahren unschätzbare Arbeit“, so Scharf.

Der Nationalpark Bayerischer Wald hat große Bedeutung für Naturschutz, regionale Wirtschaftsentwicklung und sanften Tourismus. Zwischenergebnisse einer aktuellen sozioökonomischen Studie der Universität für Bodenkultur in Wien haben ergeben, dass für rund 60 Prozent der Besucher des Bayerischen Walds der Status als Nationalpark eine große Rolle für den Besuch des Gebietes spielt. Die Anzahl von Besuchereinrichtungen und Wanderwegen im Nationalpark wurde von über 90 Prozent als ideal bewertet. Auf die Frage, was den Besuchern besonders gut im Nationalpark gefällt, wurden am häufigsten die unberührte Natur, Ruhe, Beschilderung sowie Wanderwege genannt. Weit über 90 Prozent der Befragten gaben an, dass der Status Nationalpark uneingeschränkte Erholungsmöglichkeiten bietet.

„Bayern lebt von seinen liebenswerten Landschaften. Wir wollen deshalb den sanften Tourismus stärken. So können die Menschen in den Regionen direkt von den Naturschönheiten vor ihrer Haustüre profitieren“, so Scharf. Mit rund 760.000 Besuchern und einer Wertschöpfung von knapp 30 Millionen Euro im Jahr ist der Ökotourismus im Nationalpark ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region. Ein besonderes Aushängeschild des Nationalparks sind die zahlreichen Umweltbildungseinrichtungen wie das Hans-Eisenmann-Haus, das Haus zur Wildnis, der Baumwipfelpfad oder die Tierfreigelände.

Im Jahr 1970 wurde im Bayerischen Wald der erste Nationalpark Deutschlands eröffnet. Unter dem Motto „Natur Natur sein lassen“ kommen auf rund 24.000 Hektar 2.500 Tierarten und 800 höhere Pflanzenarten vor. Mit der Gründung des Nationalparks Šumava im Jahr 1991 entstand auf einer Fläche von insgesamt 95.000 Hektar – das entspricht der dreifachen Fläche von München – eines der größten Wald-Naturschutzgebiete in Mitteleuropa und gleichzeitig die größte nicht zerschnittene Waldfläche Mitteleuropas.

Grenzüberschreitende Forschung in Planung: Tschechische Wissenschaftler besuchten Nationalpark Bayrischer Wald

Unterzeichneten Kooperationsvertrag für die gemeinsame Ausarbeitung und Durchführung des grenzüberschreitenden Forschungsvorhabens zu den Themen Klima Biodiversität und Wasserhaushalt (v. l.): Pavel Hubený, Leiter des Nationalparks Šumava, und Dr. Franz Leibl, Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald (Foto: NPV Bayerischer Wald)

Im August besuchte eine Forscherdelegation der Südböhmischen Universität Budweis unter Leitung von Prof. František Vácha, Dekan der naturwissenschaftlichen Fakultät, den Nationalpark Bayerischer Wald, um mit der Nationalparkleitung vorbereitende Gespräche für ein grenzüberschreitendes Forschungsprojekt zu führen. Im Fokus der geplanten Forschung, die aus EU-Mitteln finanziert werden soll, stehen die Themen Klima, Biodiversität und Wasserhaushalt in den Nationalparken Šumava und Bayerischer Wald. Orientieren soll sich das neue grenzüberschreitende Forschungsvorhaben an dem von 2006 – 2011 im Nationalpark Bayerischer Wald durchgeführten BIOKLIM-Projekt, das mittels Langzeitbeobachtungen erste gesicherte Erkenntnisse bezüglich des Klimawandels und seine Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaften des Nationalparks lieferte und zudem den Zusammenhang zwischen Prozessschutz und seine Wirkung auf die Biodiversität wissenschaftlich beleuchtete. Neben Prof. Vácha waren auch Prof. Hana Šantrůčková und Prof. Jaroslav Vrba, beide am Lehrstuhl Ökosystembiologie der Universität Budweis tätig, sowie Pavel Hubený, Leiter des Nationalparks Šumava, angereist, um mit Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl und Forschungsleiter Dr. Jörg Müller das anstehende Forschungsvorhaben zu besprechen und in Geländeexkursionen Forschungsstandorte des BIOKLIM-Projektes zu besichtigen. Darüber hinaus unterzeichneten die beiden Nationalparkleiter einen Kooperationsvertrag als Grundlage für die weitere gemeinsame Ausarbeitung und Durchführung des neuen Forschungsvorhabens. Beide Seiten betonten anlässlich des Treffens die außerordentliche Bedeutung eines grenzüberschreitenden Forschungsansatzes, da die beiden Nachbarnationalparke als ein Naturraum nicht nur wissenschaftlich eine sinnvolle Betrachtungseinheit darstellen sondern auch ein Gebiet mit gemeinsamen Schutzgütern, die nur durch ein gemeinsam abgestimmtes, wissenschaftlich fundiertes Managementkonzept effektiv geschützt werden können. Zudem bekräftigte Šumava-Leiter Hubený seine ausdrückliche Unterstützung für das Vorhaben des Nationalparks Bayerischer Wald, möglichst bald die Windwurf- und Borkenkäfer-geprägten Hochlagenbereiche im Erweiterungsgebiet in die Naturzone zu überführen. Diese Areale grenzten unmittelbar an Naturzonen des Nationalparks Šumava, so dass hier ein einheitliches Management sinnvoll und ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum echten grenzüberschreitenden Nationalpark sei.

Nationalpark Šumava erinnert auf Infotafeln mit einmaligen Fotoalben an untergegangene Ortschaften


Infotafeln wurden in einer Feierstunde enthüllt

Untergegangene Ortschaften und die bewegte Geschichte ihrer Bewohner ist ein Thema, das mit der tschechischen Seite des Böhmerwalds engst verbunden ist. Im ganzen Gebiet gibt es fast Hundert Siedlungen, wo früher Dutzende Häuser oder ganze Dorfanger standen und insgesamt mehrere Tausend Menschen lebten. Die Nationalparkverwaltung Šumava hat nun ein lange gehegtes Vorhaben realisiert, und insgesamt auf 30 Standorten an diese untergegangenen Orte in einer anschaulichen Form erinnert – das Projekt heißt „Historisches Album des Böhmerwaldes“.

Nur Wenigen fällt es heute ein, dass an vielen verlassenen Stellen keine Hundert Jahre zurück Häuser standen, in denen Leute lebten. Fast niemand weiss, wovon sie sich ernährten oder wofür sie lebten. Die Landschaft und ihre Besiedlung, aber auch ihre Einwohner und ihr Leben werden nun durch „historische Alben“ nähergebracht.

Infotafel "Historisches Album"

Josef Štemberk, Autor des Projekts „Historische Alben“ und Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung Šumava:

„Seit dem Beginn meiner Arbeit im Böhmerwald bin ich vielen Menschen begegnet, die sich intensiv mit der Geschichte dieser ehemaligen Gemeinden auseinandersetzten und viel Zeit und Mühe investierten. Einige sammeln historische Postkarten und Aufnahmen, andere Erzählungen oder andere Textformen und einige andere spürten den restlichen Spuren der Besiedlung in der Landschaft nach und versuchten ortsgenau Standorte alter Bauten zu erfassen. In unserem Projekt waren wir bemüht, dass alles zusammenzuführen, Geschichte wird mit Wort und Bild direkt an den jeweiligen historischen Orten präsentiert.“

Die neuen Infotafeln sind auch in ihrer Form einmalig. Sie ähneln einer Theke, an der wie zufällig ein geöffnetes Fotoalbum liegt. An allen Stellen werden je vier Fotos präsentiert, inhaltsreich und in guter Bildqualität. Sie stammen von verschiedenen Sammlern alter Fotos und nicht zuletzt aus dem Museum Fotoatelier Seidel in Český Krumlov. Kurze Geschichte in deutscher und tschechischer Sprache ergänzt die ganze Tafel.

Josef Štemberk:

„Ein Foto sagt oft mehr als Tausend Worte. Die symbolische Form eines Fotoalbums haben wir gewählt um die Infotafel als Erinnerung an konkrete Menschen mit ihrem Schicksal zu gestalten. Nur mussten wir eine widerstandsfähige technische Lösung finden,so dass die Aufnahmen das ganze Jahr über im Freien verbleiben können. Ich hoffe, dass es uns mit modernen Materialien letztendlich gelungen ist.“

Marie Malá, die in Vorder-Waid geboren wurde:

„Historisches Album des Böhmerwaldes zu den untergangenen Ortschaften ist eine gute Sache. Ich habe immer vor Augen, wie wir mit meiner Mutter oberhalb meines Geburtsortes Vorder-Waid saßen und beobachteten, wie das Dorf niedergerissen wurde. Meine Mutter weinte und ich habe nicht verstanden warum, jetzt verstehe ich es gut. Deswegen ist es wichtig, an die Geschichte zu erinnern.“

Die Tafeln sind über den ganzen Nationalpark verstreut, vom Glöckelberg an der österreichischen Grenze bis zum Haidl am Ahornberg oberhalb von Bayerisch Eisenstein.

Besucher bei einer Infotafel "Historisches Album"

Der Leiter der Nationalparkverwaltung Šumava Pavel Hubený:

„Es ist nicht gut die wechselvolle Geschichte der letzten Jahrhunderte zu vergessen. Es überrascht immer wieder, dass an vielen Stellen unlängst wilde Natur war, dann hartes Leben, nach dem zweiten Weltkrieg eine verlassene Landschaft und jetzt ein Schutzgebiet. Diese Landschaft erinnert an die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens und seiner Arbeit“

Das Projekt wurde im Rahmen des EU-Förderprogramms der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit Freistaat Bayern-Tschechische Republik subventioniert und mit Hilfe des Projektpartners, dem KuLaMu (Kulturlandschaftsmuseum) aus Haidmühle, der bei der Eröffnung durch Erich Dorner vertreten war, erarbeitet.

Dr.Leibl Leiter der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald war von den Infotafeln, die er gemeinsam mit seinem Kollegen Hubený enthüllt hat, angetan: „Mit diesem tollen Projekt wird der Nationalpark Šumava bestimmt die Herzen vieler Bayerwaldler berühren“.

Weitere Gäste aus Bayern wie Georg Plettl, Vorsitzender des Bayerischen Waldvereins, Beate Gebhard vom Pro Nationalpark Zwieseler Winkel, Hermann Kastl, 2.Bürgermeister der Gemeinde Lindberg und Willi Steeger vom Karl-Klostermann Verein beglückwünschten ebenfalls das Projekt und freuten sich auf die Einbeziehung der neuen Tafeln in grenzüberschreitende Wanderungen.

Weiterführende Informationen unter:

historisches Album des Böhmerwaldes

Vergleichsfotos ehemaliger Ortschaften und heutiger Landschaften in höherer Auflösung auf Anfrage.

Správa NP a CHKO Šumava 1. máje 260, 385 01 VIMPERK mobil: +420 731 530 509 e-mail: jan.dvorak@npsumava.cz

www.npsumava.cz

Neubürger mit Maske – Waschbär bereichert das Tier-Freigelände Lusen


Neu im Tier-Freigelände Lusen: Der Waschbär

Seit kurzem hat das Tier-Freigelände im Nationalparkzentrums Lusen einen neuen Bewohner: In einem der beiden Fischottergehege, das extra zu diesem Zweck artgerecht umgestaltet wurde, lebt seit rund drei Wochen ein Waschbär. Das ca. vierjährige Männchen ist nicht nur im Tier-Freigelände Neubürger. Die ursprünglich in Nordamerika beheimateten Waschbären sind sogenannte Neozoen, die sich in den letzten 100 Jahren durch Auswilderung oder versehentlich aus Tierhaltungen entkommene Tiere in ganz Deutschtand und darüber hinaus im europäischen Raum verbreitet haben. Der Nationalpark präsentiert die Art, da sie auch in Bayern mittlerweile regelmäßig auftritt und als typischer Bewohner von gewässerreichen Waldgebieten regelmäßig durch Fotofallen im Nationalparkgebiet dokumentiert ist.

Der neu im Tier-Freigelände angesiedelte Waschbär stammt aus einem Tierheim und soll nun in seinem neuen zu Hause eine artgerechte Haltung genießen dürfen. Das Waschbärengehege erfüllt diesen Anspruch sehr gut: Als ausgezeichneter Kletterer kann der Waschbär die Baumgruppe in der Mitte des Geheges nutzen; für seine Badegewohnheiten steht ihm ein kleiner Stausee zur Verfügung. Zudem kann er an zwei kleinen Bachläufen selbstständig nach Krebsen und Insektenlarven suchen. Waschbären leben einzelgängerisch oder im Familienverband. Daneben kommen auch regelmäßig Gruppen mit bis zu vier erwachsenen männlichen Waschbären vor – eine Besonderheit in der Tierwelt. In Zukunft soll eine solche Männergruppe im Tier-Freigelände gezeigt werden und so wird der jetzt alleine gehaltene Waschbär entsprechend Gesellschaft bekommen; Nachwuchs ist jedoch dauerhaft nicht geplant. Am besten zu beobachten ist der Waschbär gegen Abend, da er dämmerungs- und nachtaktiv ist. In kalten oder schneereichen Wintern halten Waschbären eine Winterruhe, während der sie ihre Aktivitäten stark reduzieren. Sie halten jedoch keinen echten Winterschlaf wie zum Beispiel Igel, und so dürfte der Neubürger im Tier-Freigelände bei milder Witterung auch während der Wintermonate für Besucher zu beobachten sein. Die heutige Waschbärenpopulation Mitteleuropas geht im Wesentlichen auf zwei Freisetzungen in Deutschland zurück: Einer aktiven Ansiedlung 1934 am hessischen Edersee von lediglich zwei Paaren und ca. 20 nach einem Bombentreffer 1945 aus einer Waschbärenhaltung in Brandenburg entflohene Tiere. Mittlerweile kommt der Waschbär in ganz Deutschland flächendenkend und mit steigender Tendenz vor. In Bayern verdreifachte sich die Jagdstrecke in den letzten Jahren und beträgt zurzeit ca. 1000 Tiere pro Jahr. Waschbären sind damit – nicht zuletzt aufgrund ihrer großen Anpassungsfähigkeit – zu einem festen Faunenelement in Mitteleuropa geworden.

Seine tastende Nahrungssuche im Wasser, das an unser Händewaschen erinnert, gab dem Waschbären seinen Namen.

Bislang liegen keine wissenschaftlichen Belege vor, dass Waschbären einen negativen Einfluss auf die Bestandszahlen anderer heimischer Tierarten wie zum Beispiel andere kleine Beutegreifer oder bodenbrütende Vogelarten haben. Die Waschbärhaltung im Nationalpark soll dennoch auf den artenschutzfachlich wichtigen Aspekt der Besiedlung heimischer Lebensräume durch Neobioten – dieser Begriff umfasst auch Neubürger aus dem Pflanzen- und Pilzreich – aufmerksam machen, zudenen bei uns beispielsweise auch der Marderhund, die Regenbogenforelle oder das Drüsige Springkraut zählen. Denn auch wenn sich der Waschbär eher unauffällig in die heimische Tierwelt integriert hat, geht von sich stark ausbreitenden Arten stets eine potenzielle Gefahr aus, heimische Arten zu verdrängen.

Süß und selten: Nachwuchs bei den Przewalski-Pferden im Nationalpark Bayerischer Wald


Gute Nachricht für den Artenschutz: Am 31. Oktober 2014, kam im Tier-Freigelände des Nationalparkzentrums Falkenstein erneut ein Przewalski-Fohlen zur Welt und ist wohl auf. Der kleine Hengst ist das zweite Fohlen, das dieses Jahr im Nationalpark Bayerischer Wald geboren wurde. Bereits Ende Mai vergrößerte ein Stutfohlen die jetzt 10-köpfige Herde im Tier-Freigelände. Die seltenen Wildpferde, von denen es weltweit nur rund 2000 Tiere gibt, werden seit 2005 im Nationalpark gehalten, der sich an einem internationalen Erhaltungszuchtprogramm beteiligt. Eine Nachzucht gelang hier seitdem insgesamt 15 Mal.

Das an Halloween geborene Hengstfohlen ist das jüngste Mitglied der Przewalski-Familie des Nationalparks Bayerischer Wald.

„Oktobergeburten sind für Przewalski-Pferde nicht grade typisch, kommen aber dennoch vor. In freier Wildbahn wäre der kommende Winter eine Überlebensherausforderung für Herbstfohlen, bei Gehegehaltung wie hier im Tier-Freigelände ist dies aufgrund der guten Ernährungssituation in der Regel kein Problem“, kommentiert Dr. Dennis Müller, Nationalparktierarzt und Leiter der beiden Tier-Freigelände, die Geburt des kleinen Hengstes. „Nach zwei Jahren Zuchtpause und nur einem Fohlen im letzten Jahr sind die beiden Jungtiere in diesem Jahr ein Zeichen, dass unser Leithengst, der jetzt im vierten Jahr unsere kleine Herde anführt, gut von den Stuten akzeptiert wird und sich als Zuchthengst etabliert hat“, so Müller. „Mit etwas Glück können wir bei der jetzigen Herdenstruktur mit bis zu vier Fohlen im Jahr zum Erhalt dieser ausgesprochen seltenen Art beitragen.“

Seltener Moment im Familienleben: Die beiden in diesem Jahr geborenen Halbgeschwister hatten bislang wenig direkten Kontakt, da Muttertiere bei ganz jungen Fohlen meist auf Abstand zum Rest der Herde bedacht sind.

Aktuell gibt es neben dem Leithengst und den beiden Jungtieren noch einen Junghengst vom letzten Jahr und sechs erwachsene Stuten in der in dieser Größe und Zusammensetzung durchaus typischen Przewalski-Familiengruppe. Alle Tiere gehören als Zuchtleihgaben entweder dem Münchener Tiergarten Hellabrunn oder dem Tiergarten Nürnberg, aus deren Zuchten die Gründungsmitglieder der Herde am Falkenstein stammen. Wo die beiden diesjährigen Fohlen untergebracht werden, entscheidet sich im Lauf des nächsten Jahres in Abstimmung mit anderen Przewalskihaltungen und dem zentral im Kölner Zoo geführten Europäischen Erhaltungszuchtprogramm, mit dessen Hilfe der genetischen Verarmung der weltweiten Przewalski-Zoopopulation entgegengesteuert wird.

Junghengste werden in der Regel in „Junggesellengruppen“ integriert, aus denen sich später Zuchthengste rekrutieren. Die junge Stute wird das Tierfreigelände vermutlich ebenfalls verlassen und in eine andere bestehende Herde eingegliedert. Eventuell werden aber auch beide Tiere für eines der Auswilderungsprojekte ausgewählt, die es derzeit in der Mongolei, in China und in Kasachstan gibt. „Bislang sind Fohlen von uns zurück nach München oder in den Tierpark von Grünau gegangen und wurden außerdem an Beweidungsprojekte bei Gießen oder in Tennenlohe bei Nürnberg abgegeben. Es gibt jedoch einen Bayerwald-Przewalski-Hengst, der seit seiner Auswilderung 2007 in freier Wildbahn in Kasachstan lebt“, so Dennis Müller.

Besucher haben jederzeit Gelegenheit, die Przewalski-Herde am Falkenstein anzuschauen, da das Tier-Freigelände ganzjährig täglich geöffnet ist. (Fotos: NPV Bayerischer Wald)

Das Przewalski-Pferd ist die letzte überlebende Unterart des Wildpferdes, der Stammform unseres Hauspferdes. Benannt ist es nach dem russischen Offizier und Forschungsreisenden Nikolai Przewalski, der die bereits für ausgestorben gehaltenen Tiere Ende des 19.Jahrhunderts in der Mongolei wiederentdeckte. Schon damals sehr selten, wurden 1969 das letzte Mal wild lebende Przewalski-Pferde auf einer Expedition beobachtet. Kurz nach ihrer Wiederentdeckung, zwischen 1899 und 1903, gelangten insgesamt 54 Einzeltiere in den Besitz von Zoos und Privatliebhabern. Die meisten dieser Pferde starben jedoch, teilweise noch bevor sie die Geschlechtsreife erreicht hatten. Daher stammt die gesamte heutige Przewalski-Population von insgesamt 13 Tieren ab. Das systematisch durchgeführte internationale Zuchtprogramm zur Erhaltung der Przewalski-Pferde gibt es seit Mitte der 1950er Jahre, Auswilderungsprojekte seit Anfang der 1990er Jahre. Im Nationalpark Bayerischer Wald werden die Przewalski-Pferde unter anderem zusammen mit Urrindern gezeigt, um mit diesen in vorgeschichtlicher Zeit auch bei uns beheimateten Tieren eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart zu schlagen und so die Besucher dafür zu sensibilisieren, wie wandelbar Landschaft und Wildnis über Raum und Zeit sein können.

Biber bauen Burg am Schwellhäusl-Teich

Wer nicht nur die Biberburg sondern auch ihre Bewohner bewundern will, sollte sich möglichst in der Morgen- oder Abenddämmerung einfinden und auch etwas Geduld mitbringen. (Foto: NPV Bayerischer Wald)

Seit wenigen Wochen haben die Lettenmaiers, die Wirtsleute des Schwellhäusls im Nationalpark bei Bayerisch Eisenstein, ganz besondere Nachbarn: Ein wildes Biberpärchen nutzte den vorhandenen Klausenteich, um direkt neben der Biergartenterrasse eine knapp 2 Meter hohe Biberburg zu bauen. Der rege Besucherverkehr in dem beliebten Ausflugslokal beeinträchtigt die Tiere offensichtlich nicht, zumal sie vornehmlich in der Morgen- und Abenddämmerung aktiv sind.

„Wir kennen die beiden Biber, die hier bei uns im Deffernik-Tal aktiv sind, schon seit etwa zwei Jahren“, sagt Schwellhäusl-Wirt Lettenmaier. „Vor einiger Zeit haben sie schon einmal versucht, direkt unter unserer Biergartenterrasse zu bauen. Das konnten wir nicht erlauben, zumal dort der Platz für die Burg über kurz oder lang zu eng geworden wäre, und so haben wir diesen Bereich abgezäunt. Nun freuen wir uns aber riesig, dass die beiden sich nicht haben abschrecken lassen und ihre Burg gleich daneben gebaut haben. Solche wilden Gäste sind bei uns immer hoch willkommen!“

Obwohl die Biber fleißig ihrer Arbeit als Landschaftsgestalter nachkommen und dabei rings ums Schwellhäusl Bäume fällen, hat Ludwig Lettenmaier mit seinen neuen Nachbarn keinerlei Problem: „Es ist toll, wenn man die putzigen Tiere so hautnah bei ihrem natürlichen Verhalten beobachten kann“, schwärmt er begeistert. „Außerdem ist es ganz einfach, spezielle Bäume, die stehen bleiben sollen, mit einem Antibibergitter zu schützen.“

„Auch von unserer Seite begrüßen wir es, wenn Biber bei uns Reviere besetzen“, kommentiert Jochen Linner, Naturschutzbeauftragter des Nationalparks Bayerischer Wald, die neue Biberburg am Schwellhäusl. „Durch das Aufstauen von Fließgewässern und das Einbringen von Totholz tragen sie zur Entstehung wichtiger Sonderlebensräume im Nationalparkgebiet bei.“ Derzeit gibt es im Nationalpark Bayerischer Wald rund zehn von Biberfamilien besetzte Reviere, Tendenz steigend. „Seit der Biber vor gut vier Jahrzehnten wieder in Bayern eingebürgert wurde, hat er sich als robuster und flexibler Besiedler erwiesen, der nicht zu empfindlich auf sein Umfeld reagiert. Die Nachbarschaft zum belebten Schwellhäusl ist daher auch keine ganz überraschende Ausnahme“ so Linner.

Neue Mitbewohner auf dem Schwellhäuslareal: Links neben der Biergartenterrasse hat ein Biberpärchen innerhalb weniger Wochen seine Biberburg errichtet.(Foto: NPV Bayerischer Wald)

Sollten dort doch einmal Biberdämme für unerwünschte Überflutungen sorgen oder angenagte Bäume die Wegesicherheit gefährden, lässt sich gemeinsam mit der für Bibermanagement zuständigen Naturschutzbehörde Regen und den in Biberfragen beratenden Nationalparkmitarbeitern meist schnell eine sowohl für Biber als auch Besucher verträgliche Lösung finden. Und so müssen sich Gäste, die auf der Speisekarte „Biber“ als Gericht finden, auch keine Sorgen machen: Hierbei handelt es sich nur um eine Hommage an die beiden neuen Schwellhäusl-Mitbewohner aus O’batzem mit Gurkenscheibe als Schwanz und Ohren aus Radieschen, nicht jedoch um Fred und Wilma.

Sozioökonomisches Monitoring belegt: Schutzgebietsstatus und -ausstattung im Nationalpark Bayerischer Wald ist mitentscheidend für Besucherzufriedenheit



Im November 2012 startete im Nationalpark Bayerischer Wald ein gemeinsam von der Nationalparkverwaltung und der Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien geplantes, langfristig angelegtes Forschungsprojekt zu sozioökonomischen Aspekten. Ziel ist die Erhebung einer umfangreichen Datenbasis, um darauf aufbauend das Besuchermanagement im Park nachhaltig zu optimieren. Neben der Erfassung von Besucheraufkommen, -struktur und -verteilung standen im ersten Erhebungsjahr die Wahrnehmung und Akzeptanz des Nationalparks, seiner Besucherinfrastruktur und seiner Angebote im Mittelpunkt umfangreicher Besucherbefragungen. Eine erste Auswertung von insgesamt knapp 1000 Fragebögen – davon rund ein Drittel von Einheimischen und zwei Drittel von Touristen – liegt nun vor.

Der Nationalpark Bayerischer Wald ist ein Besuchermagnet und entscheidender Faktor für positive Urlaubs- und Erlebnisqualität in der Region. 96 % der Besucher sind laut Befragung mit dem Nationalpark als Erholungsgebiet zufrieden oder sehr zufrieden.

Die Ergebnisse belegen, dass der Nationalpark mit seinem besonderen Schutzgebietsstatus und den daraus abgeleiteten Managementzielen nicht im Konflikt mit Besuchererwartungen und -wünschen steht. Im Gegenteil: Der Nationalpark Bayerischer Wald mit seiner besonderen Waldlandschaft, seiner Infrastruktur und seinen Besucherangeboten ist ein entscheidender Faktor für positive Urlaubs- und Erlebnisqualität in der Region. So spielte für knapp 60 % aller Befragten der Status Nationalpark eine große bis sehr große Rolle für ihre Entscheidung, das Gebiet zu besuchen. Gut ein Fünftel (22 %) gab sogar an, dass sie ohne den Status Nationalpark gar nicht hier wären. Fast allen Besuchern (97 %) war dabei bewusst, dass sie sich in einem besonderen Schutzgebiet befinden; 84 % konnten bei offener Frage ohne Vorgaben sogar konkret den Nationalpark als Schutzstatus benennen. Der Nationalpark wird dabei nicht nur von Touristen geschätzt: Für knapp 90 % der Einheimischen ist das Gebiet des Nationalparks Bayerischer Wald etwas ganz Besonderes und fast alle (98 %) besuchen es gerne. Mehr als 60 % der Einheimischen können sich von allen Erholungsgebieten im Umkreis am besten hier erholen, knapp 40 % finden das von ihnen gesuchte Erholungserlebnis sogar nur im Nationalpark. Und so ist die weit überwiegende Mehrheit der Einheimischen der Auffassung, dass der Nationalpark Bayerischer Wald die Lebensqualität in der Region erhöht (81 %) und darüber hinaus positive Auswirkungen auf deren wirtschaftliche Entwicklung hat (76 %).

„Kraft tanken“ und „Naturerlebnis“ zählen zu den wichtigsten Gründen, den Nationalpark zu besuchen. Die besonderen und zum Teil ungewohnten Waldlandschaften des Nationalparks stehen dabei nicht im Konflikt mit Besuchererwartungen und -wünschen.

Die beiden Hauptgründe für den Besuch im Nationalpark sind „Kraft tanken/Erholung“ und „Landschafts-/Naturerlebnis“. Beide Punkte wurden von 95 % der Befragten als wichtig oder sogar sehr wichtig benannt. Dass diese Besuchsgründe sehr gut bedient werden, legt der sehr hohe Anteil (96 %) der Besucher nahe, die sowohl mit ihrem Besuch am Tag der Befragung als auch allgemein mit dem Nationalpark als Erholungsgebiet zufrieden oder sehr zufrieden waren.

Auf die Frage, was den Besuchern besonders gut im Nationalpark gefällt, wurde ohne vorgegebene Antworten 670 Mal Begriffe aus der Kategorie Natur/Wildnis/Unberührtheit genannt. Auf Platz zwei mit 230 Nennungen liegen Begriffe aus der Kategorie Ruhe/Erholung/Abgeschiedenheit (Mehrfachnennungen waren möglich). Auf die Frage, was den Besuchern am Nationalpark nicht gefällt, antworteten 50 %, dass es nichts gäbe, das ihnen nicht gefällt. Begriffe aus den Kategorien Totholz/Borkenkäfer wurden nur 68 Mal und Wegegebot/Verbote 52 Mal als Negativmerkmale benannt.

Für über 90 % der Besucher ist die Menge an Besuchereinrichtungen und Wanderwegen im Nationalpark ideal (92 %) und sie sehen sich darüber hinaus auch nicht in ihren Erholungsmöglichkeiten durch den Status Nationalpark eingeschränkt (knapp 94 %). Besondere Zustimmung mit Werten zwischen 90 und 95 % finden die Qualität der Besucherzentren, die Infotafeln und die Wegebeschilderung sowie der Wegezustand. Nur eine sehr kleine Minderheit von 1,1% der Befragten fühlte sich bei der Erholung sehr stark durch den Status Nationalpark eingeschränkt. Einschränkungen wie beispielsweise das für besonders sensible Bereiche wie Auerhuhnlebensräume geltende Wegegebot im Nationalpark sind offensichtlich für die meisten Besucher als Schutzmaßnahme einsichtig: Nur ein sehr kleiner Teil der Befragten von knapp 5% glaubt nicht, dass Wandern abseits markierter Wege einen negativen Einfluss auf die Tier- und Pflanzenwelt des Nationalparks hat.

Die Menge und Qualität der Wanderwege im Nationalpark sowie ihre Beschilderung findet großen Anklang bei den Besuchern des Nationalparks.

Nationalparkbesucher sind in der Regel Stammgäste, die das Schutzgebiet auch schon sehr lange kennen: 87 % aller Befragten waren am Tag der Befragung nicht das erste Mal im Nationalpark Bayerischer Wald und ihr erster Besuch lag im Schnitt 25 Jahre zurück. Einheimische und Tagesbesucher zusammengenommen besuchen den Nationalpark jährlich durchschnittlich 95 Mal; Übernachtungsgäste waren im Schnitt insgesamt schon 16 Mal im Nationalpark. Die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit, mit der Touristen in den nächsten 5 Jahren den Nationalpark Bayerischer Wald wieder besuchen werden, ist mit 82 % sehr hoch. Mehr als die Hälfte (56 %) der Befragten wird sogar auf jeden Fall, also mit 100 %iger Wahrscheinlichkeit wiederkommen.

„Wir freuen uns natürlich sehr, dass uns unsere Besucher in vielen Kategorien so viele ‚gute Noten‘ gegeben haben. Das gibt uns einen deutlichen Hinweis, dass wir in den Aufgabenfeldern Erholung und regionale Strukturförderung in ganz vielen Bereichen auf einem guten Weg sind“, kommentiert Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl die ersten Ergebnisse der sozioökonomischen Studie. „Gleichzeitig leitet sich daraus aber auch die Verantwortung und umfangreiche Aufgabe ab, diesen hohen Standard zu erhalten. Wichtig sind außerdem weitere detaillierte Auswertungen und die Bearbeitung weiterer Fragestellungen, um die Bereiche zu identifizieren, in denen wir noch besser werden können.“

Zur Methode und zur Zusammensetzung der Befragten:

Die BOKU Wien, unter deren Federführung die Studie im Nationalpark Bayerischer Wald durchgeführt wird, besitzt mit ihrem Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung eine umfangreiche, international gefragte Expertise im sozioökonomischen Besuchermonitoring in Schutzgebieten. Das Design der Untersuchung ist zunächst auf fünf Jahre angelegt, soll aber die Grundlage für ein Dauermonitoring legen. Weitere geplante Themenblöcke sind unter anderem die Erhebung regionalökonomischer Effekte, die Evaluation von Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Evaluation der Zusammenarbeit mit relevanten Akteursgruppen vor Ort. Die Personenbefragungen im ersten Untersuchungsjahr wurden zwischen Mai 2013 und April 2014 an 12 statistisch relevanten Tagen durchgeführt. Über 100 Personen kamen an knapp 60 Standorten zum Einsatz, um von den Besuchern Antworten auf die insgesamt 34 Fragen des Fragebogens zu erhalten. Darüber hinaus waren durchgängig 15 automatische Zählgeräte an 14 Standorten zur Erfassung von Besucherzahlen im Einsatz, deren Auswertung aber erst Ende des Jahres vorliegen wird.

Nicht nur bei Touristen beliebt: Die weit überwiegende Mehrheit der Einheimischen ist der Auffassung, dass der Nationalpark Bayerischer Wald die Lebensqualität in der Region erhöht – und das zu jeder Jahreszeit.(Fotos: NPV Bayerischer Wald)

982 komplett ausgefüllte Fragebögen konnten ausgewertet werden. Etwas mehr als ein Drittel der Befragten, insgesamt 355 Personen, stammten aus den beiden Nationalpark-Landkreisen und werden als „Einheimische“ bezeichnet. 66 % davon leben im Landkreis Freyung-Grafenau und 34 % im Landkreis Regen. Von den 627 befragten Touristen waren 78 % Übernachtungsgäste und 22 % Tagesbesucher. Die überwiegende Mehrzahl der Befragten, knapp 90 %, waren Fußgänger (Spaziergänger/Wanderer). Es wurden aber auch andere Nutzergruppen befragt, wie z. B. Radfahrer und Jogger. Durch den schneearmen Winter waren nur acht „Winterbefragungen“ von Langläufern und Schneeschuhwanderern möglich, hier werden ergänzende Befragungen im Winter 2014/2015 durchgeführt.

Zum Hintergrund: Was leistet ein sozioökonomisches Monitoring?

Großschutzgebiete wie Nationalparke sind beliebte Besucherzielgebiete. Die Erholungsnutzung stellt daher eine wesentliche Herausforderung für das Nationalparkmanagement dar. Mit der Erfassung von Besucherströmen und -strukturen werden Grundlagen für viele Entscheidungen und Maßnahmen im Rahmen des Gebietsmanagements geschaffen. Beispiele sind Personaleinsatzpläne, eine zielgerichtete Besucherinformation, die Angebotsplanung im Gelände und die Abstimmung von Marketingmaßnahmen auf die erwünschte Zielgruppe. Ebenso dienen die Daten der Gestaltung, Ausstattung und Dimensionierung der Erholungsinfrastruktur und der Weiterentwicklung des Wegekonzeptes. Außerdem werden Besuchertypen mit ihren spezifischen Ansprüchen identifiziert sowie ihre Wahrnehmung der Natur und die Zufriedenheit mit dem Besucherangebot erfasst. Daten, die in standardisierter Weise und regelmäßig erhoben werden, stellen die Basis für eine Qualitätssicherung der Angebote für Naturerlebnis und Erholung dar. Sie zeigen Trends in der Besucherzahlentwicklung und ermöglichen Vergleiche zwischen einzelnen Orten innerhalb eines Schutzgebietes, auch in zeitlicher Hinsicht. Vergleiche auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene führen zu einem besseren Verständnis der Erholungsnutzung

Herbststurm Gonzalo im Nationalpark: Folgen überschaubar, nur noch wenige Wanderwege betroffen



Obwohl der Ausläufer des Hurrikans „Gonzalo“ in der Nacht vom 21. auf den 22. Oktober 2014 zum Teil mit Orkanstärke über den Nationalpark Bayerischer Wald hinwegfegte, blieben die Sturmschäden überschaubar: Windwurf gab es zwar im gesamten Nationalparkgebiet, dies aber vor allem bei stehendem Totholz. Lebende Bäume wurden nur vereinzelt oder in wenigen Kleingruppen von maximal bis zu 25 Bäumen entwurzelt. Der Gesamtanfall an frischem Sturmholz liegt ersten Schätzungen zufolge bei 400 bis 500 Festmetern. Die meisten von Windwurf betroffenen Wanderwege sind bereits wieder passierbar, da die Nationalparkverwaltung seit Mitte letzter Woche mit allen verfügbaren Mitteln an der Beseitigung der dortigen Schäden arbeitet.

„Gonzalo“ entwurzelte nur vereinzelt lebende Bäume – wie hier an der Hochfichtstraße östlich vom Kiesruck. Nur im Bereich Scheuereck gab es einzelne kleine Gruppenwürfe mit bis zu 25 Bäumen. (Foto: NPV Bayerischer Wald))

So können die Bohlenstege zwischen Zwieselter Filz und Hochschachten, die besonders stark betroffen waren, trotz einiger beschädigter Stellen wieder gefahrlos begangen werden, und auch der unmarkierte Weg über die Steinbachfälle zum Großen Falkenstein wurde freigeschnitten.

Lediglich in den Hochlagen des Rachelgebietes, Bereich Riedlhütte, muss noch mit Behinderungen gerechnet werden. Dort sind vor allem die Wanderwege „Auerhahn“ und „Specht“ betroffen (vergl. Online-Wegeservice im Internet unter Wegeservice); die Arbeiten hier sind aber voraussichtlich innerhalb der nächsten 14 Tage abgeschlossen. Der Seelensteig bleibt jedoch bis auf weiteres gesperrt. Hier wurde der Bohlensteig vom Sturm beschädigt und muss komplett ausgebessert werden. Außerdem besteht auf den Bohlen Rutschgefahr, die beseitigt werden muss.


Neuer Wildnissteig in Buchenau

Schachten bei Buchenau

Seit kurzem lädt ein neuer Wildnissteig dazu ein, den wildromatischen Pommerbach bei Buchenau und die dort gelegenen Überreste der früheren Glashüttenkultur auf einer rund 2,5 Kilometer langen Trasse zu erkunden. Entstanden war der Weg im Wesentlichen durch den ehrenamtlichen Einsatz von Teilnehmern eines internationalen Junior Ranger Camps, das im vergangenen Jahr von der europäischen Europarc Federation im Wildniscamp am Falkenstein durchgeführt worden war.

In einem gemeinsamen Begang mit Mitgliedern des Lindberger Gemeinderates und der Lindberger Bürgermeisterin Gerti Menigat stellten nun Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl und Nationalparkförster Reinhold Weinberger den nach letzten Handgriffen durch Nationalparkpersonal fertiggestellten unmarkierten Wanderweg vor. „Wir freuen uns, dass der Wildnissteig Pommerbach nach dem tollen Engagement der Jugendlichen im vergangenen Jahr nun genutzt werden kann. Der Steig ist zum einen ideal für Einheimische aus Buchenau und Umgebung, die sich bei einem kurzen Waldspaziergang erholen wollen. Der Weg eignet sich aber auch für Führungen mit Besuchern, die sich einen Eindruck von der wilden Waldnatur des Nationalparks Bayerischer Wald und dem Leben der Waidler in dieser rauen Umgebung verschaffen wollen“, erläuterte Nationalparkleiter Franz Leibl.

„Der Weg wurde auf der ehemaligen Schlittenzugtrasse entlang des Pommerbaches angelegt; mit dem Ausbau wollten wir verhindern, dass diese Trasse komplett verfällt und so verloren geht.

In Zukunft werden im Schloss Buchenau verstärkt Weiterbildungsseminare mit auswärtigen Gästen stattfinden; auch für diese Besucher ist es ideal, wenn wir ihnen im unmittelbaren Umfeld attraktive Führungen anbieten können“, ergänzt Nationalparkförster Reinhold Weinberger.

Wer den Wildnissteig Pommerbach erkunden will, sollte in der Tat entweder ortskundig sein oder ein Führungsangebot durch Ortskundige nutzen, da der Weg nicht zum markierten Wegenetz des Nationalparks Bayerischer Wald gehört.

Ausgehend vom Wanderparkplatz Buchenau ist der Steig entlang des Baches – ganz im Sinne eines Wildnissteiges – lediglich als ausgetretener Pfad erkenntlich, bei dem Trittsteine den Übergang an feuchten Stellen erleichtern und einzig Findlinge und Baumstämme eine Bachquerung ermöglichen. Über dem Weg liegende Baumstämme werden nur dann weggeräumt, wenn Wanderer nicht darüber hinwegsteigen können.

Bei ihrem vierwöchigen Einsatz hatten die Jugendlichen des Junior Ranger Camps lediglich Gebüsch weggeschnitten und die Trassenführung durch Erdarbeiten entlang der Wegböschung verbessert. Obwohl der Pfad in der randlichen Managementzone des Nationalparks liegt, kann sich der dortige Wald weitgehend entsprechend der Nationalparkphilosophie „Natur Natur sein lassen“ entwickeln.

Für Besucher interessant sind außerdem die verschiedenen Überreste der Glaswirtschaft, die für Buchenau bereits im 17. Jahrhundert dokumentiert ist.

Wilderei bedroht Luchsvorkommen – Aktuelle Studie belegt begrenzte Verbreitung von Luchsen in Ostbayern

Luchs auf der Pirsch

Obwohl Luchse in vielen Bereichen Deutschlands geeignete Lebensbedingungen hätten, sind nach wie vor auf Schutzgebiete als sichere Rückzugsräume angewiesen, in denen sie weder gejagt noch anderweitig verfolgt werden.

Europas größte Raubkatze hat sich wieder im deutsch-tschechischen Grenzgebiet etabliert. Allerdings leben die Luchse fast ausschließlich in den zwei benachbarten Nationalparks Bayerischer Wald und Šumava (Tschechien).

Wissenschaftler haben nun untersucht, warum sich die Tiere nicht in anderen Regionen ansiedeln. Ihr Fazit: Offenbar verhindern illegale Abschüsse die weitere Ausbreitung der geschützten Art. Ihre Studie stellten die Forscher kürzlich im Fachmagazin Biological Conservation vor (Nr. 177 (2014) S. 210–217, DOI: 10.1016/j.biocon.2014.07.007).

Spätestens seit Ende des 19. Jahrhunderts galt der Luchs im Grenzgebiet zwischen Deutschland, Tschechien und Oberösterreich als ausgestorben. In 1970er und 1980er Jahren wurden dort etwa 25 Luchse ausgesetzt. Der Luchsbestand wuchs auf derzeit etwa 50 Tiere – mit Schwerpunkt in den beiden Nationalparks Bayerischer Wald und Šumava auf der tschechischen Seite.

„Von diesem Vorkommen ausgehend hoffte man, dass der Luchs neue Lebensräume zum Beispiel im Erzgebirge oder Thüringer Wald erobert“, erklärt Dr. Jörg Müller vom Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie an der Technischen Universität München (TUM) und Forschungsleiter des Nationalparks Bayerischer Wald. „Nur so kann sich in Mitteleuropa langfristig eine große, stabile Population bilden.“ Welche Rolle spielen menschliche Aktivitäten?

In der aktuellen Studie, an der neben der TUM auch die Universität Zürich und das Bayerische Landesamt für Umwelt beteiligt waren, suchten die Wissenschaftler nach der Ursache für die schleppende Ausbreitung der Luchse. Dabei stellten sie fest, dass sich die Tiere selten mehr als 70 Kilometer vom Zentrum der beiden Parks wegbewegen; die Luchsnachweise wurden umso seltener, je weiter eine Gemeinde vom Nationalpark entfernt war.

In anderen Gebieten, zum Beispiel in Skandinavien, wandern insbesondere männliche Tiere deutlich weiter - im Schnitt etwa 150 Kilometer, so das Ergebnis einer Studie aus dem Jahr 2012. „Wir wissen, dass Luchse sehr scheu sind und sich überwiegend von Rehwild ernähren“, sagt Müller. „Daher untersuchten wir, inwieweit menschliche Einflüsse und die Beutedichte eine Rolle spielen“.

In ihrer Studie zeichneten die Wissenschaftler Luchsnachweise in 530 ostbayerischen Gemeinden rund um den Nationalpark auf. Das Ergebnis überraschte: Siedlungen und Straßenverkehr schienen den nachtaktiven Luchs nicht zu stören. Das Nahrungsangebot war gut, teilweise gab es im Umland mehr Rehe als in den Nationalparks. „Das Territorium bietet den Raubkatzen ideale Lebensbedingungen. Der Grund für ihre geringe Verbreitung liegt daher woanders: Wir gehen davon aus, dass illegale Abschüsse den Bestand dezimieren“, so Müller.

Um gesicherte Aussagen über mögliche Störfaktoren und das Nahrungsangebot zu erhalten, hatten die Forscher umfangreiches Datenmaterial aus den Jahren 2005 bis 2010 analysiert und mit den Luchsnachweisen verglichen. Sie nutzten Satellitendaten, mit denen sie nächtliches Licht in Siedlungen oder auch Straßen - und damit menschliche Aktivitäten - nachweisen konnten. Das Rehwild quantifizierten sie anhand von Wildtierunfällen - eine zuverlässige Quelle, da Autofahrer diese polizeilich melden müssen, um von ihrer Versicherung entschädigt zu werden.

  • Luchse bleiben isoliert

Wilderei lässt sich selten nachweisen. Allerdings verschwinden immer wieder dokumentierte Jungtiere; 2012 und 2013 wurde in der Nationalparkregion Bayerischer Wald ein Luchs vergiftet und ein trächtiges Weibchen erschossen aufgefunden. Zudem kann Studienleiter Müller auf Daten aus Tschechien zurückgreifen: Dort verjähren Wilderei-Vergehen nach nur einem Jahr, illegale Abschüsse werden daher häufig nachgemeldet. „Seit der Ansiedelung der Luchse haben die Behörden von 62 Tötungen erfahren - die Dunkelziffer liegt vermutlich deutlich höher“, sagt Müller.

Bei diesem Muster haben die Luchse im Untersuchungsgebiet kaum eine Chance, sich mit anderen Populationen im Harz, in den Vogesen, Karpaten oder Alpen zu vermischen. Dafür, so Müller, müssten die Luchse gleichzeitig in mehreren Regionen Mitteleuropas freigesetzt werden - möglichst in waldreichen Gebieten mit hoher Rehwilddichte. „Nur so kann Europas drittgrößtes Raubtier langfristig überleben“, bringt es Müller auf den Punkt.

Vor einigen Monaten haben der TUM-Lehrstuhl für terrestrische Ökologie und der Nationalpark Bayerischer Wald die Zusammenarbeit in Forschung und Lehre vertraglich vereinbart. „Die aktuelle Arbeit zeigt, wie bedeutend Nationalparke für den Artenerhalt sind – und verweist auf Notwendigkeit, auch außerhalb von Schutzzonen die Artenvielfalt aktiv zu fördern“, kommentiert Ordinarius Prof. Wolfgang Weißer von der TUM.

Fragen zu der Studie beantworten:

Dr. Jörg Müller
 Technische Universität München / Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald Tel.: +49 8552 9600-179 joerg.mueller@npv-bw.bayern.de

Prof. Dr. Wolfgang Weißer Technische Universität München Lehrstuhl für terrestrische Ökologie Tel.: +49 8161 71-3496 wolfgang.weisser@tum.de

siehe auch

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