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Schmidinger Kapellenweg

GRAINET.JPGDie Gemeinden im Umkreis des Haidel können seit dem Jahre 2001 einen neuen Themenwanderweg anbieten, der zahlreiche Sakralbauten wie Kapellen, Bildstöcke, Wegkreuze und nicht zuletzt mehrere Pfarrkirchen miteinander verbindet. Der Haidel ist bekanntlich die landschaftsbestimmende Erhebung im Unteren Bayerischen Wald, an der 5 Gemeinden Anteil haben. Und eben diese Gemeinden haben sich zusammengetan und einen Wegeverbund markiert, der aus 5 Kapellen-Rundwegen besteht.


Flurdenkmäler sind Signaturen alter bäuerlicher Kulturlandschaften, Zeugnisse der menschlichen Religiosität, ja formgewordene Dokumente der Volksfrömmigkeit. Stets sind sie aber auch vor dem Hintergrund der Naturräume und der jeweiligen Siedlungsstrukturen zu sehen, in die sie eingebettet sind. Die Idee zu diesen Kapellenwegen entstand im Umfeld der Renovierungsarbeiten an der ehemaligen Schwendreuter Waldkapelle - selbstverständlich, dass auch sie von der Wanderrunde tangiert wird.
Eine dieser 5 Wanderrunden ist der 19 Kilometer lange Schmidinger Kapellenweg. Er verbindet die meisten Kapellen und Kirchen des Hinterschmidinger Gemeindegebietes. Ausgangspunkt ist der Dorfplatz in Hinterschmiding, als Markierung dient ein Kapellensymbol. Die einzelnen Stationen sind dabei:

Hinterschmidinger Pfarrkirche: 1971 erst anstelle einer vorbestehenden, zu klein gewordenen Schulkapelle errichtet und Jesus Christus, dem Auferstandenen, geweiht. Eine Pestsäule von 1646 ziert den Kirchvorplatz.

Marienbildstock auf dem Biegel: Er wurde 1980 von den Mitgliedern der Kath. Arbeiterbewegung erbaut und birgt eine Marienstatue aus der früherer Schmidinger Schulkapelle.

Dorfkapelle Kaining: der -Schmerzhaften Gottesmutter Maria- geweiht, aus dem Jahre 1890.

Dorfkapelle Oberseilberg: weitere Kapelle, geweiht -Maria unter den Linden-

Waldkapelle Schwendreut: Vom ehemaligen Dorf Schwendreut steht nur noch die ehemalige Dorfkapelle, 1997 erst wieder grundlegend saniert. Faszinierend ist die Aussicht von dieser Stelle, welche weit über die vorgelagerten Höhen des vorderen Bayer. Waldes hinausreicht und an klaren Föntagen gar die Alpenkette erreicht. Einst standen hier in Schwendreut 8 Anwesen; die letzten Bewohner sind 1957 abgewandert, vertrieben durch unwirtliche, karge Lebensbedingungen, Wetterunbill und Brandkatastrophen.

Bruder Konrad Kapelle Schwendreut: Unweit davon, etwas versteckt, eine weitere kleine Kapelle - dem Bruder Konrad geweiht. 1931 errichtet, geht sie auf die Stiftung einer Passauer Bürgerin zurück, welche damals sich zu einem Genesungsaufenthalt in Schwendreut aufgehalten hatte.
Pfarrkirche Herzogsreut: dem Hl. Oswald, dem Patron des Viehs und der Schnitter geweiht. Eine schattige kurze Allee dirigiert uns in den neoromanisch gestalteten Kirchenbau. 1843 war seiner Entstehung ein zäher Kampf um Finanzmittel und Genehmigung vorausgegangen.

Greimelkapelle: Würde man in Herzogsreut die Dorfzeile hinab schreiten, fände man die sog. Greimelkapelle. Sie ist aus einem einzigen Granitblock gehauen und birgt in ihrer Nische eine Marienfigur, umrahmt von üppigem Geranienschmuck. Der Überlieferung nach wurde sie 1861 ex voto aufgerichtet, nachdem Franz Greimel, damaliger Gastwirt -Zur alten Post-, von scheuenden Pferden zu Boden gestoßen wurde, aber mit dem Schrecken davon kam.

Bäcker-Kreuz-Kapelle: Waldkapelle von 1978, welche das sog. Bäcker-Kreuz birgt.
Kohlstattkapelle: Unter dem Eindruck, dass es hier dereinst -geweihrazt- hat wurde sie ursprünglich 1858 von den Müllerseheleuten Obermüller aus Heldengut erbaut, von der Familie Resch aus Heldengut 1954 praktisch völlig erneuert, 1980 renoviert und in ihrer Position verändert.
Dorfkapelle Sonndorf: eigentlich schon ein kleines Gotteshaus, 1964 neu erbaut, als Ersatz für eine vorbestehende Kapelle.

Vorderschmidinger Dorfkapelle: schützt ein besonders schönes sog. Waffen-Christi-Kreuz. Eine Tafel im Kapellenraum weiß zu berichten, dass 1929 im Januar eine böse Viehseuche großen Schaden anrichtete. Da habe Michael Wagner aus Vorderschmiding das Gelübde getan, eine Kapelle zu bauen, nach welchem die Seuche auch plötzlich geendet habe.

Wegbeschreibung
Im Bereich des unteren Dorfplatzes leitet uns der Röhrnweg durch die Mulde des Schürrbachs auf die Anhöhe des Biegel (Marienbildstock). Wir halten uns rechts, treten an einer Sitzgruppe in den Gernwald ein, wandern zum Tyrobach hinunter und orientieren uns linkerhand nach Kaining. Ein gut ausgebauter Forstweg stellt die Verbindung nach Oberseilberg her. Über die hängigen Fluren dieses Dorfes erreichen wir den Waldrand, wo uns beste Aussichtsmöglichkeiten geboten werden. Schattige Waldwege bringen uns nach Schwendreut hinauf, wo uns auf einer kleinen Waldwiese mit der ehemaligen Dorfkapelle und (etwas abseits davon) der Bruder-Konrad-Kapelle, zwei weitere Gebetsstätten präsentiert werden.
Herzogsreut ist unsere nächste Station mit Pfarrkirche und Greimelkapelle. Weiter geht es nun zum Bäckerkreuz in einer bescheidenen Waldkapelle; hierzu nutzen wir einen geteerten Flurweg, welcher am Ortsausgang (Richtung Hinterschmiding) rechterhand abzweigt. Waldwege bringen uns zu einer Flurkapelle bei Heldengut.
Nach Sonndorf und weiter nach Vorderschmiding wandern wir auf befestigten Nebenstraßen. Am Wertstoffhof kreuzen wir die Kreisstraße und treffen dann am Waldrand erneut auf den Schürrbach. Und dieses Bächlein wird uns schließlich auch wieder nach Hinterschmiding zurückbegleiten.

Anforderungen
Der Kapellenweg ist ca. 19 Kilometer lang, was einer Gehzeit von 5 ½ bis 6 ½ Std. entspricht. Die Höhendifferenz beträgt 320 Höhenmeter.

Einkehrmöglichkeiten
Dem Wanderer werden Gasthäuser in Oberseilberg, Herzogsreut, Vorder- und Hinterschmiding geboten.

Dr. Dillinger Peter

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